Der Schuster in der Duderstädter Leddergasse - Blog der Familie Schuster aus Heiligenstadt - Heiligenstadt im Eichsfeld

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Der Schuster in der Duderstädter Leddergasse

Heiligenstadt im Eichsfeld
Herausgegeben von in Eichsfeld ·
Tags: DuderstadtLeddergasse
Die Leddergasse in Duderstadt hieß eigentlich bis zum Jahre 1928 „Ledergasse“. Sie liegt vor dem Steintor an der Steintorstraße im südlichen Teil der Stadt. In der Gasse stand ein „Letterhaus“ (Leiterhaus) mit Geräten zur Feuerbekämpfung. Hier haben sich dem Namen nach die Lederhändler und Gerber niedergelassen.

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Alteingesessene Duderstädter kennen noch die Sage vom Goldmännchen:

„Vor Zeiten lebte in der Leddergasse in Duderstadt ein Schuster. Sein Geschäft ging schlecht, denn das einzige, was er anfertigen konnte, waren Lederpantoffeln. Zu seinem Unglück starb seine Frau, die als fleißige Waschfrau die Kosten des Haushalts zum größten Teil verdient hatte. So stand der Schuster mit seinen sieben Kindern allein, und es kehrte große Not im Hause ein. Mitleidige Nachbarn brachten zwar hin und wieder Lebensmittel, und die älteste 13jährige Tochter kümmerte sich um die kleinen Geschwister, so gut sie konnte, aber was half das alles? Die Kleinen schrien oft vor Hunger nach Brot. Der Vater wollte verzweifeln und verlor auch sein altes Gottvertrauen. Der einzige Reichtum der Familie war eine Ziege, die reichlich Milch gab. Der älteste Sohn, ein Knabe von 12 Jahren, hütete tagtäglich die Ziege an den Hecken der Gärten in der Nähe der Leddergasse. An einem Septembernachmittag war der Junge mit der Ziege auf der Sandwasserwiese, wo das Grummet schon abgeerntet war. Nach einigen Stunden bekam er Hunger und lief nach Hause. Es war eben eine gutherzige Nachbarsfrau dagewesen und hatte ein Brot und einen Topf mit frischgekochtem Zwetschenmus gebracht. Bald hatte der Knabe ein großes Musbrot in der Hand und lief fröhlich zu seiner Ziege zurück. Da bemerkte er auf der Wiese ein kleines blaues Feuer, über das die Ziege hin und her hüpfte. Der Junge wunderte sich, lief eilig nach Hause und holte den Vater. Als beide auf der Wiese ankamen, hatte sich die Ziege neben dem Feuer niedergelegt. In der Mitte der Flammen aber sahen Vater und Sohn ein kleines Männchen sitzen, das wie reines Gold aussah.

Plötzlich sprang die Ziege auf und legte sich auf das Feuer. Das Männchen wich zur Seite. Schnell konnte es der Schuster ergreifen, hielt es fest und fragte: „Wer bist du?“ Das Männchen zappelte an Händen und Füßen und rief: „Ich bin ein Goldmännchen. Wir wohnen im Wall dicht am Sandturm und sind die Hüter der Stadt, ich bringe dir Glück. Jag nur die Ziege auf; was du findest, sollst du haben.“ Der Schuster ließ das Männchen los, und der Knabe jagte die Ziege auf. Da fanden sie statt der erwarteten Kohlen lauter Goldklümpchen. Das Goldmännchen klatschte in die Hände, hüpfte über die Wiese und verschwand beim Sandturm im Wall. Mit dem wertvollen Gold waren in das Schusterhaus nun wieder Zufriedenheit und Gottvertrauen eingekehrt.“

Quelle: Christian Mecke: „Versunkene Schätze des Eichsfeldes“


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