Blog der Familie Schuster aus Heiligenstadt - Heiligenstadt im Eichsfeld

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Aus dem Archiv: Wir marschieren schon geeint, uns trennt nur noch der Name

Heiligenstadt im Eichsfeld
Herausgegeben von in Heiligenstadt ·
Tags: DDR
"Ein lang gehegter Wunsch vieler klassenbewusster revolutionärer Arbeiter sollte Wirklichkeit werden. Vor 40 (72) Jahren haben die Funktionäre und Mitglieder beider Arbeiterparteien über die längst fällige Vereinigung diskutiert. Auch in unserem Kreis (Heiligenstadt und Worbis gehörten damals noch zusammen) wurde die gemeinsame Konferenz des Zentralkomitees der KPD und des Zentralausschusses der SPD, die mit Vertretern der Bezirke am 20. und 21. Dezember 1945 in Berlin stattfand, gründlich ausgewertet.
Den Festlegungen dieser Konferenz gaben Kommunisten und Sozialdemokraten, die am 3. Januar 1946 in der Gaststätte „Drei Rosen“ in Worbis tagten, ihre uneingeschränkte Zustimmung. Der Erkenntnis ihrer eigenen Tätigkeit Rechnung tragend, erklärten sie „Wir marschieren schon geeint, uns trennt nur noch der Name“.

Bedeutsame Beschlüsse wurden gefasst. Dabei ging es u. a. darum, künftig alle Fragen und Probleme gemeinsam zu beraten und zu lösen, Veranstaltungen und Kundgebungen gemeinsam vorzubereiten und durchzuführen und gemeinsame Ausschüsse für Fragen der Erziehung, Kultur, Sozialpolitik und Wirtschaft zu bilden. Der einstimmig gefasste Beschluss endete mit der Aufforderung „Vorwärts ans Werk der Einheit der Arbeiterklasse! Vorwärts ans Werk des Wiederaufbaus“!
Den Worten folgten Taten. In den sieben Straßengruppen, die in Heiligenstadt bestanden, trafen sich Genossen der KPD und der SPD zu gemeinsamen Schulungsabenden. Sie fanden regelmäßig alle vierzehn Tage statt, und zwar im „Mainzer Hof“, im „Goldenen Löwen“, in „Der guten Quelle“, im „Feldschlößchen“ und in der „Traube“.

Weg und Ziel der zu gründenden Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands wurden breit diskutiert. Immer lauter wurde die Forderung erhoben, diesen historisch bedeutsamen Schritt unverzüglich zu vollziehen. Starken Widerhall fand das Bemühen, die Arbeitereinheit zu schaffen. In Reinholterode und in Günterode, so berichtete die „Thüringer Volkszeitung“, hatten Mitglieder beider Parteien beschlossen, ab sofort nur noch als Mitglieder der Einheitspartei aufzutreten und entsprechend zu handeln.

Auch zahlreiche Parteilose hatten es begrüßt, daß zwischen den beiden Arbeiterparteien eine Verständigung erfolgt ist. Das wurde auf der ersten Kreisdelegiertenkonferenz des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes sichtbar, die in Leinefelde durchgeführt wurde. In einer Entschließung forderten die Konferenzteilnehmer, alle Schritte einzuleiten, die die Vereinigung von KPD und SPD beschleunigen."

heiligenstadt.net

Quelle: Thüringer Tageblatt vom 25.01.1986


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