Blog der Familie Schuster aus Heiligenstadt - Heiligenstadt im Eichsfeld

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Die Heiligenstädter Hospitalskirche oder auch Georgskapelle

Heiligenstadt im Eichsfeld
Herausgegeben von in Heiligenstadt ·
Tags: Hospitalskirche
Die Hospitalkirche, nach ihrem Patron dem Heiligen Georg auch Georgskapelle oder St. Georgius genannt, steht neben dem Hospital „Zum Heiligen Geist“ an der Kreuzung Hospitalstraße/Richteberg.

Der heilige Georg zählt zu den 14 Nothelfern und wurde im 3. Jahrhundert in der Türkei geboren. Sein Symbol, das Georgskreuz (Rotes Kreuz auf weißem Untergrund) ist Bestandteil vieler Wappen. Er wird vorwiegend als Reiter mit Lanze und einem Drachen dargestellt. Georg gilt als Schutzpatron gegen Fieber, Hautkrankheiten, Herpes, Kriegsgefahren, Pest, Syphilis und Versuchung. Er wurde für das Vieh und für gutes Wetter angebetet und war Patron der Spitäler und Siechenhäuser. Daher stammt auch die Namensgebung der kleinen Kirche neben dem Hospital.

Erste Erwähnungen fanden Mitte des 14. Jahrhunderts statt. Sie lag an der damaligen Hauptstraße nach Göttingen. Alle Besucher der Stadt aus dieser Richtung mussten die Kirche passieren, auch noch nach dem Eisenbahnbau. Erst 1913 wurde die Unterführung angelegt und die Straße im heutigen Verlauf verlagert. Ursprünglich hatte sie den Charakter einer Gedächtniskirche (diente der Erinnerung an bestimmte Personen oder Ereignis).

Johann Wolf schreibt im Jahre 1800:

„Es wird nachher gesagt werden, daß das Hospital schon im 13. Jahrhundert gestiftet war und eine eigene Kirche hatte. Diese hatte bereits 1363 einen eigenen Geistlichen, der den Gottesdienst darin versah. An dem hohen Altar stifteten 1433 der Kanonikus Eckard Locker, der Vikarius Conrad Sure und Johann Pfrieme, ein Bürger aus Heiligenstadt, eine Vikarie, die Johann von Rengelrode, Probst zu Jechburg,im Namen des Erzbischofs von Mainz den 23ten Junius im selbigen Jahre bestätigte. Nebst dem hohen Altare war noch ein Antonius-Altar darin mit eine besonderen Vikarius besetzt, welchen 1486 Nikolaus Hamman versah, der dem Rathe von seinen Einkünften 25 Rheinische Gulden gegen 4 Schock Groschen Heiligenstädter Währung, als ein Darlehen überließ.
Die vorige Hospitalskirche ist 1632, als die Schweden Heiligenstadt belagerten, in Brand gesteckt worden und die Vikarie ist längst erloschen; die jetzige Kirche ward um 1684 erbaut.*

Seitdem hält der Pfarrer zu u. l. Frau (Marienkirche), in dessen Pfarrei das Hospital gehört, alle Sonn- und Feiertage, auch alle Freitage Messe darin, wofür ihm 30 Rthlr. gegeben werden. Gegen diese Kirche hat sich der jetzige Herr Statthalter auf dem Eichsfelde und Domdechant, Freiherr von Dienheim, vor einigen Jahren wohltätig gezeigt, durch dessen Freigebigkeit das Holzwerk des Thurms vom Kirchenschiffe an neu gebaut, und mit Schiefern gedeckt, drei Fenster und der Eingang mit einer neuen Thür erweitert, ein neues Mannhaus gebaut, die Kirche inwendig geweißet, gepflastert und auswendig berappt worden ist.“.

* Wolf vermutet einen Zusammenhang mit dem Bau des Spitals, Walter Rassow wiederlegt diese Annahme und nennt zwei Wiederherstellungen nach dem 30jährigen Krieg und Ende des 18. Jahrhunderts. In der Zeichnung von 1646 ist das Gebäude noch in der heutigen Gestalt zu sehen.

1632 wurde die Kirche von den Schweden unter Löwenstein in Brand gesetzt, da er die Stadt nicht einnehmen konnte. In einer Urkunde von 1691 wird der Hospitalkirche ein Gehölz in Riesbach bescheinigt, das als „Geisterholz“ bezeichnet wurde.
Die Kirche besteht aus einem Schiff und einem achteckigen Chor. Die Breite des Innenraumes beträgt 3,77 Meter und die Länge 8,17 Meter. An der Westseite ist der quadratische Turm angebracht, der eine Empore und einen Glockenraum enthält. Die Gewölbe sind auf runden, nur 1,27 Meter hohen Säulen gesetzt. Der östliche Schlussstein stellt eine weiße Taube dar.

In der Georgskapelle befindet sich ein schönes Tafelbild aus der Zeit um 1500. Dargestellt werden die Heilige Anna Selbdritt mit dem Bischof Martin von Tours, der Evangelist Johannes und das Stifterehepaar, die Eheleute Baumann in zeitgenössischer Kleidung. Die Tafel ist vermutlich der Rest eines ehemaligen großen Flügelaltars und hat eine Größe von 141,2 X 93,2 Zentimeter.

1880 wurde das heutige Hospital erbaut. Die Wetterfahne auf dem Turm trägt die Jahreszahl 1959. Zeitweise nutze man die Kirche auch als Leichenhalle. 1991 wurde die Kirche einer gründlichen Renovierung unterzogen, leider bleibt sie für die Bevölkerung weiterhin verschlossen.

Quelle: Johann Wolf: Geschichte und Beschreibung der Stadt Heiligenstadt – 1800, Karte des Pastors Fluk aus Uder – 1646, Walter Rassow: Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Heiligenstadt – 1909, http://de.wikipedia.org/wiki/Georg_%28Heiliger%29


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