Blog der Familie Schuster aus Heiligenstadt - Heiligenstadt im Eichsfeld

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Aus dem Archiv: Tornados über unserem Kreis richteten vor 30 und 80 Jahren erhebliche Schäden an

Heiligenstadt im Eichsfeld
Herausgegeben von in Eichsfeld ·
Tags: ArenshausenHohengandern
Am Nachmittag des 28. August 1956 ging über dem Eichsfeld ein kurzes, aber sehr heftiges Gewitter mit Hagelschlag nieder. Über Hohengandern und Arenshausen tobte gegen 17.15 Uhr ein Wirbelsturm, ein regelrechter Tornado, wie er hier seit Menschengedenken nicht erlebt worden war. Viele Dächer wurden abgedeckt und Fenster eingedrückt. Wie leichte Schneeflocken, Federn oder Laub wirbelten die Dachziegel in die Höhe und prasselten auf die von entwurzelten Bäumen blockierten Straßen, die bald von zerbrochenen Ziegeln, zersplitterten Scheiben, zerschlagenen Baumästen und Unmengen Fallobst förmlich übersät waren.

Selbst von den beiden mächtigen Linden an der Apotheke in Hohengandern barsten starke Äste und schlugen auf die Fahrbahn. Von den Feldern kamen schwere Getreidegarben hoch durch die Luft geflogen und hingen nach dem Sturmwirbel auf Bäumen und Dächern. Auch in Arenshausen wurden von der Gewalt des Orkans Dächer abgehoben und der Dreschschuppen der Gemeinde völlig eingerissen. Lichtmasten knickten wie Streichhölzer, zahlreiche Telefonleitungen wurden unterbrochen. Feuerwehr sowie Bautrupps des E-Werks und der Deutschen Post waren viele Stunde zu Aufräumungsarbeiten und zur Behebung der an den Leitungen entstandenen Schäden eingesetzt.

Ein ähnlich verheerender Wirbelsturm mit Hagel und wolkenbruchartigem Regen war in unserem Kreis vor genau 80 Jahren, im Sommer 1906, schon einmal verzeichnet worden. Über Gerbershausen heranfauchend, richtete er damals besonders in Birkenfelde schwere Zerstörungen an. Die meisten Einwohner waren gerade in der Kirche, deren Mauern bebten und Fenster herausgeschleudert wurden. Im Oberdorf wurde die 30 Meter lange und 180 Meter breite Scheune vom rasenden Luftquirl erfaßt und stürzte ein, wobei das große Scheunentor mit mächtigem Getöse wie ein Papierfetzen in die Luft geschleudert wurde. Nicht nur viele Gebäude im Dorf und die Straßen wurden arg verwüstet, sondern auch die Feldflur. Die Getreidefelder waren nach dem Unwetter wie gewalzt und die Ackerkrume von den Wasserfluten fortgeschwemmt.

heiligenstadt.net

Bild: Bei dem starken Sturm vor 30 Jahren kamen die Dächer dieser Wohnhäuser in Hohengandern noch relativ glimpflich davon.
Quelle: Thüringer Tageblatt vom 30.08.1986


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