Blog der Familie Schuster aus Heiligenstadt - Heiligenstadt im Eichsfeld

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Heimatgeschichten: Die Sulbergwarte bei Duderstadt

Heiligenstadt im Eichsfeld
Herausgegeben von in Eichsfeld ·
Tags: DuderstadtSulbergwarte
Im Nordwesten von Duderstadt erhebt sich auf einem 226 m hohen Hügel die Sulbergwarte.  Sie wurde Mitte des 14. Jahrhunderts erbaut und als „Sulbergswarde“ 1397 erstmals erwähnt. Zum Verteidigungssystem der Stadt gehörten insgesamt 16 Warten.

In der Nähe befand sich an einem Abhang die Richtstätte der Stadt. Hier wurden die Galgen auf dem „Galgenmorgen" aufgerichtet. Erst nachdem die Leichen der Verurteilten vom Galgen herabgefallen war, durften sie vom Scharfrichter begraben werden.

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Hier soll sich vor Jahrhunderten folgende makabere Geschichte zugetragen haben:

„Vor einigen hundert Jahren ging ein Bauersmann aus Mingerode nach Duderstadt zum Jahrmarkt. In früheren Zeiten hielten die Leute noch viel vom Jahrmarktgehen, noch mehr allerdings vom Einkehren in den Wirtshäusern. Auch dieser Mann freute sich darauf, dass er sich mal einen gemütlichen Tag machen konnte. Er hatte aber eine Frau, deren Lieblingsspeise frisch gebratene Kalbsleber war. Als er fortgehen wollte, sprach die Frau den Wunsch aus, er möchte ihr doch als Jahrmarktsgeschenk eine Leber mitbringen, was er ihr auch zusagte.

Nachdem der Bauer auf dem Markt im Essen und besonders im Trinken des Guten etwas zu viel getan hatte, trat er den Heimweg an. Es dunkelte bereits. Als er dann langsam den Sulberg hinauf schritt, ging eben der Mond auf. Da fiel ihm plötzlich ein, dass er ganz und gar vergessen hatte, für seine Frau die Leber zu kaufen. Und weil sein Weib einen gepfefferten Mund hatte, so wollte er wieder umkehren. Jetzt merkte er jedoch, dass er keinen Pfennig Geld mehr in der Tasche hatte, und er ging weiter den Berg hinan. Oben auf dem Sulberge in der Nähe des Galgens angekommen, sah er, dass daran ein Mann hing. Nicht lange zögernd, kletterte der Bauer am Galgen hinauf und schnitt den Gehängten ab, trennte diesem die Leber aus dem Leib, wickelte sie ein und wankelte nach Hause.

Die Frau hatte schon voll Ungeduld auf ihren Mann gewartet und empfing ihn sehr ungnädig. Als er ihr aber die Leber reichte, war sie zufrieden. Sie eilte umgehend in die Küche, bereitete die Leber zu und aß davon. Dann ging sie zu Bett. Gegen Mitternacht wurde die Frau plötzlich durch ein Geschrei geweckt. Sie richtete sich auf und hörte fortwährend eine weinerliche Stimme rufen: „Mine Lewern, mine Lewern, mine Lewern!“ Erst als der Wächter die erste Stunde ausrief, war alles ruhig. In der folgenden Nacht ging es gerade wieder so, so dass sich die Frau bei Tagesanbruch dazu entschloss, den Pfarrer zu Obernfeld aufzusuchen. Dieser meinte: „Gute Frau, ihr habt wohl geträumt.“ Da sie aber bei ihrer Behauptung blieb, so wusste er ihr keinen anderen Rat zu geben, als dass sie fragen sollte, wer denn die Leber hätte. Als nun die Frau in der folgenden Nacht wiederum die Rufe vernahm, fragte sie: „Wei hat denn diene Lewern?“ Da bekam sie zur Antwort: „Du hest mine Lewern uppegetten.“

Entsetzt sprang die Frau auf und stellte ihren Mann zur Rede. Dieser, zunächst allerhand Ausflüchte vorbringend, bekannte aber zuletzt alles haarklein und bat flehentlich darum, doch ja über die ganze Angelegenheit nicht mehr zu sprechen. Die Frau aber fiel bald in ein hitziges Fieber. Infolge ihrer wirren Reden wurde die Sache ruchbar, und nach einiger Zeit baumelte der Bauer am Galgen auf dem Sulberge.“

Quellen: Christian Mecke – „Versunkene Schätze des Eichsfeldes - Die schönsten alten Sagen“, http://www.warttuerme.de/Niedersachsen/LK_Goettingen/Duderstadt/duderstadt.html



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