Heimatgeschichten: Die Kirche von Desingerode - Blog der Familie Schuster aus Heiligenstadt - Heiligenstadt im Eichsfeld

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Heimatgeschichten: Die Kirche von Desingerode

Heiligenstadt im Eichsfeld
Herausgegeben von in Eichsfeld ·
Tags: Desingerode
Zwischen Esplingerode und Werxhausen liegt das Dorf Desingerode, das zusammen mit den beiden Gemeinden eine Ortschaft bildet. 952 wurde der Ort in einer Urkunde Otto I. erstmals erwähnt.

Die Desingeröder Kirche ist Sankt Mauritius und Gefährten geweiht. Sie ist der vierte bekannte Kirchenbau des Ortes und wurde 1749 unter der Leitung des Pfarrers Johann Christian Krebs gebaut.

Der Ort ist seit 1207 Pfarrei mit Filialen in Esplingerode und Werxhausen. Seit 1230 wurde eine Liste mit Pfarrern des Dorfes geführt. Desingerode führt seit 1950 ein Wappen mit einer Rose, die von einem Siegel des Johann von Desingerode aus dem Jahr 1308 stammt.



Über die Glocke der Kirche erzählt man folgende Geschichte:

„Einst lag zwischen Nesselröden und Werxhausen das Dörfchen Nackenrode. Lange vor dem Dreißigjährigen Krieg war es eine Wüstung geworden. Die Bewohner dieses Ortes hatten sich zum größten Teil in Nesselröden angesiedelt und von dort ihre Felder beackert. Der Schweinehirt von Nesselröden hütete eines Tages im Brachfelde, zu dem die Nackenröder Flur gehörte, seine Herde. Eine Sau wühlte an einer feuchten Stelle und legte dabei einen Gegenstand frei, der dem Hirten sonderbar erschien. Er betrachtete ihn näher. Zu seinem Erstaunen stellte er fest, daß es sich um den oberen Teil einer Glocke handelte.

Er meldete den Fund im Dorfe, und viele Bewohner Nesselrödens kamen an die Stelle, um die Glocke aus dem Sumpf zu ziehen. Aber alle Anstrengungen waren vergebens. Zwischen den Zuschauern befand sich ein Mädchen, das nicht aus der Gegend zu stammen schien. Es trat an die Glocke heran, löste sein Haarband, knüpfte es an die Glocke und zog sie mühelos heraus. Groß war darüber das Erstaunen der Zuschauer. Unbemerkt war die Fremde verschwunden, ehe man ihr danken konnte.

Man überlegte sich nun, was mit der Glocke geschehen sollte. „Wir laden die Glocke auf einen Wagen und bringen sie nach Nesselröden in die Kirche. In unserer Feldflur ist sie gefunden worden“, so entschied der herbeigeeilte Schulze des Ortes. Ein mit zwei Ochsen bespannter Wagen war bald zur Stelle. Mit vereinten Kräften wurde die Glocke auf den Wagen geladen, und los sollte die Fahrt nach Nesselröden gehen. Die Ochsen aber waren nicht zu bewegen, die Richtung nach dem Ort einzuschlagen. Man versuchte es im Guten und im Bösen. Immer schlugen sie die entgegengesetzte Richtung ein. Als alles Mühen nichts half, sprach der eben angekommene Ortspfarrer: „Lasst die Tiere ihren Weg gehen, vielleicht soll ein anderes Dorf die Glocke haben.“

Man war mit dem Vorschlag einverstanden. Die Ochsen wurden nun losgelassen, und sie nahmen Ihren Weg nach Werxhausen. Sie hielten aber nicht in dem Ort an, sondern zogen weiter nach Desingerode. Auf dem dortigen Kirchhof blieben sie stehen. Durch nichts ließen sie sich zwingen, ihren Weg fortzusetzen.  So wurde die Glocke abgeladen und später in einem Glockenstuhl gehängt.“

Quelle: Christian Mecke: „Versunkene Schätze des Eichsfeldes - Die schönsten alten Sagen“


Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü