Blog der Familie Schuster aus Heiligenstadt - Heiligenstadt im Eichsfeld

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Die ehemalige Heiligenstädter Jakobskirche

Heiligenstadt im Eichsfeld
Herausgegeben von in Heiligenstadt ·
Tags: Jakobskirche
Die Jakobskirche stand am Geisleder Tor neben der Geislede in Höhe des heutigen Bildstocks an der Friedhofsmauer. Elemente der Kirche sind noch an der Rückseite des Bildstocks zu erkennen, eine Nische mit einer Muschel und eine verwitterte Inschrift: „ ... gab uns das Leben“.

Jakobus „der Ältere“, auch „der Große“ genannt, gehörte mit seinem jüngeren Bruder Johannes und Petrus zu den erstberufenen und bevorzugten Jüngern Jesu. Seit dem 9. Jahrhundert wurde Jakobus eine militärische Funktion zugeschrieben. Er ist Schutzpatron von Spanien (Santiago), der Pilger, der Apotheker und Drogisten, der Hutmacher, Wachszieher und Kettenschmiede, der Krieger, der Schröter, der Arbeiter, für Äpfel und Feldfrüchte und für das Wetter.

Im 14. Jahrhundert entstand vor dem Geisleder Tor eine Vorstadt. Diese Vorstadt war wegen der großen Bevölkerungszunahme notwendig geworden, denn die Stadtmauer als äußere Begrenzung ließ keine Erweiterung zu. Mit dieser Vorstadt entstand zeitgleich die Jakobskirche. Johann Wolf erwähnt, dass die große Pest im Jahr 1348 vielleicht den Bau der Kirche auslöste. Sie wäre dann als Pestkirche (siehe Worbis) genutzt worden. Die an der Pest verstorbenen Bürger begrub man neben der Kirche vor der Stadt. Walter Rassow vertrat dieselbe Meinung und benennt die Kirche als „Totenkirche“.

Die erste namentliche Erwähnung erfuhr die „Jakobs-Kapelle“ im Jahr 1363 in einem Erlass des Erzbischofs Gerlach (capellarum beatorum Nicolai et Jacobi et Sancti Spiritus). Hier forderte er die Pfarrer auf, in den Stadtkirchen und Kapellen an den hohen Feiertagen die Messen so früh zu lesen, dass die Bürger an dem Gottesdienst der Stiftskirche beiwohnen konnten.
Im 16. Jahrhundert wurde die Kirche aus unbekanntem Grund entweiht. Deshalb musste sie der Mainzer Weihbischof Stephan Weber im Jahre 1603 wieder neu einweihen. Das Patronatsrecht übte die Stadt aus. 1636 wurde M. Georg Hahne, Pfarrer aus Kirchworbis als Inhaber der Vikarie genannt. Es folgten R. Jagemann, der Pfarrer in Kalteneber war und R. Pferner. 1671 wird im Lagerbuch von Heiligenstadt ein Jakobstor genannt „am Jacobsthor“.

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts erlangte die Ägidienkirche das Patronat. Der Pfarrer der Neustädter Kirche, Heinrich Faßhauber, reinigte die vernachlässigte Kirche und versah sie mit einer Glocke. Da er hier auch Gottesdienste abhielt, übertrug man ihm die Vikarie. Wolf erwähnt, dass nur 3mal im Jahr „nämlich auf Markus-, Johannes- und Jakobs-Tag, wird ein hohes Amt und eine Predigt darin gehalten.“
1791 wurde die Jakobskirche durch Franz Wehr und weiteren Bürgern der Stadt Heiligenstadt ausgebessert. Eine Inschrift über der Eingangstür berichtete davon: a ProaVIs oCto CirCIter ante SaeCVLa DIVo Iacobo saCre eXstrVCtae a posterIs reparatae sVnt aeDes.

Auf der Zeichnung des Pastors Fluk aus dem Jahre 1646 besaß die Kirche einen echteckigen Chor und einen Glockenturm. Die Jakobskirche wurde im Jahre 1825 abgerissen, man fand unter anderem Leichensteine, Ritterwaffen und Teile von Skeletten. Laut einer Sage vermutete man hier das Erbbegräbnis der Herren von Heiligenstadt, die ihren Sitz auf der Egelsburg hatten. Dies kann aber nicht der Fall sein, denn laut Wolf wurde die Jakobskirche erst im 14. Jahrhundert erbaut. Das Geschlecht war zu diesem Zeitpunkt schon erloschen. Ob ein Vorgängerbau der Kirche bestand, ist nicht mehr nachzuweisen. Vermutlich wurde die Kirche im Zuge der Friedhofsverlegung abgerissen. Dr. Conrad Zehrt schreibt: „1811 gingen die alten Pfarrkirchhöfe ein und es wurde der neue Gottesacker östlich vor der Stadt angelegt. Das Grundstück gehörte vorher der Kirche ad S. Aegidium. Der Commissarius Würschmidt weihte am Himmelfahrtssfeste 1811 den neuen Gottesacker, der, von der Stadtgemeinde durch Tausch erworben, der Stadt gehört und paritätisch ist. Drei Vergrößerungen jenseits der Geislede fanden in den Jahren 1847, 1864 und 1891 statt. …“

In einem Schreiben der königlich preußischen Regierung an den Landrat Anton von Bodungen in Heiligenstadt vom 21. Dezember 1822 heißt es: „… Der Abbruch der kleinen Kirche, da solche schon verfallen ist, wird keinem Bedenken unterliegen und das Material zur Einfassungsmauer oder zum Leichenhause zu verwenden sein.“
Im Februar 1824 wurde über einen verheerenden Zustand der Jakobskirche berichtet. Das mit Brettern überspannte Mannhaus war größtenteils abgerissen. Die Dachsparren des Kirchendaches fielen Dieben zum Opfer.

Dr. Johannes Müller (Unser Eichsfeld 1936, S. 209) schreibt: „Die Pilgerkapelle zu St. Jacob am Geisleder Tor. Die Lage und die Erinnerung an dies Gotteshaus sind heute noch gekennzeichnet durch das kleine Heiligenhäuschen in der Kirchhofsmauer, vor dem nachts nach altem Brauch immer noch eine Art Totenleuchte brennt. Der Name St. Jakob lebt fort in der Bezeichnung Jokswehr ... und neuerdings in der Jakobstraße".

„Die Jakobskapellen vor den Toren mit ihren Herbergen und Spitälern sind vornehmlich als körperliche und seelische Ruhequartiere für Pilger zu betrachten. 1830 wird die Kapelle abgebrochen“ (Karlheinz Schäfer in: Unser Eichsfeld 1936, S. 102 f.).

Über die Jakobskirche in Heiligenstadt lesen wir noch bei Wolf (S. 126): „Die ehemalige Jakobskirche. Vor der früheren Geisleder Vorstadt und zwar nahe dem äußeren Torturm der Brücke über die alte Geislede stand eine Kapelle, die dem Apostel Jakobus geweiht war.“

Das Lagerbuch von Heiligenstadt, Untere Neustadt S. 103, im Jahre 1777 nennt einen Jakobsgraben: „Auf dem Jacobs-Graben an der Kirchen“. Heute erinnert noch namentlich die Jakobistraße an die alte Kirche.

Quellen: Dr. Conrad Zehrt „Eichsfeldische Kirchen-Geschichte des 19. Jahrhunderts“; Johann Wolf „Geschichte und Beschreibung der Stadt Heiligenstadt“ – 1800;  Walter Rassow „Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Heiligenstadt“  - 1909


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