Sagenumwobenes Kloster Zella - Blog der Familie Schuster aus Heiligenstadt - Heiligenstadt im Eichsfeld

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Sagenumwobenes Kloster Zella

Heiligenstadt im Eichsfeld
Herausgegeben von in Eichsfeld ·
Tags: KlosterZella
Das älteste überlieferte Dokument mit der Erwähnung des Benediktinerinnenklosters Zella stammt aus dem Jahre 1215, worin Papst Innozens III. die Besitzungen des Klosters bestätigt. Alle Urkunden des Klosters wurden bei einem Brand im Jahre 1649 im Zell‘schen Hof in Mühlhausen vernichtet. In diesem Haus suchten die Nonnen während der Zeit des Dreißigjährigen Krieges mit dem Klosterschatz und dem Archiv Schutz.

Vermutlich wurde Zella um 1100 als Doppelkloster (für Mönche und Nonnen) errichtet, in der Urkunde von 1215 aber nur noch als Frauenkloster erwähnt. Schon während des Bauernkrieges 1525 wurde am 26. April das Kloster erstürmt und geplündert. Nach der Niederlage des Bauernheeres setzten versprengte Aufständische das Kloster in Brand und machten es unbewohnbar. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde es erneut zerstört und anschließend in der heutigen Form wiederaufgebaut. 1810 wurde das Kloster Zella mit den 22 hier lebenden Nonnen aufgelöst.

Um das Kloster ranken sich zwei Sagen:

„Nicht weit von dem eichsfeldischen Dorfe Lengenfeld, das durch die Eisenbahnbrücke bekannt ist, die über den Ort führt, liegt das ehemalige Benediktinerinnenkloster Zella. Wie ehemals die alten Nonnen den jüngeren erzählten, soll das Kloster von einem gewissen Herrn von Tastan aus einem angesehenen Geschlecht gestiftet worden sein. Er war einer der gefürchtetsten Raubritter seiner Zeit. Nichts war ihm heilig und selbst nach den Gütern der Kirche wagte er die Hände auszustrecken. Dafür ergriff ihn aber im Alter die bitterste Reue und weil er sich trotz der vielen aufgehäuften Schätze nicht glücklich fühlte, sondern beständig vor dem Zorne des Höchsten zitterte, beschloss er endlich, alles, was er auf so schändliche Weise erworben hatte, zu frommen Zwecken zu verwenden. Er baute das Kloster Zella, stattete es reich aus und ließ es mit Klosterfrauen aus dem Orden des hl. Benedikt besetzen. Er selbst soll sich über dem Kloster in einer Felsenhöhle, Altvatersloh genannt, eingerichtet und hier den Rest seines Lebens in strenger Buße zugebracht haben.“



„Das ehemalige Benediktinerinnenkloster Zella hat eine herrliche Lage. Hingebettet inmitten eines Talgrundes, in dem die Frieda entspringt, ist es von hohen bewaldeten Bergen umgeben. In seiner weltfremden Abgeschiedenheit könnte es zu einem Märchen gehören.
Vor Jahrhunderten stand im Klosterhof eine alte Linde, unter deren weit ausgebreiteten dichten Zweigen die Nonnen an heißen Sommertagen sich gern ein Stündchen auszuruhen pflegten. Mit dieser Linde steht folgende Sage in Verbindung: In dem eine halbe Stunde von Zella gelegenen Klosterdorfe Struth lebte einst ein bäuerliches Ehepaar, das recht und schlecht seinem an Sorgen und Arbeiten so reichen Berufe nachging. Sieben Söhne nannten sie ihr eigen, lauter gesunde und kräftige Buben. Gar zu gern hätte die Frau auch ein Töchterchen besessen, und an den Sonntagnachmittagen lenkte sie mit Vorliebe ihre Schritte zu den nahen Annaberg und empfahl vor dem Gnadenbild in der dortigen Wallfahrtskirche ihr Anliegen der Urahne des Herrn. Und ihr Lieblingswunsch sollte erfüllt werden. Es war einige Tage nach Johanni, also um die Zeit, wo die Gewitter gern am Himmel stehen. Die Luft war schwül. Eine finstere Wolkenwand stieg im Westen auf und bedeckte den ganzen Horizont. Der Donner fing an zu grollen und kam immer näher. Bald folgte Blitz auf Blitz und Schlag auf Schlag, und ein erquickender Regen strömte nieder.

In die alte Linde auf dem Klosterhof in Zella hatte der Blitz eingeschlagen, es war jedoch ein kalter Schlag gewesen, der nur geringen Schaden angerichtet hatte. Während die Natur sich in großer Anstrengung befand, war in Struth besagten Eheleuten ein Töchterchen geboren worden. Es war ein ganz liebes Ding, und die Sieben Brüder drängten sich hinzu, und jeder wollte das Kleine zuerst auf die Arme nehmen. Die Mutter war voller Freude, doch diese war gemischt von leiser Wehmut. Der Bäuerin war der alte Volksglaube bekannt, der besagt, dass derjenige, welcher während eines Gewitters geboren wird, auch durch ein Gewitter sein Leben verliert. Das Mädchen wuchs heran. Echte Frömmigkeit war ihm sozusagen angeboren, und gern besuchte sie das Gotteshaus. Als es in die Schule kam, war es klüger als alle Mitschülerinnen. Freundlich und liebevoll gegen jedermann, war sie beliebt im ganzen Dorfe, und die Leute nannten es nur das "Engelchen". Auch im nahen Kloster Zella war es gern gesehen, wenn es dort eine Besorgung zu machen hatte, und der Oberin drängte sich immer der Gedanke auf: die gäbe eine gute Nonne. Und wirklich, als das Mädchen herangewachsen war, erschien die Mutter eines Tages im Kloster und teilte den Nonnen mit, dass es der Herzenswunsch ihrer Tochter sei, im Kloster den Schleier nehmen zu dürfen. Mit Freuden wurde der Wunsch gewährt. Nachdem die Probezeit vorbei war, erfolgte der Tag der feierlichen Einkleidung, wobei die Klosterkirche von den Bewohnern Struths überfüllt war. Die Nonne erhielt den Klosternamen Angela. Es vergingen Jahre. Dann starb die Äbtissin in Zella. Sie war eine energische Frau gewesen und hatte das Kloster zu Blüte gebracht. Niemand bedauerte ihren Heimgang mehr als Schwester Angela, der sich die Verstorbene immer als eine gütige Mutter erzeigt hatte. Einige Zeit nach der Beerdigung schritt der Konvent unter dem Vorsitz des Abtes von Gerode zu einer Neuwahl, aus der trotz ihrer Jugend Schwester Angela als Äbtissin hervorging. Die neue Oberin waltete voll Milde und Freundlichkeit ihres Amtes, und die Nonnen taten, was sie ihr an den Augen absehen konnten. Unerschöpflich war sie im Wohl tun gegen die Armen, und die Leute in den Klosterdörfern nannten sie den "Klosterengel". Doch lange sollte die junge Oberin ihr Amt nicht verwalten. Sie war, wie die Leute sagten, zu gut für diese Welt. Gott wollte sie in seiner Weisheit bewahren vor den Schicksalsschlägen, die in der Folgezeit über das Kloster hereinbrechen sollten. Es war wieder Ende Juli. Beängstigend war die Schwüle die über der Natur lag.

Da zog von mehreren Seiten schweres Gewitter herauf, zuletzt auch noch eins vom "Hl. Grabe" in Diedorf her - und diese sind in jener Gegend besonders gefürchtet. Sie hängen gefahrdrohend und schreckenerregend über dem Tal, in dem Zella liegt. So auch diesmal. Die Blitze zuckten und der Donner krachte so fürchterlich, dass Menschen und Tiere erbebten. Zwei Tage und zwei Nächte schon hatte das furchterregende Naturspiel gedauert. Die Äbtissin vom Kloster Zella kannte den Volksglauben und wusste, was ihr noch bevorstand. Da das Unwetter nicht weichen wollte, bereitete sie sich auf den Tod vor und empfing das hl. Abendmahl. Dann begab sie sich unter die alte Linde auf dem Klosterhof und nahm auf der Steinbank Platz. Zwei Nonnen, die nicht von ihr lassen wollten, hatten sie begleitet.

Die drei beteten gemeinsam den Rosenkranz und empfahlen sich der göttlichen Vorsehung. Plötzlich zuckte der Blitz grell auf; zu gleicher Zeit erfolgte ein so furchtbarer Schlag, dass das Kloster in seinen Grundfesten zu erzittern schien. Die Linde lag gespalten am Boden. Die Äbtissin aber war eingegangen in jene Welt, für die sie gelebt hatte. Die beiden anderen Nonnen waren mit bloßen Schrecken davongekommen. Dann strahlte die Sonne wieder in zauberhafter Schönheit über Kloster Zella und ließ nicht ahnen, welches Trauerspiel sich noch vor kurzem dort abgespielt hatte. Die zertrümmerte Linde wurde später entfernt und an ihrer Stelle ein steinernes Kruzifix gesetzt.“

Quelle: Rudolf Linge: „Der Hahn auf dem Kirchturm“ – 1978



Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü