100 Jahre St. Johannesstift Ershausen (Eichsfeld) - Blog der Familie Schuster aus Heiligenstadt - Heiligenstadt im Eichsfeld

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100 Jahre St. Johannesstift Ershausen (Eichsfeld)

Heiligenstadt im Eichsfeld
Herausgegeben von in Eichsfeld ·
Tags: JohannesstiftErshausen
"Am 13. September wurde das größte katholische Debilenheim der DDR 100 Jahre alt. Die Stiftung besteht aus einem Ausbildungs- und drei Betreuungsbereichen: Dauerheim für geistig Behinderte (220 Plätze), Kindergarten (35 Plätze), Krankenhaus (19 Plätze) sowie Krankenpflegeaspirantur (15 Plätze). Zusammen mit dem Raphaelsheim in Heiligenstadt (60 Plätze) und dem St.-Josefs-Institut Dingelstädt (37 Plätze) stehen im Jurisdiktionsbereich Erfurt–Meiningen in drei Debilenheimen 317 Plätze zur Verfügung. Ein viertes Heim ist in Sundhausen bei Gotha mit 20 Plätzen geplant.

Die Gesamteinrichtung leiten „Barmherzige Schwestern vom Hl. Vincenz von Paul zu Paderborn“. Der Ortspfarrer ist Kuratoriumsvorsitzender. Die seelsorgliche Betreuung obliegt einem Rektor. Die 274 Betreuten aller drei Bereiche in Ershausen sind rund 100 Beschäftigten anvertraut. Für die 220 Behinderten sorgen 40 Mitarbeiter, darunter 5 Ordensschwestern.
Das Hauptanliegen ist, geistig Behinderten die ihnen gemäße Lebenshilfe im Sinne eines schützenden Hintergrund-Umfeldes zu geben, da viele Angehörige dies nicht können. Nach 1968 vollzog sich ein staatlich gelenkter Strukturwandel von schulbildungsfähigen zu nicht schulbildungsfähigen, jedoch praktisch bildbaren, förderungsfähigen und pflegebedürftigen geistig Behinderten. Gleichzeitig wandelte sich die Altersstruktur von Kindern und Jugendlichen zu Erwachsenen, die in neun Gruppen mit jeweils mindestens zwanzig Mitgliedern betreut werden. Die komplexe Lebensführung einschließlich heilpädagogisch fundierter Arbeitstherapie in Haus, Stall, Feld, Garten, Werkstätten und mit dem VEB Spielwarenmechanik Pfaffschwende vertraglich geregelter Heimarbeit ermöglicht allen Heiminsassen ein sinnvolles Leben.

Heiligenstadt.net

Das Krankenhaus und die „Kleinkinder-Bewahrschule“, der heutige Kindergarten, waren der ursprüngliche Stiftungszweck. Die Umwandlung des Hauses in ein Haus für behinderte Menschen vor rund 80 Jahren hat sich als zeitgemäße Ausdrucksform der Nachfolge Christi in allen Gefährdungen, besonders der Nazizeit, bewährt.

Die kirchliche Feier des Jubiläums am 12. September 1985 erinnerte an die tragenden Motive christlicher Zuwendung zum Nächsten: die Liebe und das Erbarmen Gottes, die uns durch Christus erschlossen wurden, wollen weitergegeben werden. Die Festmesse, die Bischof Joachim Wanke zelebrierte, vereinte alle Heimbewohner, Mitarbeiter und Gäste im Dank an Gott. Dankbar wurde auch an Bischof Hugo Aufderbeck gedacht, der das Johannesstift sehr förderte und mit seinen Bewohnern herzlich verbunden war. Von ihm stammt das Wort: „Das Johannesstift lebt von der Liebe und für die Liebe.“

Tag des Herrn vom 12.10.1985, Wolfram Zilske


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