Blog der Familie Schuster aus Heiligenstadt - Heiligenstadt im Eichsfeld

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Die Egelsburg im Heiligenstädter Pferdebachtal

Heiligenstadt im Eichsfeld
Herausgegeben von in Heiligenstadt ·
Tags: Egelsburg
Im Pferdebachtal soll ehemals die sogenannte Egelsburg gestanden haben, die 1671 erwähnt wurde. Reste von Mauern und Wehranlagen sind nicht nachzuweisen. Auf dem Gelände befinden sich Überreste alter Steinbrüche und eine ausgewaschene Höhle im Muschelkalk.

Auf dieser Burg lebten der Geschichte nach die Herren von Egel, die ihr Erbbegräbnis in der abgerissenen Jakobikirche vor dem Geisleder Tor in Heiligenstadt gehabt haben sollen. Dort fand man bei Ausgrabungen Grabsteine, mittelalterliche Waffen und Skelette. Im 19. Jahrhundert sind bei der Ausbesserung des Holzfahrweges am Fuße der Egelsburg ein sehr großen Rittersporn aus Messing, sowie einige Sandsteine mit schlitzartigen Löchern gefunden worden.

Der Geschichtsschreiber Johann Wolf berichtet um 1800 von seiner Besichtigung:

„Die Egelsburg, ein Berg im Walde zu Geisleden zu, hält man für die zweite Burg, welche vormals in dem Stadtrevier gestanden haben soll. Die Überreste davon fallen nach dem Zeugnisse derjenigen, welche den höchsten Gipfel des Berges erstiegen und dessen Umfang genau betrachtet haben, so klar in die Augen, daß an einer hier verwüsteten Burg nicht zu zweifeln ist.

Denn am Fuße des Berges gegen Westen zu werden der ehemalige Wall und Graben noch deutlich bemerkt. Auf dem Berge selbst sind Quadersteine befindlich, die kunstmäßig aufeinander liegen, und eine Zirkellinie um den Berg bilden. Weiter hinauf ist ein Felsen, der rundlich den halben Berg umgibt; wo der Felsen nicht hinreicht, sind Höhlungen, wo kleine Steine und weiße kalkartige Erde liegten.

Oben auf demselben steht Mauerwerk, daß einen stumpfen Winkel macht, und wie es scheint, ehemals ein Gewölbe gehabt hat. Ebendaselbst trifft man eine Reihe Quadersteine drei bis vier Schuh hoch an, die wie eine Mauer den ganzen ebenen Umkreis des Berges umgeben; nur hin und wieder sind Steine ausgebrochen, und einige Quaderstücke liegen auf dem Boden. Unten in der Tiefe sind Spuren eines ehemaligen Teiches und Wassergrabens von einer Mühle, die dort gestanden haben soll.“

Egge heißt soviel wie scharf, spitz; daher könnte der Name "Egelsburg" abstammen. In Göttingen gibt es einen Egelsberg (Egelsburg) an der B3 Richtung Grone.

heiligenstadt.net

Alle 7 Jahre hält ein wunderschönes Mädchen Ausschau nach einem jungen Mann, der sie von einem Fluch erlösen soll:

„Über dem Pferdebachtal bei Heiligenstadt soll in alten Zeiten die Egelsburg gestanden haben. In früheren Jahren gab es in der Stadt kaum einen Jungen, der bis zum Ende seiner Schulzeit nicht einmal nach Überresten dieses sagenhaften Bauwerkes gesucht hat. Doch außer einer Felsspalte hat nie jemand etwas gefunden. Viele romantisch veranlagte Einwohner sind jedoch fest davon überzeugt, dass es hier einmal eine Burg gegeben hat. Vor etwa zweihundert Jahren, seien noch Mauerreste zu sehen gewesen, sagen sie. Außerdem gibt es für sie noch einen anderen Beweis, an den sie fest glauben.

Alle sieben Jahre soll die Egelsburg sichtbar sein, und alle guten Leute, die es verdienen, können ein prächtiges Schloss bewundern, wenn sie eben zu dieser Zeit bei der alten Burgstätte sind. Schöner aber als alle dort angehäuften Schätze soll ein junges Mädchen sein, das stets in der Umgebung des alten Bauwerkes auf und ab geht und erwartungsvoll Ausschau hält.

Sie hofft auf einen unerschrockenen jungen Mann, der sie von einem alten Fluch erlösen soll. Da zu der bestimmten Zeit nie jemand in der Nähe ist, kehrt sie alle sieben Jahre wieder und wartet. Allerdings hat es mit dem jungen Mädchen, das so vergeblich ins Tal hinunterblickt, noch eine besondere Bewandtnis. Jedes Mal, wenn die Jungfrau umgeht, wächst in der Gegend des Mittelberges, zu dem das Gebiet der Egelsburg gehört, und im Pferdebachtal eine seltsame, wunderschöne Blume. Wer das Glück hat, die Blume zu finden und zu pflücken, kann das Schloss mit seiner einsamen Einwohnerin sehen und mitsamt den unermesslichen Schätzen erwerben. Es muss demnach schon ein vom Glück sehr bevorzugter Mann sein, der einmal die Einsame heimführen wird. Wer nun meint, dass es so viel Glück nicht geben könnte, irrt sich.

Es muss schon einige hundert Jahre her sein, da weidete im Pferdebachtal ein junger Schäfer seine Herde und sammelte nebenbei allerlei Blumen und Kräuter. Ohne dass er es wusste, hatte er auch die Wunderblume mit gepflückt, und plötzlich, er traute seinen Augen nicht, stand er vor dem prachtvollen Schloss und sah auf einen Balkon, in einem langen weißen Gewand, das schöne Mädchen stehen, das ihm freundlich zu winkte. Der Schäfer hatte seine Herde schon oft hier geweidet und war sehr erstaunt über den ungewohnten Anblick. Wie er nun die weiße Gestalt auf dem Balkon sah, fiel ihm die Sage ein von dem Burgfräulein, das auf seine Erlösung wartet. Doch auch an die sagenhaften Schätze dachte er, die im Schloss vorhanden sein sollten, und er ging mutig und mit festen Schritten auf das Eingangstor zu. Während er näherkam, sah er, dass im Schloss der Tür ein Schlüssel steckte. Noch einmal schaute er nach oben. Dort sah er das schöne Mädchen. Es beugte sich über die Brüstung und rief ihm zu, dass er eintreten und die Tür von innen wieder verschließen solle. Der Schäfer führte die Anweisung aus und stand bald in dem Gebäude, das hell erleuchtet war. Überall glitzerte es von kostbaren Metallen und Steinen. Der arme Kerl wusste gar nicht, wohin er schauen sollte.

Er öffnete die nächst gelegene Tür und kam in einen wundervollen Saal, in dem alle Schätze der Welt aufgehäuft zu sein schienen. Da stand er nun und wusste nicht, wohin er schauen und was er tun sollte. Nachdem sich seine erste Überraschung gelegt hatte, besann er sich nicht lange, sondern füllte zunächst alle seine Taschen mit den Kostbarkeiten. Dann nahm er den Sack zu Hilfe, in welchem er gewöhnlich seine Verpflegung mit sich trug, schließlich stopfte er auch noch seinen Hut voll. Kaum konnte er schleppen, was er sich aufgeladen hatte. Gebeugt unter seiner wertvollen Last, trat er den Rückweg an.

Nach wenigen Schritten hörte er die Stimme des schönen Mädchens; “ Vergiss das Beste nicht!”
Doch er hatte nur Augen für die kostbaren Schätze und meinte, das Wertvollste noch nicht gefunden zu haben. Seine suchenden Blicke fanden nichts, wofür er etwas anderes wieder ausgepackt hätte. Ein paar Ringe steckte er sich noch auf den Arm und schleppte sich weiter, der Tür zu.

Und wieder hörte er die bittende Stimme; “ Vergiss das Beste nicht!”
Jetzt störte ihn der Zuruf nicht mehr. Blitzschnell schoss es ihm durch den Kopf, dass er so schnell wie möglich hinaus gehen und mit allen Säcken und Tüchern, die er in der Eile auftreiben könne, wiederkommen müsse, wenn er noch mehr von den schönen Dingen erwerben wolle.

Da erhob sich, ganz leise erst, dann immer lauter und dröhnender, ein Donner und Tosen und erfüllte die Luft, und mit mächtigen Krach schlug die Tür hinter ihm zu. Das geschah mit solcher Plötzlichkeit, daß er seinen Fuß nicht schnell genug nachziehen konnte, und so wurde seine Verse zerschmettert, und er stürzte auf den steinigen Boden.

Als der Schäfer aus seiner Ohnmacht erwachte, war die ganze Pracht, die er gesehen hatte, verschwunden, sein Fuß war zwischen Steinen eingeklemmt, und seine Taschen und Brotsack waren mit wertlosen Kieseln gefüllt.
Hätte der junge Schäfer auf die Mahnung des Schloßfräuleins, das Beste nicht zu vergessen gehört, hätte er die Tür verschlossen wie ihm gesagt wurde, und den Schlüssel zu sich gesteckt, dann hätte er den Fluch gelöst, unvorstellbare Schätze erworben und das schöne Mädchen dazu. So aber wartet dieses noch immer auf den Glücklichen, der es einmal erlösen wird.“

Quelle: Rudolf Linge: „Der Hahn auf dem Kirchturm“ – St. Benno Verlag Leipzig 1978


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