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Heimatgeschichten: Burgruine Greifenstein

Heiligenstadt im Eichsfeld
Veröffentlicht von in Eichsfeld · 15 Januar 2019
Tags: Greifenstein
Westlich des Ortes Großtöpfer befinden sich auf dem 422 Meter hohen Schlossberg die Turmreste des Greifensteins. Im Jahre 1227 wurde die Burg erstmals erwähnt. In der Urkunde erwarb das Martinsstift in Heiligenstadt Güter in Volkerot, die früher der Ritter Heinrich von Berckenfeld besessen hatte. Erst 1283 wird ein „Crafto de Grifenstein“ urkundlich erwähnt.

Da die Burg an der Grenze zu Hessen lag, wurden viele Überfälle auf hessischem Gebiet begangen. Daraufhin wurde 1397 die Burg auf Befehl des Kurfürsten von Mainz von den Erfurtern mit Hilfe des Herzogs Otto von Braunschweig und der Städte Nordhausen und Mühlhausen zerstört. Der Erzbischof Konrad II. von Mainz fügte das Gebiet seinem Territorium hinzu und bildete das Amt Greifenstein mit den Dörfern Kella, Pfaffschwende, Rüstungen, Sickerode und dem adligen Sitz Volkerode. Heinrich von Bültzingslöwen baute die Burg Ende des 15. Jahrhunderts zu einer mächtigen Anlage aus.

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Das Amt Greifenstein ging im 18. Jahrhundert im Amt Bischofstein auf. Die Burg wurde als Steinbruch genutzt, die noch stehenden Reste sind vom Verfall bedroht. Im Südosten des Schlossberges wurden später ein Gutshaus und die Försterei errichtet, die auch den Namen Greifenstein tragen.

Über die Zerstörung der Burg berichtet die Sage:
„Da die Ritter von Greifenstein öfters raubend und mordend in das Eichsfeld einfielen, beschloß der Kurfürst von Mainz, die Burg zu erobern. Nach langem, hartem Kampf gelang es dem kurfürstlichen Heere, die Burg einzunehmen und zu zerstören; doch von den Raubrittern war nirgends eine Spur zu entdecken, die Burg schien wie ausgestorben. Endlich fand man in einem entlegenen Winkel der Burg einige zurückgebliebene Knechte.

Thomas Schuster

Aus Furcht vor dem Tode gestanden diese, dass die Ritter durch den unterirdischen Gang, der nach Eschwege führe, entflohen seien. Sofort nahmen einige Krieger die Verfolgung durch diesen Gang auf. Doch nach kurzer Zeit wurde der Gang durch einen Spalt, der sich vor den Augen der Verfolger bildete, gehemmt. Eilig wurde der Spalt überbrückt, und weiter ging die Jagd auf die Räuber. Doch bald stellte sich den Verfolgern ein zweites Hindernis in den Weg. Ein dicker Wasserstrahl quoll aus dem Felsen hervor, glitt geräuschlos an ihm herab und verschwand plötzlich in der gegenüberliegenden Felswand. Der erste Ritter, der über das Wasser springen wollte, fiel hinein und musste von seinen Begleitern herausgezogen werden. Ebenso erging es den Übrigen, die den Sprung über den Bach wagten.
Verwundert blickten die Ritter das eigentümliche Wasser an, und jetzt erst gewahrten sie an seinem Rande eine geheimnisvolle Gestalt, die ihre Rechte erhoben hatte und ihnen zurief:

"Sehet ab von dem Verfolgen eurer Feinde; denn Gottes Strafgericht hat die Mörder schon ereilt. Auch ich gehöre zu den zahllosen Unschuldigen, die den habgierigen Räubern in die Hände fielen und von ihnen elend zu Tode gemartert wurden. Auf meine Fürbitte sind euch diese Hindernisse in den Weg gelegt worden, sonst wäret ihr, wie die Mörder, rettungslos verloren. Schaut hin..."
Bei diesen Worten zeigte die Gestalt in Richtung, in welche die Ritter von Greifenstein geflohen waren.
"Dort könnt ihr sehen, wie die Verruchten für ihre Untaten bestraft werden."
Ein Meer von Feuer zeigte sich den sprachlos Dastehenden, und mit einem donnerähnlichen Getöse stürzte das Gewölbe vor ihnen ein und begrub die Mörder samt ihren geraubten Schätzen, von denen sie sich selbst auf der Flucht nicht hatten trennen können.

Die geheimnisvolle Erscheinung verschwand, und eilig kehrten die geretteten zu ihren am Eingang des unterirdischen Ganges haarenden Gefährten zurück.“

Quelle: Rudolf Linge: Der Hahn auf dem Kirchturm


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