Blog der Familie Schuster aus Heiligenstadt - Heiligenstadt im Eichsfeld

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Aus dem Archiv: Namhafte Rengelröder

Heiligenstadt im Eichsfeld
Herausgegeben von in Heiligenstadt ·
Tags: Rengelrode
„Jede Stadt und Gemeinde ist stolz darauf, wenn sie auf besondere Persönlichkeiten verweisen kann, die hier geboren wurden, lebten und wirkten und sich auf einem Gebiet einen Namen machten. So hat Leinefelde den „Entdecker des Neandertalers“; Johann Carl Fuhlrott, der vor 180 Jahren in Leinefelde das Licht der Welt erblickte, Kirchohmfeld den Komponisten Heinrich Werner und Heiligenstadt Tilman Riemenschneider und Theodor Storm. Diese Beispiele ließen sich noch weiter fortführen. Und auch die Eichsfeldgemeinde Rengelrode braucht sich da nicht auszuschließen, gingen doch aus ihr „große Söhne“ hervor. Sich ihrer zu erinnern, bietet das 800jährige Bestehen des Dorfes einmal mehr Anlaß.

Mit Christoph Herold und Hermann Osburg stellte die Gemeinde zwei namhafte Bischöfliche Kommissrare des Eichsfeldes. Christoph Herold wurde am 2. Juni 1836 in Rengelrode geboren, studierte Theologie, war Seelsorger in mehreren Pfarrgemeinen und von 1893 bis zu seinem Tode im Jahr 1901 Kommissarius. Sein Amtsnachfolger wurde der spätere Prälat und Ehrendomherr Hermann Osburg (1849 bis 1925). Der Sohn des Rengelröder Dorfschullehrers Johannes Osburg wurde Priester, war während der Zeit des Bismarckschen Kulturkampfes im Exil in der Schweiz und wurde im Januar 1902 Pfarrer von St Ägidien in Heiligenstadt und Bischöflicher Kommissarius. Er erwarb sich durch sein Wirken hohes Ansehen und wurde am 21. März 1924, dem Tag seines goldenen Priesterjubiläums, zum Ehrenbürger der Stadt Heiligenstadt ernannt. Vor allem setzte er sich für den sozialen und wirtschaftlichen Fortschritt auf dem Eichsfeld ein.

Wilhelm, der Bruder des Konimissarius Osburg, war ein hochgeachteter Seminarlehrer und Musikpädagoge in Breslau. Er schrieb u. a. 1893 eine Allgemeine Musiklehre, 1896 die „Deutsche Gesanglehre“ und 1899 ein Orgelbuch; mehrere Harmonielehren, Chorstücke und eine „Musik-Blumenlese“ stammen aus seiner Feder.

Der Werner-Martin-Weg in Heiligenstadt erinnert an einen anderen Rengelröder: Dr. med. Werner Martin, geboren 1861, gestorben 1938 in Heiligenstadt. Bis 1887 hatte dieser eine vielbesuchte Arztpraxis im „Mainzer Haus“. Große Verdienste erwarb sich der spätere Krankenhausarzt als Stadtverordneter.

Weithin auf dem Eichsfeld in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts bekannt waren die Gebrüder Wilhelm und Georg Müller. Wilhelm Müller praktizierte bis zu seinem Tode im Jahre 1952 als Hausarzt in Uder, wo auch sein Bruder Georg seine Praxis als Tierarzt hatte.

Spricht man von jenen Rengelrödern, die wohl immer unvergessen bleiben werden, muss der volkstümliche Gastwirt Franz Osburg erwähnt werden. Die Anekdoten über ihn, dem der Heimatdichter Hermann Iseke einen Ehrentitel „verlieh“ und dessen Gasthaus beliebter Treff der Heiligenstädter Gymnasiasten war, machen noch heute in der Gemeinde Rengelrode die Runde.

Lisette Dato, die „Rengelröder Schnellpost“ – hier auf einer Zeichnung mit ihrem Tragekorb abgebildet – ist ebenfalls ein Stück Heimatgeschichte dieses Dorfes. Lisette Dato erledigte für die Rengelröder die verschiedensten Botengänge, ob zur Post oder zu Einkäufen in der Stadt.“



Thüringer Tageblatt vom 27.09.1984, E. B./F. O.


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