Heimatgeschichten: Gernrode - Blog der Familie Schuster aus Heiligenstadt - Heiligenstadt im Eichsfeld

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Heimatgeschichten: Gernrode

Heiligenstadt im Eichsfeld
Herausgegeben von in Eichsfeld ·
Tags: Gernrode
Gernrode gehört zur Verwaltungsgemeinschaft Eichsfeld-Wipperaue und blickt auf eine über 650jährige Geschichte zurück. Die Gründung von „Germenroth“ dürfte allerdings noch vor dem 12. Jahrhundert gewesen sein, darauf weist die Endung -rode hin. Der Ort besaß im Mittelalter drei Mühlen, die durch Verlegung der Wipper möglich wurde.

Wirtschaftlichen Aufschwung erlangte Gernrode im 18. Jahrhundert durch den Flachsanbau. Heute zählt der Ort zu den größten Dörfern im Eichsfeld. Der 1867 gebaute Bahnhof von Gernrode wurde in „Bahnhof Niederorschel“ umbenannt, um eine Verwechslung mit dem Gernrode im Harz auszuschließen. Zum Fahrplanwechsel 2007 erhielt der Bahnhof den Namen „Gernrode-Niederorschel“.

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Im östlichen Teil des Dorfes, so berichtet eine Geschichte, hört man um Mitternacht ein Hämmern:

„Vor vielen Jahren wohnte in Gernrode ein Schmied, der einen guten Ruf wegen seiner Kunstfertigkeit besaß, aber auch von maßlosem Geiz erfüllt war. Eines Tages kam ein reicher Stadtherr ins Dorf und bestellte bei dem Schmied ein Grabgitter. Es gehörten dazu 13 Ringe. Der Herr versprach dem Meister einen außergewöhnlich hohen Lohn, stellte aber als Bedingung, daß das Gitter an einem bestimmten Tag fertig sein müsse, da er andernfalls die Annahme verweigern werde. Der Schmied ging darauf ein und begab sich alsbald eifrig an die Arbeit. Sie ging ihm gut von der Hand, und am Tage vor dem Liefertermin hatte er das Ganze fertig bis auf den 13. Ring.

Nachdem er zu Abend gegessen hatte, nahm er die Arbeit sofort wieder auf, aber sie wollte ihm nicht gelingen. Immer wieder zersprang der Ring. Da fing der Meister an zu fluchen und zu wettern. Aber es half nichts. Schon war die Mitternacht herangekommen, und er fühlte sich müde und abgespannt. Was sollte nun werden? Gelang das Werk nicht, so entging ihm der vereinbarte Lohn. In seinem Arger rief der Schmied den Bösen zu Hilfe. Dieser erschien auch sofort und war bereit, ihm zu helfen, aber nur unter der Bedingung, dass der Meister sich ihm mit seinem eigenen Blut verschriebe. Der Schmied, der nur an das Geld dachte, das ihm entgehen könnte, willigte ein. Er öffnete die Pulsader am linken Unterarm und unterschrieb den Vertrag mit seinem Blut. Dann ging er wieder an die Arbeit, und alsbald war der Ring vollendet.

Als der Stadtherr am anderen Tag kam, um das Grabmal zu holen, war er hocherfreut über das Kunstwerk und gab dem Meister das Doppelte des versprochenen Lohnes. Schmunzelnd nahm dieser die klingende Münze in Empfang und verschloss alles in seiner eisernen Truhe, die bald bis an den Rand mit Gold- und Silberstücken gefüllt war. Der Schmied sollte sich aber des Goldes nicht lange erfreuen. Nach Jahr und Tag erschien der Böse und holte ihn in sein Reich.

In der Geisterstunde jedoch kehrte der Schmied stets in seiner Werkstatt zurück und hämmerte an dem 13. Ring, der aber, sobald es ein Uhr schlug, immer wieder zersprang. Daher rührte das Hämmern, das früher nachts in Gernrode zu hören war. Seit aber die Schmiede abgerissen ist, hat auch das Hämmern aufgehört.“

Quelle: Rudolf Linge „Der Hahn auf dem Kirchturm“ – 1978


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