Heimatgeschichten: Der Bonifatiusbrunnen in Wendehausen - Blog der Familie Schuster aus Heiligenstadt - Heiligenstadt im Eichsfeld

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Heimatgeschichten: Der Bonifatiusbrunnen in Wendehausen

Heiligenstadt im Eichsfeld
Herausgegeben von in Eichsfeld ·
Tags: WendehausenBonifatiusbrunnen
Wenige Meter nach dem Ortseingang von Wendehausen befindet sich von der Diedorfer Landstraße kommend auf der rechten Seite der Bonifatiusbrunnen. Die Quelle hat eine gleichmäßige Temperatur von ca. 9 Grad Celsius und soll gleichmäßig das ganze Jahr über Wasser führen. Der Brunnen wurde 1720 zusammen mit der Kirche erbaut.  

Die Quelle ist mit Quadersteinen eingefasst und mit einem Gewölbe überdeckt. Oberhalb der Wölbung wurde vor einigen Jahren auf Anregung des Erfurter Weihbischofs ein Relief mit der Darstellung des taufenden Bonifatius angebracht.



Die Entstehung der Quelle steht laut Überlieferungen in enger Verbindung mit dem heiligen Bonifatius:

Als der hl. Bonifatius auf seinen Bekehrungsreisen an die Werra kam, führte ihn sein Weg auch in die Gegend, wo sich heute das in einem Waldtale gelegene Dorf Wendehausen befindet. Damals standen dort erst wenige Blockhäuser. Wegen der schönen Lage des Ortes erbaute der Heilige hier in der Nähe eines Felsens eine Hütte und eine Kapelle. Den Ort gedachte er zum Mittelpunkt seiner Missionstätigkeit für die Umgegend zu machen. Bald trat er als Prediger der frohen Botschaft vom Reiche Gottes auf, und da die Kunde von seiner Lehre und von seinen Wundertaten ihm schon vorausgeeilt war, kamen die Bewohner von allen Seiten neugierig herbei, um den Gottesmann zu sehen und zu hören. Aber die neue Lehre wollte den Zuhörern nicht in den Sinn, und niemand bekehrte sich. Da schüttelte Bonifatius den Staub von den Füßen und wanderte weiter in das Gebiet der oberen Unstrut und Leine, wo er an mehreren Orten christliche Gemeinden gründete.

Wendehausen aber hatte sich zu tief in das Gedächtnis des heiligen Mannes eingeprägt, als da er es hätte vergessen können. Als er später abermals an die Werra kam, suchte er auch den ihm liebgewordenen Ort wieder auf. Zu seinem Erstaunen standen die von ihm erbaute Hütte und Kapelle noch unversehrt da. Das sah Bonifatius als eine gute Vorbedeutung an. Er nahm sogleich seine Predigten wieder auf, und diesmal sollte er zum Ziele kommen.

Damals herrschte eine große Dürre im Lande. Schon monatelang war kein Tropfen Regen gefallen. Die Felder waren verdorrt, alle Quellen der Umgegend ausgetrocknet. Menschen und Vieh schmachteten nach Wasser. Um ihren Durst stillen zu können, wanderten die Leute nach der Werra, deren Wasser aber auch so stark gefallen war, dass man sie leicht durchschreiten konnte.
In einer seiner Ansprachen wies er seine zahlreich herbeigeeilten Zuhörer darauf hin, in allen Nöten ihr Vertrauen auf den Gott der Christen als den allein wahren Gott zu setzen, dessen Macht und Güte unbegrenzt sei. Dann erzählte er ihnen, wie der große Führer des israelitischen Volkes, indem er auf Gottes Geheiß mit seinem Stabe gegen den Felsen schlug, der Wassernot in der Wüste ein Ende gemacht habe. Staunend hatten die Menschen zugehört.

Da trat aus der Volksmenge ein Mann hervor, dessen stattlicher Erscheinung man es ansah, dass er unter den Einwohnern eine führende Stellung einnahm. Er stellte seine Lanze vor sich auf den Erdboden, umfasste sie mit beiden Händen und sprach zu Bonifatius gewandt:
„Groß ist die Not der Dürre, unter der wir leiden. Allvater zürnt uns. Wir haben zu Wodan um Erbarmen gefleht. Wir haben Donar Opfer über Opfer gebracht, dass er mit seinen Ziegenböcken durch die Luft fahre und uns ein erquickendes Gewitter sende. Allein es hat den Anschein, als ob unsere Götter ohnmächtig seien. Mache du es wie der Führer des israelitischen Volkes. Hier hast du meine Lanze. Bringst du Wasser aus dem nahen Felsen hervor, so wollen wir dir und deinem Gotte glauben.“

Die Umstehenden spendeten der Rede Beifall, und der Mann bot dem hl. Bonifatius seine Lanze dar. Dieser nahm sie ohne zu zögern entgegen, sah auf zum Herrn und betete einige Augenblicke in der Stille. Dann löste er von seiner Brust das Kruzifix und machte mit ihm das Zeichen des Kreuzes über die Lanze. Dann warf er diese unter Anrufung der allerheiligsten Dreifaltigkeit gegen den Felsen. Welch eine Überraschung! Auf einmal war es, wie wenn ein Rauschen im Innern des Berges zu hören sei, und nach kurzer Zeit entsprang dem Felsen eine starke Quelle.

Wie gebannt waren alle dem Vorgang gefolgt. Als sie das Wasser hervorsprudeln sahen, waren sie zuerst sprachlos. Dann riefen sie laut: ‚Groß ist der Gott der Christen!‘ und drängten zu der neuen Quelle, um zu trinken. Bonifatius begann nun, die Leute näher in der christlichen Religion zu unterrichten. Nachdem er sie in den Grundgedanken des Glaubens genügend unterwiesen hatte, taufte er sie mit dem Wasser der Quelle, die er auf so wunderbare Weise hervorgerufen hatte. Das Volk aber gab der Quelle den Namen Bonifatiusbrunnen.

Quelle: Rudolf Linge: „Der Hahn auf dem Kirchturm“ – 1978

© Thomas Schuster 2017


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