Heimatgeschichten: Das barocke Gemeindehaus in Bodenrode - Blog der Familie Schuster aus Heiligenstadt - Heiligenstadt im Eichsfeld

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Heimatgeschichten: Das barocke Gemeindehaus in Bodenrode

Heiligenstadt im Eichsfeld
Herausgegeben von in Eichsfeld ·
Tags: Bodenrode
Bodenrode besitzt ein schönes zweigeschossiges Fachwerkhaus mit einem massiven Sockelgeschoss, heute Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Leinetal. Über dem Haupteingang, der von einer zweiseitigen Treppe zu erreichen ist, befindet sich eine Inschriftentafel.

Über dem Einfahrtstor steht: MIHV. AN – NO 1785. Als Baumeister wird der Dingelstädter Zimmermeister Wiedeholz genannt.
Das Haus soll von einem wohlhabenden Rechtsanwalt aus Wien erbaut worden sein. Deshalb hat das schöne Gebäude ursprünglich den Namen „Wiener Hof“ geführt. Noch heute befindet sich hier die Gemeindeschänke.

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Über seine Entstehung des alten Gasthofes wissen die Bodenröder folgendes zu berichten:

„Wie viele Eichsfelder zog eines Tages auch ein junger Mann dieses Dorfes hinaus in die Welt. Er hatte einen „hellen Kopf“, wie man so sagt, und verfügte über den Unternehmungsgeist, den man den Eichsfeldern nachsagt. Nachdem er zahlreiche Länder durchwandert hatte, kam er auch nach Wien. Dort hatte er das bisschen Glück, das sich nicht nur jeder Auswanderer wünscht. Durch seinen Fleiß, und vielleicht auch ein wenig Bauernschläue, brachte er es zu Ansehen und Vermögen und zu einer hochgeachteten Stellung. Schließlich wurde er für seine Verdienste vom Kaiser in den Adelsstand erhoben und heiratete eine Grafentochter.
Doch so sehr er auch vom Glück begünstigt war, die Sehnsucht nach dem kleinen Eichsfelddorf im Tal der Leine blieb immer wach in ihm. So beschloss er denn, sich in seinem Heimatdorf ein Haus errichten zu lassen, in dem er immer einmal absteigen könnte, wenn das Heimweh ihn plagte. Er setzte sich mit einem heimischen Baumeister in Verbindung, und dieser erbaute dem Landsmann aus Wien ein Haus, so stattlich und schön, dass es alle Gebäude in Bodenrode und Umgebung übertraf.
Als das Haus fertig war, kam eines Tages der vornehme Mann mit seiner Gemahlin in einer prächtigen Kutsche nach Bodenrode. Das ganze Dorf lief zusammen und staunte über das vornehme Ehepaar. Dieses besah sich das neue Haus, aber trotz der Größe und der schönen Einrichtung im Inneren gefiel es der vornehmen Dame nicht, und geringschätzig meinte sie:
„So groß wie meines Vaters Taubenschlag! In einem solch primitiven Haus kann ich nicht wohnen!“
Da ihr Wille nun einmal maßgebend war, musste der Kutscher auf der Stelle umkehren. Die Dorfleute aber wollten bemerkt haben, dass der Landsmann noch einen langen, sehnsüchtigen Blick nach dem Hause geworfen habe.
Nach einiger Zeit erhielt der Bodenröder Schultheiß aus Wien eine größere Summe Geldes für die Bedürftigen des Dorfes und eine Schenkungsurkunde, aus welcher hervorging, dass das neue große Haus der Gemeinde geschenkt worden sei. Da es im Dorfe aber kein richtiges Gasthaus gab, wurde es als Gemeindeschenke eingerichtet.“

Quelle: Rudolf Linge: „Der Hahn auf dem Kirchturm“ – 1978, Walter Rassow: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Worbis


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