Geschichte - Heiligenstadt im Eichsfeld

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Die Geschichte der Stadt Heiligenstadt in einer kurzen Beschreibung
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Funde aus der Stein-, Bronze- und Eisenzeit im unteren Geisledetal belegen, dass am Zusammenfluss der Geislede und der Leine schon in der Vorzeit Menschen gesiedelt haben. Zu nennen sind Werkzeuge und Geräte, Herdstellen sowie ein keltisches Hockergrab (aus der Bronzezeit) in den Mergelgruben im Osten der Stadt. Die Ortsgründung erfolgte an einer Stelle, dass als altes Grenz- und Durchgangsland von großer Bedeutung war. Um 500 – 200 v. Chr. wurde die keltische Bevölkerung durch Germanen verdrängt bzw. vermischt. Es sind zu dieser Zeit ca. 60 Wall- und Fliehburgen im Eichsfeld zu finden, darunter die Wallburg auf der Elisabethhöhe. Bild: Fundort des keltischen Hockergrabes

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Nach dem Sieg des Merowingerkönigs Theuderich I. über das Heer des Thüringerkönigs Herminafried bei der Schlacht an der Unstrut im Jahre 531 kam Heiligenstadt unter fränkische Herrschaft. Aus dieser Zeit fand man auf dem Stiftsberg bei Ausgrabungen ein Königshof, die aus dem 7. Jahrhundert stammt. Der fränkische König Dagobert I. (608-639) wird mit der Gründung Heiligenstadts in Verbindung gebracht. Der Mönch Fredegar berichtet im Jahre 630, Dagobert I. habe in einem Palast gewohnt und sei an Lepra erkrankt. Mit Bonifatius, der ab 721 über zwölf Jahre lang durch Gebiete im heutigen Hessen, Thüringen und Bayern zog, erreichte die Christianisierung ihren Höhepunkt. Bild: Ausgrabungen des Königshofes auf dem Berg 1995

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Im Jahre 897 wird das Eichsfeld (Pagus Eichesfelden) erstmals urkundlich genannt, das aber nicht wie Heiligenstadt in Kurmainzer Besitz war. Der heilige Martin als Nationalheiliger des Kurfürstentums war Namenspatron vieler Kirchengründungen dieser Zeit. Die Heiligenstädter Martinskirche auf dem Berg gilt als „Urkirche des Eichsfeldes“, und wurde vor 850 aus Holz errichtet und nach 855 erstmals erweitert. Der Mainzer Erzbischof Otgar (825 bis 847) ließ die Reliquien der Heiligen Sergius und Bacchus in die Kirche überführen. Die Bediensteten des Königshofes wohnten in der Nähe, dem heutigen Knickhagen. Man „knickte“ Dornengestrüpp am „Hagen“ und baute damit einen einfachen Schutzwall. Bild: Sankt Martin am Westportal der Martinskirche (um 1300)

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Im Jahre 919 wird Heinrich I., ein Sachse, König. Nach seinem Tod übernahm sein Sohn Otto I. den Thron. Dieser ließ sich 962 von Papst Johannes XII. in Rom zum Kaiser krönen. Sein Sohn Otto II. stellte am 23. November 973 eine Urkunde aus, die „Heiligenstat“ erstmals nannte. Verschiedene Kaiser urkundeten hier, darunter Otto III., Heinrich II. und Friedrich I. Barbarossa. Der Heilige Bernward von Hildesheim erhielt vom Mainzer Erzischof Willigis hier 993 die Bischofsweihe. Aus der Urkunde Heinrichs II. 1022 geht hervor, dass in Heiligenstadt die Gebeine der beiden Heiligen Märtyrer Aureus und Justinus ruhten. Im selben Jahr gründete Heinrich II. in Heiligenstadt ein Chorherrenstift. Bild: Grabplatte der Heiligen Aureus und Justinus in der Ägidienkirche (um 1320)

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Um 1000 war Heiligenstadt bereits zum Marktflecken gewachsen. Das Stadtgebiet erstreckte sich vom Berg bis auf die Altstadt. Um 1100 wurde mit dem Bau der Marienkirche begonnen. Die Lindenallee war als Hauptachse der Altstadt zugleich Markt (Katharinenmarkt) und Zentrum. Vom 11. bis 13. Jahrhundert kamen Teile des Eichsfeldes durch Schenkung und Kauf zum Kurfürstentum Mainz. 1227 verlieh der Erzbischof und Kurfürst Siegfried II. von Eppstein Heiligenstadt das Stadtrecht. Damit verbunden waren der Bau einer Stadtmauer und die Erweiterung der heutigen Neustadt. Das Wappen zeigt den Stadtgründer mit einem Teil der Mauer als Zeichen des Stadtrechts. 1333 vernichtete der erste Stadtbrand den Großteil der Stadt. Bild: Erbischof Siegfried II. oder Kirchenpatron St. Ägidius

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Im Jahre 1335 regelt die „Willkür“ das Recht in Heiligenstadt und wird jährlich einmal den Bürgern verlesen. Um 1400 wurden die heutige Marien- und Ägidienkirche errichtet. Von der Stärke der Befestigung Heiligenstadts zeugt die erfolglose Belagerung von sieben Fürsten und sechs Grafen im Jahre 1404. Zur weiteren Befestigung werden um 1430 10 Warten um die Stadt gebaut. 1485 verloren viele Bürger während der Pest ihr Leben. Im Mai 1525 zog das Bauernheer von Thomas Müntzer in die Stadt ein. Nach der Predigt Müntzers vor der Marienkirche wurde das Stift auf dem Berge gestürmt und geplündert. Für den Ungehorsam verlor Heiligenstadt viele seiner Privilegien. Bild: Am Rathaus befindet ein Stein mit gotischen Minuskeln, der von der Belagerung Heiligenstadts berichtet.

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Nach dem Religionsfrieden 1555 bestimmte der Landesherr die Religion und so wurde 1574 im Zuge der Gegenreform das Jesuitenkolleg gegründet. Der Katholizismus hielt im Eichsfeld wieder Einzug. 1575 lebten noch 12 katholische Familien in Heiligenstadt. Die Palmsonntagsprozession findet erstmals 1581 in der Chronik der Jesuiten Erwähnung. 1610 ist die ganze Stadt wieder katholisch. An der Pest starben 1611 ca. 600 Heiligenstädter, 1682 waren es 1000. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Stadt mehrmals überfallen und geplündert. Nach Kriegsende leben noch 12.000 Menschen im Eichsfeld. 1730 baut der Heiligenstädter Bauer Georg Franz Hartung die ersten Kartoffeln an. Bild: Nordportal Kolleg - Wappen des Kurfürsten Johann Schweikart von Kronenberg (1616).

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1739 zerstörte der zweite große Stadtbrand über 400 der 600 Häuser. Im Jahre 1780 wohnen in Heiligenstadt 2.531 Bürger. Zwei Jahre später wird die erste Tabakfabrik gegründet. Der Mainzer Erzbischof flüchtete 1792 während des Ersten Koalitionskrieges (1792-1797) nach Heiligenstadt und leitete mit der Teilnahme das Ende von Kurmainz ein. Nach der Auflösung des Kurfürstentums 1802 gelangte das Eichsfeld an Preußen. 1807 bis 1813 war Heiligenstadt Sitz der Präfektur des Harz-Departements des Königreich Westphalen. 1815 wurde das Eichsfeld durch des Wiener Kongress wiederum preußisch. Mit der Eröffnung der Eisenbahnlinie Halle-Kassel erhält Heiligenstadt 1867 einen Bahnhof. Bild: Stadtbrand von 1739 in der Wilhelmstraße 40 von Karl-Josef Gerling aus Heiligenstadt 2002 gemalt.

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Am 9. April 1945 wird Heiligenstadt nach Kapitulation von Amerikanern besetzt und bleibt so vor Zerstörung und Kriegshandlungen verschont. Nach der Konferenz von Jalta wurde das Obereichsfeld der Roten Armee überlassen. Seit 1950 führt die Stadt die Bezeichnung “Heilbad”. 1952 wurde Heiligenstadt Kreisstadt des gleichnamigen Kreises des Bezirkes Erfurt. Der „Eichsfeldplan“ von 1959 sieht eine Industrialisierung des Kreises vor. Betriebe wie Solidor, Schraubenwerk, Mytron, Papierfabrik, Bekleidungswerk und ESDA entstehen. Im Oktober 1989 beginnen die Montagsgebete in der Gerharduskirche und die Demonstrationen auf dem Friedensplatz, die mit der Wiedervereinigung enden. Bild: St. Gerhard

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Carl Duval schreibt 1845 in seiner Beschreibung über Heiligenstadt:

"Die ersten Nachrichten aber, die wir von Heiligenstadt finden, teilt uns eine alte Legende mit, welche uns Folgendes berichtet:

Es lebte einstmals ein mächtiger, fränkischer König, Namens Dagobert (+ 638). Nach einer langen und glücklichen Regierung - denn er hatte große Eroberungen gemacht - wurde er vom Aussatze befallen, weshalb er die Regierung seinem Sohne und einigen tüchtigen Räten übertrug und mit seiner Gemahlin in die Ferne zog, mit dem festen Entschlusse, nicht eher wieder zurückzukehren, als bis er von seiner Krankheit befreit sein würde. Lange irrte er umher, ohne die ersehnte Hilfe zu finden, und kam auch endlich auf das Eichsfeld. Hier fand er eine abgeschiedene Gegend und beschloß, sich in derselben bis zu seiner Heilung aufzuhalten und vor den Augen der Menschen zu verbergen und erbaute deshalb an der Stelle, welche die Bewohner von Heiligenstadt jetzt „die alte Burg“ nennen, eine Wohnung und eine Kapelle zu Ehren der heiligen Jungfrau Maria und des heiligen Petrus. Da die Umgegend in damaliger Zeit mit großen, dichten Waldungen, in denen sich viel Wild befand, bedeckt war, so suchte er sich in seinem Leiden oft durch die Jagd zu erheitern, wurde aber einstmals auf einer seiner Streifereien von einer so unwiderstehlichen Müdigkeit befallen, daß er sich in das Gras warf, wo er sogleich entschlummerte.

Als er wieder erwachte, war das Gras vom Thau ganz feucht, doch wurde er zu seiner unaussprechlichen Freude gewahr, daß an den Stellen, wo ihn der Thau benetzt hatte, der Aussatz gänzlich verschwunden war. Freudig eilte er zu seiner Gemahlinn und verkündete ihr das Wunder und diese theilte seine Freude, rieth ihm aber, sich an derselben Stelle noch einmal in das bethaute Gras zu legen, welchem Rathe denn auch Dagobert ungesäumte Folge leistete und dadurch auch wirklich von seiner abscheulichen Krankheit ganz und gar befreit wurde. Mit dankerfüllten Herzen erhob er sich von der Stätte, wo er Rettung gefunden hatte und sprach: „Wahrlich, entweder liegen hier Heilige oder der Ort ist heilig!“ - und begab sich, darüber nachsinnend, hinweg, hatte aber später eine göttliche Offenbarung, daß an jener Stelle die Heiligen Aureus und Justinus begraben lagen, was ihn veranlaßte, sie heilig sprechen und an dem Orte , wo sie ruhten, eine Stiftskirche erbauen zu lassen, welche er mit einem Propste und zwölf Chorherren besetzte. Da sich nun in der Nähe dieser Kirche bald mehrere Leute ansiedelten, so entstand, namentlich durch Hilfe der Bauern des dicht  bei der Stiftskirche gelegenen Dörfchens Zuenchen, ein Ort, welchen man, da die Gebeine der Heiligen Aureus und Justinus in demselben ruhten und die Veranlassung zur Ansiedelung gegeben hatten, Heiligenstadt nannte."
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Karte des Pastors Johann Fluk aus Uder 1646
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