Heimatgeschichten: Röhrig und der Goldborn - Blog der Familie Schuster aus Heiligenstadt - Heiligenstadt im Eichsfeld

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Heimatgeschichten: Röhrig und der Goldborn

Heiligenstadt im Eichsfeld
Herausgegeben von in Eichsfeld ·
Tags: RöhrigGoldborn
Umgeben vom Röhrichsberg und Erpelsberg liegt im Tal der kleine Ort Röhrig. Als „Roorich“ wird der kleine Ort erst spät im Jahre 1536 urkundlich erwähnt. Der Name bedeutet "Schilfrohr". Im Dorf gibt es die einzige Elisabethkirche vom gesamten katholischen Eichsfeld.  

Vom Goldbörnchen erzählt man sich eine schöne Geschichte:

„Nicht weit ist von hier der Weg nach dem kleinen Dorf Röhrig. In seiner Nähe entspringt eine kristallklare Quelle. Es ist das güldene Börnschen" oder „Goldbörnchen" (Born = Brunnen). In der Nähe dieses kleinen Wassers half einmal ein Junge seinem Großvater auf dem Felde. Es war sehr heiß, der Junge bekam Durst und wollte von dem klaren Wasser trinken.

,Großvater', sagte er, ich gehe jetzt zum Börnchen und trinke einen Schluck Wasser. ‚Nein, tu es nicht', bekam er zur Antwort, „die Unke könnte dir was tun. Sie wohnt noch immer dort in der Nähe. Sie hat früher schon einmal ein Mädchen umgebracht. Hör zu, ich will es dir erzählen:

Heiligenstadt.net

Früher kam immer eine Unke (= Froschlurch) an den klaren Quell, um aus dem Goldbörnchen zu trinken. Auf ihrem Kopf trug sie eine kleine goldene Krone. Damit diese nicht ins Wasser fallen sollte, nahm sie sie jedesmal vom Kopf und legte sie seitlich ins Gras. Dann ging sie näher an den Quell und trank von dem klaren Wasser. Da sah einmal ein Mädchen, wie die Unke trank, und es sah auch die goldene Krone dort im Grase liegen. Gar zu gern hätte das Mädchen die Krone gehabt. Und immer kam es wieder und sah, wie das kleine Tier seinen Durst stillte. Schließlich wollte es, während sich die Unke zum Wasser neigte, die Krone einfach an sich nehmen.
Und so wartete es hinter einem Schlehenbusch, bis sich eine Gelegenheit bieten würde. Es wartete nicht vergebens. Wieder kam das Tier, legte die Krone zur Seite und beugte sich hinab, um zu trinken. Schnell sprang das Mädchen hinzu, griff nach der Krone und wollte fort. Doch da wurde die Unke riesengroß, so groß, wie es in grauen Vorzeiten einmal Tiere auf der Erde gegeben hat – und von dem Mädchen hat niemand mehr etwas gesehen. Was mit ihm geschehen ist? Niemand weiß es. Und die Unke – ja, die soll später noch gesehen worden sein. Klein allerdings, so klein, wie sie vorher auch immer gewesen ist. – Darum muss man vorsichtig sein, wenn man aus dem Goldbörnchen trinken will.

Warum dieses Wasser Goldbörnchen" heißt? Wahrscheinlich kommt der Name von der kleinen Krone der geheimnisvollen Unke.“

Quelle: Rudolf Linge: „Der Hahn auf dem Kirchturm“ – 1978



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