Heimatgeschichten: Was sich auf dem Heiligenstädter Galgenhügel so zugetragen hatte - Blog der Familie Schuster aus Heiligenstadt - Heiligenstadt im Eichsfeld

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Heimatgeschichten: Was sich auf dem Heiligenstädter Galgenhügel so zugetragen hatte

Heiligenstadt im Eichsfeld
Herausgegeben von in Heiligenstadt ·
Tags: GalgenhügelRichteberg
Folgt man der Christoph-Heinemann-Straße in Heiligenstadt, so kommt man auf dem sogenannten „Galgenhügel“. Er liegt im Nordwesten der Stadt und hat eine Höhe von 325 Meter. Das Lagerbuch von 1671 erwähnt auf diesem Hügel die Hungrabenwarte, die an der alten Heerstraße Heiligenstadt - Rusteberg lag.
                                        
Auf dem Richteberg, speziell dem Galgenhügel, befand sich die mittelalterliche Richtstätte der Stadt. Erste Überlieferungen einer Hinrichtung stammen aus dem 15. Jahrhundert. Am 28. Juni 1484 wurde der Kirchendieb Roloff von Bünau „mit dem rade gerichtet unde dar up gelecht." Er hatte ohne Folter zugegeben, in die Kapelle des Bartholomäusspitals zu Göttingen eingebrochen zu sein und dort Inventar mitgenommen zu haben. Auf dem Weg nach Heiligenstadt wurde er festgenommen und „durch Zerstoßung der Glieder mit dem Rade" hingerichtet.
 
Im Jahre 1809 wurde durch den Oberpräfekt des Harzdepartements die Entfernung aller Galgen befohlen. Der Code Napoleon sah eine Enthauptung durch das Schwert vor. Um 1806 oder 1809 fand in Westhausen die letzte Hinrichtung durch den Strang statt. Der Verurteilte war ein Konradi aus Steinbach.
 
Am 22. Juni 1809 richtete man zwei Räuber namens Küster und Werner aus Altenau im Harz sowie im Jahre 1811 der wegen Raubmordes verurteilte Heinrich Müller aus Ershausen hin. Das gleiche Schicksal teilten die Räuber Christian Müller und Michael Vollrath aus dem Distrikt Nordhausen.
 
Am 16. April 1812 wurde eine Giftmischerin unbekannten Namens auf „der Höhe im sogenannten Huhngraben“ hingerichtet. Das Göttinger Anatomische Institut bezahlte für den Leichnam 25 Franken und 60 Centimes. Er diente den angehenden Medizinern zum Studium.
 
Die letzten Hinrichtungen auf dem Richteberg fanden Anfang des 19. Jahrhunderts statt. Am 24. März 1830 wurde hier Johann Joseph Schuchardt aus Kefferhausen wegen Mordes gerädert. Er hatte seine Geliebte Dorothea E. Eckardt und seine beiden Kinder Anton (4) und Annemarie (1 ½ Jahre) hinter die Scheune ihres Vaters gelockt und mit den Händen erwürgt.
 
Georg Urbach aus Lengenfeld wurde einen Tag vor Heiligabend im Jahre 1836 aufs Rad geflochten. Er hatte den angetrunkenen entlassenen Lengenfelder Feldhüter Georg Bickel im Schweinestall schlafend mit der Steinhacke erschlagen.
 
Vor dem Galgenhügel befindet sich die „Mathildens Ruh“. Die Gemahlin des früheren Bürgermeisters Althaus verweilte sehr gern an diesem Flecken und führte zur Namensgebung. In der Mitte befindet sich die „Hexenküche“ (ein Naturdenkmal aus Sandstein), umgeben von uralten Lärchen. Carl Duval erwähnt in seiner Beschreibung von Heiligenstadt eine Mathildengrotte, die hier gestanden haben soll.

heiligenstadt.net
 
Quelle: Eichsfelder Jahrbuch 2013 - Helmut Godehardt: Harte Strafen für Diebe, Räuber, Totschläger, Mörder und vermeintliche Hexen.


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