Blog der Familie Schuster aus Heiligenstadt - Heiligenstadt im Eichsfeld

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Gerichtsstätte Schloss Großbodungen

Heiligenstadt im Eichsfeld
Herausgegeben von in Eichsfeld ·
Tags: Großbodungen
Das heutige Aussehen der Burg Großbodungen verdanken wir der Familie von Berlepsch, die die Burg im 16. Jahrhundert von den Grafen von Hohnstein kauften. Hans von Berlepsch war ein Sohn des Burghauptmannes Hans Sittich von Berlepsch (um 1480 - 1533), der Martin Luther Zuflucht auf der Wartburg gewährte.

Carl Duval schreibt um 1845 über das Gericht im Schloss Großbodungen:

„Mit Geröll bedeckte, baufällige Treppen führen aufwärts, da sie aber zu nichts Bemerkenswerten führen, so verlassen wir das Burgverlies und wenden uns zu dem rechten Flügel, steigen mehrere Treppen aufwärts und betrachten viele Gemächer, in denen einem noch vor wenigen Jahren das hiesige Gericht seine Sitzung hielt. Dasselbe, zu welchem, außer Bodungen, noch die Dörfer Wallrode, Kraja, Hauröden und Epschenrode gehörten, übte früher auch die peinliche Justiz aus und man zeigt auf einer nahe beim Schlosse gelegenen Wiese, der Westerwiese, die Stelle, auf der sich das Hochgericht befand.

In einem der Räume des Schlosses, welche jetzt öde und unbewohnt sind und vom derzeitigen Inhaber des Kammergutes, Herrn Amtsrath Mehler, nur noch zum Bewahren von Früchten benutzt werden, trifft man auch noch Foltergeräte an, namentlich eine Art Leiter mit Walzen, deren eine rings herum mit Stacheln versehen ist. Kaum glaublich, aber wahr ist, dass hier noch vor einigen 30 Jahren ein nicht unangesehener Mann, welcher des Pferdediebstahls dringend verdächtig war, gefoltert wurde.
Nachdem man die oberen Böden erreicht hat, gelangt man zu einer metallenen Tür, welche in dem Turm führt. Hier befindet man sich in einem gewölbten eckigen Raume, der wahrscheinlich als Gefängnis genutzt wurde.

Zuerst auf einer knarrenden Leiter, dann über wankende Bohlen und halbzerfallene Treppen, gelangt man bis zu dem unter dem dache gelegenen Raume, von dem man, obgleich das Schloss in der Tiefe liegt und die Aussicht daher nicht ausgebreitet ist, doch einen sehr schönen Blick auf Bodungen und die umliegende Gegend hat, da man das ganze Tal, in welchem Neustadt und Kleinbodungen liegen, überschaut.“

Thomas Schuster Heiligenstadt

Quelle: Carl Duval: „Das Eichsfeld“ – 1845 Bild: © Thomas Schuster 2019


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