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Heimatgeschichte(n) - Heiligenstadt im Eichsfeld

© Thomas Schuster Heiligenstadt
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Heimatgeschichte(n)
Neben der Fotografie interessiere ich mich für mystische Orte und Sagen. Das Eichsfeld und seine Umgebung sind reich an Sagen und Geschichten, die von den Gebrüdern Grimm und anderen Autoren wie zum Beispiel Rudolf Linge, Johann Georg Theodor Grässe und Ludwig Bechstein aufgeschrieben wurden. Durch unser schönes Eichfeld führt die Märchenstraße, die mit den Orten Heiligenstadt (Möhrenkönig) und Mackenrode (Schneeweißchen und Rosenrot) vertreten sind. Auch in der Umgebung [Hoher Meißner (Frau Holle), Sababurg (Dornröschen), Polle (Aschenputtel) und anderer Orte] finden wir Stätten der Grimm‘schen Märchenwelt.

Bisher habe ich in 35 Bänden ca. 350 Sagen, Märchen und interessante Geschichten aufgeschrieben und mit Informationen versehen. Auf dieser Seite möchte ich einige dieser Heimatgeschichte(n) vorstellen.
Die „Blaue Kuppe“ bei Eschwege
Zu den geologischen Besonderheiten unserer Region zählt die „Blaue Kuppe“ bei Eschwege, ein Vulkanschlot aus der Zeit des Tertiär (vor 65 bis 2 Millionen Jahren). Vor der Steinformation befindet sich ein Parkplatz, der Rundweg führt ca. 1 km um die Felsen. An zwei Punkten kann man den nördlichen sowie den südlichen Kessel besonders gut sehen.

Bemerkenswert ist, dass der Schlot nicht die Oberfläche erreichte, sondern im Bundsandstein stecken blieb. Vom 17. Jahrhundert an nutzte man die Felsen als Steinbruch. Im Jahre 1910 wurde die „Blaue Kuppe“ unter Naturschutz gestellt.
Die bläuliche Färbung entstand in der Wirkung des heißen und flüssigen Magmas auf den hier vorherrschenden Bundsandstein. Dieser wird entfärbt und seine tonigen Zwischenlagen werden dadurch dunkler.

Die Naturforscher Lorenz Okenfuß (1839 - Naturgeschichte) und Alexander von Humboldt (1845 – Kosmos) beschrieben in ihren Werken die Besonderheiten der „Blauen Kuppe“.
© Thomas Schuster Heiligenstadt
Die Sage berichtet:
  
„ … Zwischen Eschwege und Reichensachsen liegt ein Berg, die blaue Kuppe genannt, dessen Gipfel ein großer Felsblock bedeckt. Als Frau Holle einmal über diesen Berg ging, drückte sie ein Stein im Schuh; sie zog ihn vom Fuße und schüttelte den Stein heraus, welcher auf derselben Stelle liegen blieb. Es soll jener Felsblock gewesen sein!

Wer aber wissen will, wie hoch unsere Vorfahren die Frau Holle oder Hulda (so genannt, weil sie sich den Frauen hold zeigte) gehalten, der blicke den Holzschnitt an über dem zehnten Gespräch (oder Kapitel) von Petrarca's Glücksbuch, da steht sie im tiefen kräuterreichen, vom Feuerstrahl des Himmels durchflammten Walde, haltend den mächtigen hohen Rocken, der mit vollen Spindeln für die Fleißigen umsteckt ist, über sich den Mond und zwölf Sterne in Kreisen, welche die zwölf Nächte ihres Ziehens andeuten. Sie selbst ist alt und gebeugt und runzelvoll und ihr langes Lockenhaar fliegt im Winde. Sie erscheint manchmal auch als graues Mütterlein, spinnend in einem hohlen Baumstamm sitzend, manchmal aber, wie schon gesagt, als schöne weiße Frau an ihrem Teiche.“

Quelle: Johann Georg Theodor Grässe „Sagenbuch des preußischen Staats – Band 2“ – Bild: © Thomas Schuster 2017
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