Blog der Familie Schuster aus Heiligenstadt - Heiligenstadt im Eichsfeld

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Heimatgeschichten: Die Matzenburg bei Haynrode

Heiligenstadt im Eichsfeld
Herausgegeben von in Eichsfeld ·
Tags: HaynrodeMatzenburg
Am Ortsausgang vom Haynrode in Richtung Kaltohmfeld liegt auf der rechten Seite die sogenannte „Matzenburg“. Sie soll sich auf einer Hochfläche des Ohmberges befunden haben, der an der Südseite stark abfällt. Die Existenz einer Burg ist nicht bewiesen, jedoch sind hier Reste frühneuzeitlicher Keramik gefunden worden. Reste einer Burg sind nicht mehr erkennbar, nur ein Wallgraben ist angedeutet.

Levin, Freiherr von Wintzingeroda-Knorr schreibt 1903:

„Westlich des die Besitzungen der von Bültzingsleben und von Wintzingerode scheidenden Gestelles springt eine Bergzunge vor, welche von dem Gebirgszuge nach Osten – nach dem gedachten Gestelle – und nach Westen durch tiefeingeschnittene Täler getrennt ist; auf dieser waren vor etwa 30 bis 40 Jahren noch ziemlich hohe Wälle sichtbar, welche einen Teil des Bergvorsprunges von dem nach Norden sich weiter hinziehenden Bergrücken trennten und jedenfalls aus vorgeschichtlicher Zeit herrühren.“

Thomas Schuster Heiligenstadt

„Innerhalb der von Wintzingeroder Forst „an der Matzenburg“ finden sich in den nach dem Talweg steil abfallenden Muschelkalk-Klippen Gebirgsspalten und Höhlungen, deren einige künstlich erweitert und gangbar gemacht zu sein scheinen. Diese Arbeiten in den Spalten dürften aus der Zeit herrühren, zu welcher man in der Gegend Bergbau zu betreiben versuchte. — Kaum eine halbe Stunde weiter nördlich befindet sich ein bergmännisch angelegter Schacht in „der kalten Hufe". — Betreffs der daselbst gedachten „Italiener“ oder „Venetianer“ sei hier nachgeholt, dass bis in das vierte Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts fast alljährlich diese Leute — der Sprache nach scheinen es Welschtiroler gewesen zu sein. — in die um den Ohmberg gelegenen Dörfer — besonders nach Holungen und nach Wintzingerode kamen und einige Wochen dortblieben. Ihr Verhalten war ein geheimnisvolles. Sie kehrten nie in einem Wirtshause ein, sondern suchten stets bei den Bauersleuten Quartier, morgens wanderten sie regelmäßig mit leerem Rucksack in die Berge und kehrten erst spät abends, zuweilen schwer bepackt in ihre Quartiere heim. Man hielt sie für Schatzgräber und behauptete, dass sie gerade „die Matzenburg“ und „die kalte Hufe“ fleißig besuchten. Der Bearbeiter, welcher sich als Knabe für diese geheimnisvollen Leute lebhaft interessierte, hat aber niemand zu finden vermocht, welcher ihm versichern konnte, dass er selbst die Italiener in der Nähe der bekannten Schächte auf dem Ohmberge gesehen habe.“

Quelle: Levin, Freiherr von Wintzingeroda-Knorr „Die Wüstungen des Eichsfeldes“ - 1903 - Bild: Blick von der „Matzenburg“ auf Haynrode - 2017


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