Blog der Familie Schuster aus Heiligenstadt - Heiligenstadt im Eichsfeld

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Aus dem Archiv: Wo regelmäßig Stuten gebacken werden

Heiligenstadt im Eichsfeld
Veröffentlicht von in Heiligenstadt · 21 Juli 2019
Tags: BäckereiSchneider
"Einen Grund zum Feiern und zum Rückblick auf ein halbes Jahrhundert hatten vor wenigen Tagen in Heiligenstadt Bäckermeister Karl-Heinz Schneider, seine Familie und Beschäftigten. Seit 50 Jahren werden in dem Eckhaus Liboriusstraße/Holzweg Brot und Brötchen gebacken. Ein gutes Brot bis zum heutigen Tage - nicht nur von Bäckermeister Schneiders Kunden gelobt, sondern bei den jährlichen Brotqualitätsvergleichen immer mit ganz vorn. 50 Jahre Bäckerei Schneider - 50 Jahre zuverlässige und qualitätsgerechte Versorgungsleistung für die vielen Kunden. Das hatte bei der Gratulation auch der Geschäftsführer der ELG Bäcker und Müller, Ufrd. Horst Sievers, gewürdigt.

Carl Schneider, der Vater des heutigen Geschäftsinhabers, war aus dem Rheinland über kurze Zwischenstationen im Jahre 1936 nach Heiligenstadt gekommen und hatte im gleichen Jahre eine Bäckerei eröffnet. 1969, als Carl Schneider das 65. Lebensjahr vollendete, gab er den Handwerksbetrieb weiter an seinen Sohn Karl-Heinz. Der heute 57jährige - ihm zur Seite stehen in der Backstube Sohn Mattias und Geselle Bernhard Schneider, im Verkaufsraum Ehefrau Agnes und Elisabeth Dölle - hat in diesen Jahren viel modernisiert und den Maschinenpark in der Backstube vergrößert. Die Stelle des ehemaligen Marsbackofens - seinerzeit mit seinem Beheizungssystem für das Eichsfeld eine Besonderheit – nahm ein elektrisch beheizter Zyklothermofen ein. Manches, was die Arbeit in der Backstube erleichtert, wurde von Bäckermeister Karl-Heinz Schneider, der übrigens auch im Preisaktiv und im Brotprüfungsausschuss des Bäckerhandwerks des Kreises vorbildlich mitarbeitet, selbst ausgetüftelt, so z. B. für den 1985 angeschafften Brötchenautomaten. Apropos Brötchen. Die werden bei Schneiders wie zu Vaters Zeiten noch auf Blechen gebacken, was sicherlich ihren besonderen Geschmack ausmacht. Doch noch etwas Eigentümliches hat Karl-Heinz Schneider zu bieten.

Bei ihm werden Stuten gebacken, ein leichter Kuchenteig, weißbrotähnlich und halbsüß. Diese Brotart brachte Carl Schneider einst mit auf das Eichsfeld und bekam deretwegen von den Kunden den Beinamen „Stuten-Carl“. Zur Freude der vielen Kunden behielt Karl-Heinz Schneider die „Stuten“-Produktion bei. Und in absehbarer Zeit wird er auch die Herstellung von Leinsamenbrot wieder aufnehmen. Daß nebst Brot und Brötchen bei Schneiders auch Kleingebäck und leckere Torten hergestellt werden, versteht sich von selbst. Und zu Familienfesten wird für die Stammkunden auch noch der selbstgemachte Eichsfelder Schmandkuchen abgebacken. Wie gesagt, vieles hat sich in der Backstube verändert. Aber die Qualität von Schneiders Backwaren ist geblieben. Sohn Matthias, ebenfalls Meister seines Fachs, wird eines Tages das Erbe übernehmen. Und vielleicht steht einmal einer von dessen beiden Söhnen in der Backstube und setzt dann die von ihrem Urgroßvater gegründete Tradition und den guten Ruf des Hauses fort."

© Thomas Schuster Heiligenstadt

Quelle: Thüringer Tageblatt vom 08.11.1986, E. B. - Bild: © Thomas Schuster 2019


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