Blog der Familie Schuster aus Heiligenstadt - Heiligenstadt im Eichsfeld

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Aus dem Archiv: Nicht immer ein untergegangenes Dorf

Heiligenstadt im Eichsfeld
Herausgegeben von in Heiligenstadt ·
Tags: Forsthaus
"Wie oft hört man im Eichsfelder Sprachgebrauch noch die Flur- oder Wüstungsbezeichnung „Schwedenkirchhof“. Wir wissen aus der Geschichte, dass auch das Eichsfeld früher mehr als einmal Schauplatz heftiger Kämpfe gewesen ist, so auch mit den Schweden. Es ist daher nicht von der Hand zu weisen, daß solche Friedhöfe wirklich angelegt worden sind, auch im Südeichsfeld und in der Umgebung von Heiligenstadt. Ob man aber dabei in jedem Falle von einem untergegangenen Dorfe an solchen Stellen sprechen kann, ist irrig und anzuzweifeln. So lesen wir z. B. bei Wintzingeroda/Knorr „Wüstungen des Eichsfeldes“ von einem Schwedenkirchhof im Gemeindebezirk Heiligenstadt, südlich der Stadt im Stadtforste zwischen dem „Dannesberge“ und dem „Dunitherthal" nordöstlich eines Forsthauses an der Straße von der Stadt nach Bernterode.
Herbers (Cataster-Controleur und Meßtischblattbearbeiter), glaubt an diesem Platz eine wüste Ortsstätte gefunden zu haben, welche er mit „Schwedenkirchhof“ bezeichnete. Allerdings hat er auf der Wüstungskarte diese Stelle als vorgeschichtliche Wallburg eingezeichnet. Tatsächlich ist dieser Ort mit verschiedenen tiefen Gräben und Erdaufwürfen durchzogen, die eine frühere Wallburganlage nicht unmöglich erscheinen lassen. Hier befanden sich aber auch ältere ausgedehnte Steinbrüche. So Wintzingeroda: „Nach dem Augenscheine dürfte die Ansicht des städtischen Oberförsters Vocke, welcher sich seit langen Jahren im Staatsforstdienst befindet die richtige sein." Dieser glaubte, daß die sämtlichen Unebenheiten des Platzes von Steinbrucharbeiten herrührten. Der Platz sei Anfang des 19. Jahrhunderts mit einzelnen alten Eichen bestanden gewesen, bevor man eine Fichtenschonung angelegt habe. In einer alten Eiche habe man im hohlen Stamm ein Skelett mit Harnisch umgeben und Waffen gefunden, welche wahrscheinlich aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges gestammt hätten. Daraus sei die Illusion von einem „Schwedenkirchhof“ entstanden.

heiligenstadt.net

Ähnlich war die Annahme eines „Schwedenkirchhofes“ im früheren Gutbezirk Wehnde, wo ebenfalls alte Steinbrüche waren. Spuren einer früheren Ansiedlung sind auch hier nicht entdeckt worden.

Auch auf dem „Kälbersberg" zwischen dem Struther Ortsteil Annaberg und dem Lengenfelder Forst, gab eine große Steinhalde Veranlassung, von einem „Schwedengrab“ zu sprechen. Auch das ist durch keinerlei Aufzeichnungen begründet gewesen; lediglich eine alte Gerichtsstätte und ein Galgen sind unweit davon in der Wüstungskarte eingezeichnet.

Quelle: Thüringer Tageblatt 1984 Bild. Postkarte Forsthaus


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