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Heimatgeschichten: Der Wolfstisch auf der Gobert

Heiligenstadt im Eichsfeld
Herausgegeben von in Hessen ·
Tags: GobertWolfstisch
Zwischen dem Pferdeloch und dem Industriedenkmal Kalkbrennofen oberhalb von Hitzelrode kommt man am sogenannten „Wolfstisch“ vorbei. Die Form und Lage lassen schon früh auf einen geheimnisvollen Ort schließen. So finden wir in alten Aufzeichnungen den Ort als Opferstätte für den Gott Wotan. Seine Begleiter, die Wölfe Geri und Freki, stürzen sich auf die gefallenen Krieger. Ob der Name „Wolfstisch“ damit in Zusammenhang gebracht werden kann, ist nicht auszuschließen.

Da die Gobert aus Muschelkalk besteht, ist auch der Tisch aus diesem Gestein. Die durch Erosion geformten tischförmigen Felsen bestehen jedoch meist aus Sandstein oder Granit. An den Abbruchkanten entstanden tiefe Spalten und Höhlen. Der Wolfstisch ist 2 m von so einer Kante entfernt. Ein Beispiel dafür ist das „Pferdeloch“ einige Meter weiter auf dem Wanderweg. Somit ist der Wolfstisch ein Überrest des Kalkplateaus.

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Über den Wolfstisch bei Hitzelrode schreibt der Verein für hessische Geschichte 1888:

„Das fruchtbare Thal der Werra wird ohne Zweifel in frühester Zeit besiedelt worden sein. Der Gegend von Allendorf verliehen die Salzquellen noch einen ganz besonderen Werth und ihr Besitz war ein viel umstrittener. Manch heisser Kampf mag daher hier getobt haben, von dem keine Kunde zu uns gedrungen ist: die Gefangenen wurden den Göttern geweiht, d. h. geschlachtet, wenn man nicht vorzog, sie zu Sklaven zu machen.

Ein Zeuge des furchtbaren Opferdienstes scheint an einer Stelle der über dem rechten Ufer der Werra aufgethürmten Bergmassen erhalten zu sein. Nahe dem Rande einer jäh abfallenden Wand ist ein etwa 30 Fuss breiter Raum durch einen tiefen Graben von der übrigen Hochfläche geschieden. Der Graben reicht zu beiden Seiten bis dicht an den Absturz und in dem so gebildeten Abschnitte ist auf steinerner Unterlage eine rohe Steinplatte von 15 Zoll Stärke und etwa 5 Fuss Durchmesser angebracht. Zu welcher Zeit und zu welchem Behufe mag der Steintisch errichtet worden sein, fragt der Besucher des Platzes, welcher gewissermassen neuentdeckt worden ist, da Wald und dichtes Gestrüpp ihn bergen und nur der im Munde des Volkes bewahrte Name, der Wolfstisch, eine Andeutung gibt. Eine entzückende Aussicht öffnet sich von diesem Punkte; tief unter dem Schauenden im Vordergrunde (500—600 Fuss) ruht in Grün gebettet das Dörfchen Hitzelrode (Rodung des Hezilo), ringsum in weitem Ringe von den waldigen Bergwänden umgeben. Aber weiterhin schweift der Blick nach Süden und Westen in die Ferne.

Sollte in einer entlegenen Zeit ein Freund dieser Ausschau den Platz hergestellt haben? Hierzu würde die Trennung desselben durch den Graben von der Bergfläche nicht stimmen.
Nimmt man aber an, dass der Tisch als Opferaltar errichtet wurde, so erklärt sich die Umgebung desselben mit einem Graben, welcher die Grenze für Alle sein mochte, ausser den Opferpriestern und den Opfern. Nachdem sie auf dem Altar das Leben verblutet hatten, werden die nicht zu verwendenden Reste über die nahe Kante in die Tiefe gestürzt worden sein.
Der höchste Gott unserer Vorväter, Wuotan, galt ihnen auch als Verleiher des Sieges, in dieser Eigenschaft waren die Wölfe Geri und Freki ihm zugeordnet, welche ihm in die Schlacht folgten und sich auf die Leichen der Gefallenen stürzten. Eine Versinnbildlichung der wirklichen Erscheinung jener Raubthiere auf den Kampfstätten, wie des Germanen tiefes Gemüth überhaupt den in Natur und Leben vorkommenden Dingen geistige Beziehungen unterzulegen liebte.
Es liegt nahe, den Wolfstisch bei Hitzelrode mit jener Anschauung in Verbindung zu denken, da Wuotans Wölfe an einem Opferaltare ihre Mahlzeiten finden mussten. Vielleicht ist es durch Nachforschungen möglich, mehr Licht über die einstige Bestimmung des unheimlichen, heute in der herrlichen friedlichen Natur des Ortes so anmuthenden Platzes zu verbreiten.
Bereits hat der Werrathalverein zu Eschwege sich das Verdienst erworben, den Zugang zu dem Wolfstische zu erleichtern und in Allendorf lässt der Aichmeister Ludwig Steinfeldt es sich angelegen sein, die Kunde dieses merkwürdigen Punktes zu verbreiten. Ihm verdankte auch ich die Führung dahin an einem sonnig-schönen Tage des Sommers von 1888.
v. St.“

Quelle: Mittheilungen an die Mitglieder des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde. Jahrgang 1888.


Der Wolfstisch auf der Gobert bei Hitzelrode

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Heimatgeschichten: Das "Pferdeloch" bei Hitzelrode als Versteck während Kriegszeiten

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Aussichtspunkt "Salzfrau" auf der Gobert

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Der hessiche Teil der Gobert, die "Hessische Schweiz"

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Naturschutzgebiete innerhalb der Gobert

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Das "Grüne Band" auf der Gobert

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Vorgeschichtliche Siedlung auf der Gobert

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"Villa Goburg" auf der Gobert

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Tags: GobertGoburg
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