Blog der Familie Schuster aus Heiligenstadt - Heiligenstadt im Eichsfeld

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Heimatgeschichten: Das Huchelheimer Tor

Heiligenstadt im Eichsfeld
Herausgegeben von in Heiligenstadt ·
Tags: Huchelheim
Zwischen dem ehemaligen Geisleder Tor und der Klauskirche lag ehemals das Huchelheimer Tor, ein Nebentor in der Stadtmauer. Es wurde benannt nach dem wüsten Dorf Huchelheim, dessen Bewohner überwiegend dieses Tor benutzten. 1797 riss man das Tor ab und mauerte es zu.

Die Wüstung Huchelheim, auch Heuchlein, befand sich auf der linken Seite der Leine in Richtung Westhausen am heutigen Vitalpark. Der Ort war schon vor dem Jahre 1318 verlassen, denn in einer Urkunde aus diesem Jahr steht: „In villa Huchelheym, que villa similiter est desolata habet dominus …“. 1327 werden noch ein Heinrich von Huchelheim und seine Schwester Johanne als Bürger von Heiligenstadt genannt. Die letzte Erwähnung fand in einer Urkunde vom 4. Juli 1579 statt, wo ein Herst zu Beuern durch Hans von Wintzigerode mit verschiedenen Gütern, darunter „ein Acker Wiesen an der Leine zu Huchelheim“ beliehen wird.

Andere Meinungen setzen Huchelheim mit dem Heimenstein gleich. Johann Wolf schreibt: „Ecclesia St. Nicolai in collicuoto prope muros. (Dem Heiligen Nikolaus geweiht auf dem Hügelchen vor der Mauer.)

Thomas Schuster Heiligenstadt

Vom Tor und den Heimensteinern erzählt man sich folgende Sage:

„Eine Viertelstunde nordöstlich des Heiligenstädter Schützenhauses befindet sich eine Feldflur, die »das Huchelheim« heißt. Hier lag in alten Zeiten das Dorf Huchelheim mit einem Rittersitz gleichen Namens. An der Stelle, wo jetzt die Klausmühle in Heiligenstadt sich befindet, hatte damals ein Graf seinen Wohnsitz, an dem die Bewohner des Heimensteins wie an einem Vater hingen. Der Ritter von Huchelheim geriet wegen eines strittigen Flurteiles mit dem Grafen in Feindschaft; auch der Besitzer der Egelsburg war dem letzteren übel gesonnen. Beide verbanden sich und planten einen Überfall auf den Grafen. Die Bewohner des Heimenstein hatten einem alten Gelöbnis zufolge alljährlich am zweiten Pfingsttage des Abends von 6 bis 7 Uhr einen feierlichen Gottesdienst in der Klauskirche. Diesen Umstand benutzten die von Huchelheim und von der Egelsburg, um ihr Vorhaben auszuführen.  Sie zogen auf Schleichwegen heran und näherten sich unauffällig dem Klausberge. Allein ein Heimensteiner Sasse, der sich beim Kirchgange verspätet hatte, bemerkte den bewaffneten Trupp. Schnell rannte er nach der Kirche und läutete mit der Glocke, deren Seil nach außen hing, Sturm. Die Heimensteiner stürzten aus dem Gotteshause, und als sie die Gefahr bemerkten, in der sie schwebten, eilten sie in ihre Wohnungen und griffen zu den Waffen. Auch der Graf hatte sich, durch das Läuten rechtzeitig gewarnt, mit seinen Bewaffneten kampfbereit gemacht und erschien auf dem Klausberge, wo sich alle Heimensteiner Männer um ihn scharten. Inzwischen waren die Feinde durch das »Huchelheimer Tor« eingedrungen, nachdem sie den ahnungslosen Wächter überfallen und geknebelt hatten. Es kam zu einem blutigen Kampfe, allein der Graf blieb mit seinen tapferen Heimensteinern Sieger. Einige Huchelheimer hatten sich in die Klauskirche geflüchtet, wo sie von den erbitterten Gegnern niedergemetzelt wurden. Der hocherfreute Graf aber machte bald darauf eine Stiftung, nach der alljährlich am zweiten Pfingsttage auf dem Klausberge ein großes Fest begangen werden sollte.

Da nun die Kirche bei dem Überfalle entweiht war, so mußte sie neu eingeweiht werden; der Gedächtnistag der Weihe aber wurde auf den zweiten Pfingsttag gelegt. Das hat sich durch die Jahrhunderte erhalten, und noch heute wird die Kirmes auf dem Heimenstein als Hauptfest dieses Heiligenstädter Stadtteils festlich begangen.“

Quelle: http://www.heimenstein.de; Levin, Freiherr von Wintzingeroda-Knorr: „Die Wüstungen des Eichsfeldes“, Buch: „Die goldene Glocke“ – Rat der Stadt Heiligenstadt



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