Heimatgeschichten: Das Nonnenholz - Blog der Familie Schuster aus Heiligenstadt - Heiligenstadt im Eichsfeld

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Heimatgeschichten: Das Nonnenholz

Heiligenstadt im Eichsfeld
Herausgegeben von in Eichsfeld ·
Tags: NonnenholzTeistungenburgBöseckendorf
Wo sich das „Nonnenholz“ genau befand, ist in verschiedenen Werken umstritten. Der Duderstädter Heimatforscher Karl Wüstefeld nennt den Wald zwischen Böseckendorf und Neuendorf. Nach neueren Erkenntnissen weist Christian Mecke das „Nonnenholz“ zwischen Berlingerode und Steinbach zu.
Die GSSD (Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland) besaß einen Beobachtungsbunker im Nonnenholz zwischen Neuendorf und Böseckendorf.
Laut Protokollbuch des Klosters besaß das Kloster 1629 noch „eine wüste Leden über dem Dorfe Berlingerode, der Knauf oder Nonnenberg genannt.“
Das Nonnenholz war Mitte des 17. Jahrhunderts Mittelpunkt eines Streites zwischen dem Kloster und den Herren von Westernhagen. Deren Untertanen weideten hier ihr Vieh, um ihr Gehölz zu schonen.

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Im Nonnenholz soll sich folgendes zugetragen haben:

„Vor Zeiten gingen zwei Männer über den zwischen Berlingerode und Steinbach gelegenen Roten Berg (Rodenberg) dem Nonnenholz zu. Sie kamen vom Duderstädter Jahrmarkt, und es war schon ziemlich spät am Abend. Als sie in die Nähe des Waldes kamen, sprach der eine: „Es liegt mir wie Blei in den Knochen, ich will mich erst ein wenig ausruhen.“ Der andere aber sagte: „Lass uns nur weitergehen, damit wir noch rasch durch das Holz kommen.“
Beide wanderten weiter. Als sie in der Mitte des Nonnenholzes angelangt waren, sahen sie zwischen den Bäumen ein Licht schimmern. Neugierig dem Schein nachgehend, erblickten sie auf einem kleinen freien Platz, auf dem eine knorrige Eiche stand, zwei weißgekleidete Nonnen, die unter dem Baum im Gras saßen und im Licht Flachsknutten (= Samenhüllen vom Flachs) trockneten. Sie winkten den beiden Männern, näher zu kommen, was diese nach einigem Zögern taten. Nun bot ihnen eine der Nonnen einige Flachsknutten an. Die Männer aber sprachen: „Davon haben wir zu Hause genug“, denn sie bauten beide selbst Flachs an. Die zweite Nonne aber sagte: „Diese sind jedoch weitaus besser als eure zu Hause.“ Da ließ sich der eine überzeugen, nahm dankend einige Knutten und steckte sie in die Tasche seines blauen Kittels. Der andere aber brummte missmutig in seinen Bart: „So ein Unsinn!“ und nahm nichts an. Schließlich setzten die beiden ihren Weg fort und kamen spät in der Nacht in Steinbach an. Als der, der die Knutten genommen hatte, in seiner Wohnung angelangt war und seinen Kittel auszog, kam ihm die Tasche viel schwerer vor als sonst. Er leerte sie und fand zu seiner großen Überraschung statt der Flachsknutten lauter kleine Goldklümpchen.
Als dann sein Begleiter und Freund am anderen Morgen von der Sache hörte, war sein Ärger groß. Alsbald eilten die beiden in das Nonnenholz, fanden aber unter der Eiche nicht eine einzige Flachsknutte. Weder von den Nonnen noch von den Knutten haben sie je wieder etwas gesehen.“

Quellen: Christian Mecke – „Versunkene Schätze des Eichsfeldes - Die schönsten alten Sagen“, Helmut Godehardt: „Aus der Geschichte des ehemaligen Zisterzienserklosters Teistungenburg“


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