Heimatgeschichten: Neuendorf – Was es mit dem Jäger und der Schlange auf sich hat - Blog der Familie Schuster aus Heiligenstadt - Heiligenstadt im Eichsfeld

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Heimatgeschichten: Neuendorf – Was es mit dem Jäger und der Schlange auf sich hat

Heiligenstadt im Eichsfeld
Herausgegeben von in Eichsfeld ·
Tags: Neuendorf
Zwischen Heiligenstadt und Duderstadt liegt in einem tief eingeschnittenen Tal der Ort Neuendorf.
Südlich von Neuendorf entspringt die „Nathe“, über Etzenborn, Nesselröden und Westerode mündet sie unweit von Obernfeld in die Hahle.

Einer der bedeutendsten Bürger der Gemeinde war Peter Franz Agricola. Er wurde 4. Mai 1740 geboren und zählte zu den eichsfeldischen Gelehrten des 18. Jahrhunderts. An der Universität in Erfurt war er als Professor für Kirchenrechte tätig. 1807 starb Agricola laut Sterberegister an einem "Nervenleiden". Er verfasste viele Schriften und war ein eifriger Sammler von Büchern. Seine Bibliothek wurde nach dem Tod testamentarisch aufgeteilt, die eine Hälfte verblieb in Erfurt, die andere ging nach Neuendorf. Der Erfurter Teil umfasste 5662 Bücher, der Neuendorfer Teil ist verschollen.

heiligenstadt.net

Über Neuendorf gibt es zwei Geschichten, eine davon handelt vom Jäger und der Schlange:

„Eines Tages durchwanderte ein Jäger sein Revier in der Umgebung von Neuendorf. Es war an einem heißen Junitag. Auf seinem Rundgang war er bis zur Steinkuhle gekommen. Mächtige Eichen warfen wohltuenden Schatten, und der Jägersmann beschloss, eine kurze Rast einzulegen. Er streckte sich auf dem weichen Moosteppich aus und gedachte ein kleines Schläfchen zu halten. Da er ein frommer Mann war, empfahl er sich seiner Gewohnheit gemäß seinem Schutzengel und schlief bald ein.

Da fühlte er plötzlich einen leichten Druck auf seiner Brust und wachte auf. Grad über der Stelle seines Herzens sah er ein Eichenblatt liegen. Ein wenig unwillig schob er es beiseite, veränderte seine Lage ein wenig, um noch ein kleines Nickerchen anzuhängen. Als er dabei zufällig nach oben schaute, durchfuhr ihn ein nicht geringer Schrecken. Denn genau über sich, um einen Ast gewunden, sah er eine Schlange. Sie hatte ihren Kopf vorgestreckt und bewegte zischend ihre Zunge hin und her. Ihre Augen funkelten und waren genau auf den Jäger gerichtet. Kaum hatte dieser die Gefahr, in der er schwebte, erkannt, sprang er auf, ergriff sein Gewehr, und ein wohlgezielter Schuß zerschmetterte den Kopf der Schlange.

Schnell eilte er nun nach Hause und berichtete seiner Familie die Geschichte seiner Rettung aus der Lebensgefahr. Gemeinsam ging die Familie zur Kirche und dankte Gott und seinem Engel für die Rettung. Denn der Jäger war überzeugt, dass das Blatt auf seiner Brust nicht vom Zufall dorthin geweht worden war.“

Quelle: Rudolf Linge: „Der Hahn auf dem Kirchturm“ – 1978 Bild: Flurkreuz Richtung Etzenborn 2017, http://erfurt.thueringer-allgemeine.de/web/erfurt/startseite/detail/-/specific/Eine-vergessene-Erfurter-Persoenlichkeit-und-ihr-Nachfahre-784677420


Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü