Heimatgeschichten: Die Mordmühle bei Lindau - Blog der Familie Schuster aus Heiligenstadt - Heiligenstadt im Eichsfeld

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Heimatgeschichten: Die Mordmühle bei Lindau

Heiligenstadt im Eichsfeld
Herausgegeben von in Eichsfeld ·
Tags: LindauMordmühle
Zwischen Lindau und Gillersheim am Gillersheimer Bach liegt die sagenumwobene Mordmühle.

Die Mühle besteht aus einem Gehöft mit Wirtschaftsgebäuden, die aus verschiedenen Zeiten stammen. Sie ist noch voll funktionstüchtig und steht heute unter Denkmalschutz. Ihre Form ist in Niedersachsen einzigartig.

Die Mordmühle musste oft neu aufgebaut werden. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde unter Tilly die Mühle völlig zerstört.

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Wie die Mühle zu ihrem Namen kam, erzählt folgende Sage:

„Eines Tages musste das Müllerehepaar an einer Hochzeitsfeier in Lindau teilnehmen. Allein war an diesem Abend im Herbst nur die Magd zurückgeblieben. Sie wurde erst spät mit der Arbeit fertig. Als sie sich endlich müde und abgespannt in ihr Kämmerlein begeben wollte, bemerkte sie plötzlich bei einem Blick auf den Mühlenhof sieben vermummte Gestalten im fahlen Mondlicht, die sich an die Mühle heranschlichen. Es waren Räuber, die in dieser unheimlichen Nacht in die Mühle eindringen wollten. Dem Mädchen lief es eiskalt über den Rücken, doch es verlor nicht die Nerven. Vorsichtig schob die Magd das Fenster ein wenig auf und lauschte angestrengt auf jedes Geräusch, das vom Keller her zu ihr drang. Dann hörte sie in gedämpftem Ton die Worte: „Wee kropet dor dat Wellenlock!". Ihr standen die Haare zu Berge; doch sie hatte ein tapferes Herz. Rasch ergriff sie ein Beil und eilte in den Mühlenkeller hinunter. Dort wartete sie kaltblütig der Dinge, die nun kommen sollten.

Nicht lange dauerte es, da zeigte sich der Kopf eines Räubers, der sich durch das Wellenloch zwängte. Das unerschrockene Mädchen hob das Beil und schlug mit einem Hieb dem Banditen den Kopf ab, so dass er keinen Laut mehr von sich gab. Den entseelten Körper zog die Magd in den Keller hinein. „Biste inne?" flüsterte es jetzt von draußen. „Joa!" entgegnete die furchtlose Magd mit leiser, erstellter Stimme. Als der zweite Räuber den Kopf langsam vorstreckte, schlug sie wiederum wuchtig zu. Auch dieses Mitglied der Räuberbande verlor sein Haupt.

Schon flüsterte der nächste: „Biste inne?" - „Joa!" gab sie Bescheid. Dann sauste wieder ein Hieb nieder. Der Kopf auch dieses Spießgesellen rollte der Magd vor die Füße. Diese blutige Arbeit wurde fortgesetzt, bis die Mitglieder der Bande einer nach dem anderen gleich wie auf einem Schafott geköpft worden waren. Noch aber fehlte der Letzte der Räubergesellschaft. Als der Siebente sich durch das Wellenloch vorwärtsschob, merkte er Unrat. Gerade als das Beil niedersauste, zog er den Kopf zurück, so dass ihm von der Kopfhaut nur ein klein wenig weggenommen wurde. Doch er war voller Entsetzen, denn er hatte seine Kumpane alle mit abgeschlagenen Köpfen im Mühlenkeller liegen sehen. Blutüberströmt war sein Gesicht und er war wie betäubt von dem empfangenen Streich.

Wie von Furien gehetzt, floh er die grausige Stätte und suchte sich im tiefen Wald oberhalb von Lindau einen Schlupfwinkel. Gerade dieser Räuber, der als einziger mit dem Leben davonkam - so erzählt es die Sage - nahm später die tapfere Magd aus der Mordmühle zur Frau.“

Quelle: Helmut Mecke - „Die schönsten Eichsfelder Sagen“


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