Heimatgeschichten: Der „Bogsbühel“ oder „Galgenhügel“ bei Kreuzebra - Blog der Familie Schuster aus Heiligenstadt - Heiligenstadt im Eichsfeld

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Heimatgeschichten: Der „Bogsbühel“ oder „Galgenhügel“ bei Kreuzebra

Heiligenstadt im Eichsfeld
Herausgegeben von in Eichsfeld ·
Tags: KreuzebraBogsbühelGalgenhügel
Nordwestlich von Kreuzebra liegt an der Straße von Geisleden eine Anhöhe, die den Anwohnern als Galgenhügel bekannt ist. Auf dem kleinen Berg befindet sich ein Kreuz.

Carl Duval schreibt Mitte des 19. Jahrhunderts:
„Die erste Kirche zu Kreuzeber soll vom heiligen Bonifatius errichtet worden sein. … Dieser Bogsbühel war ohne allen Zweifel eine Stätte, auf welcher die alten Wenden ihren Bog – d.h. Gott – verehrten und hieße also Bogsbühel so viel als: Götterberg. Man könnte aber auch Bog-Biel, welches gleichbedeutend mit Bielbog wäre, schreiben und hätte dann an den wie Himmel, Licht und Tag leuchtenden, gütigen Gott der slawischen Religion zu denken.
Ob Bonifatius hier wirklich den Dienst Bielbogs hier vernichtet, lassen wir dahingestellt sein, aber gewiß ist, dass sich schon in sehr früher Zeit und ganz bestimmt schon im 10. Jahrhundert eine Kirche hier befand.“

Die von Duval erwähnte Kirche konnte bisher nicht nachgewiesen werden. Das hier aber kultische Handlungen ausgeführt wurden, ist durch die markante Lage nicht auszuschließen.

heiligenstadt.net

Von diesem Hügel erzählt man sich folgendes:

„Nachdem der heilige Bonifatius auf dem Hülfensberg die umwohnenden Germanen zum Christentum bekehrt hatte, lenkte er auf seiner apostolischen Wanderung seine Schritte nach Norden und kam in die Gegend, wo heute Kreuzebra, das man in alter Zeit Evera nannte, liegt. Hier befand sich eine Niederlassung des slawischen Stammes der Wenden, die bis in diese Gegend gekommen waren. Auf dem Bogsbühel bezeugten sie ihrem höchsten Gott, Bog oder Bielbog, große Verehrung. Da war ein heiliger Hain, in dem an einer lichten Stelle ein Bildnis der wendischen Gottheit aufgestellt war.

Bonifatius predigte an der gleichen Stelle, wo jetzt die Pfarrkirche steht, mit großer Kraft die frohe Botschaft vom Reiche Gottes. Jedoch die Wenden wollten von der neuen Lehre nichts wissen. Als aber der apostolische Mann auf die Ohnmacht ihres von ihnen so hochverehrten Bog hinwies, ergriffen die erregten Krieger den Gottesmann, legten ihn in Ketten und schleppten ihn in den Hain, um ihn ihrem Gotte zu opfern. Schon ergriff der Oberpriester das dolchartige Opfermesser. Aber bevor er zum todbringenden Stoß ausholen konnte, zersprangen plötzlich die Ketten, mit denen Bonifatius gefesselt war, und fielen klirrend zu Boden. Der Heilige erhob sich und blickte auf die staunende Menge. Dann nahm er das Kruzifix, das er bei sich trug, in die Hand und sprach:

‚Hier seht ihr das Zeichen der Erlösung. Es wird euch die Nichtigkeit eures Abgottes deutlich vor Augen führen.‘

Darauf machte er das Kreuzzeichen in der Richtung nach dem falschen Gottesbilde, das sogleich herunterstürzte und in lauter Stücke zerfiel. Der wunderbare Vorgang machte auf die Umstehenden einen tiefen Eindruck, und viele von ihnen ließen sich taufen. Bonifatius aber erbaute an dem Platz in Evera, wo er zuerst gepredigt hatte, eine Kirche des wahren Gottes, den er verkündete.“

Quelle: Rudolf Linge: „Der Hahn auf dem Kirchturm“ – 1978, Carl Duval „Das Eichsfeld“ - 1845

© Thomas Schuster 2017


Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü