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Heimatgeschichten: Das Ihlefelder Kreuz im Hainich

Heiligenstadt im Eichsfeld
Veröffentlicht von in Thüringen · 22 Juli 2019
Tags: Hainich
Ungefähr 200 Meter von der „Eisernen Hand“ entfernt finden wir eines der ältesten Denkmäler des Hainich, das Ihlefelder Kreuz. 1993 wurde das in Teilen zerstörte gotische Kreuz von Steinmetzmeister Schütz und Förster Höppner restauriert.

Das Alter des 1,90 m hohen Steinkreuzes aus Travertin wird um 1400 – 1450 datiert. Bei der Restauration fand man die plastische Darstellung einer Bärenjagdszene. Der Bärenspieß ist noch zu erkennen. Nach der Zeichnung handelt es sich um einen stürzenden Jäger, der von einem Bären angegriffen wird. Das Kreuz wurde anscheinend als Denkmal in der Nähe des Weges für den hier verunglückten Jäger aufgestellt. Weitere Eingravierungen sind nicht zu erkennen bzw. wurden vom Zahn der Zeit zerstört. Im frühen Mittelalter waren in den Wäldern noch Bären anzutreffen, die mit sogenannten Bäreneisen (Speer mit breitem Blatt und Knebel) und Fanggruben gejagt worden sind.
Ob es sich um den genauen Ort des Geschehens handelte, ist nicht überliefert. Jedenfalls wurde das Wegesystem nach einer Überlieferung in den Jahren geändert. Wegekreuze wurden vor der Reformation zum Seelenheil des Verunglückten oder Getöteten aufgestellt.

Zu den bemerkenswertesten unter den etwa 570 Steinkreuzen Thüringens zählt das „Tatern- oder Katharinenkreuz“ im Langulaer Tal:

„… Der eigenwillige Name entstand dadurch, dass in früherer Zeit die ‚Tatern‘ (mundartlich für Tataren, Zigeuner) mehrfach hier, Ausgang des sogenannten langen Tales des Hainichwaldes, der alten Fahrstraße, der einzigen Talstraße, die über den Hainich führte, fernab der Ortschaften lagerten. Diese volksmündliche Namensgebung verdrängte im Laufe der Zeit den ursprünglichen, historischen Namen des Kreuzes, der erst durch Archivforschungen für das gesamtthüringische Inventarwerk der Steinkreuze 1982 wiederentdeckt wurde: als ‚Kad. Creutz‘ ist es in der Karte der Ganerbschaft Treffurt von 1615 eingezeichnet, und deren Auflage von 1635 nennt es ‚Katharin Creutz‘, also Katharinenkreuz und das nur 22 Jahre nach seiner Aufstellung. Das Steinkreuz wirkt mit einer Armbreite von 85 cm und einer Stärke von bis zu 33 cm außergewöhnlich mächtig.

… Was hier am 2. Februar 1593 genau geschah, ist chronikalisch nicht überliefert. Sagen berichten vom getöteten Hansteiner Knappen oder vom ‚Steinchen‘ im Schuh einer Riesen-Prinzessin. Der Oberdorlaer Arzt Paul Bienwald (gest. 1932) bezog das Kreuz 1924 in seine Lehdeborn-Erzählung: ‚Der Bruder Klausner im Langulaer Tal‘ ein.

… Die etwa 15 Mitglieder der Wander- und Heimatfreunde Langula unter der Leitung von Paul Rödiger richteten 1921 das Kreuz neu auf und entdeckten dabei ein gut erhaltenes menschliches Skelett, das auf der Ostseite in westöstlicher Richtung, also mit den Füßen am Kreuz und mit dem Kopf nach Osten lag. Der Schädel hätte eine auffallend hohe Stirn gehabt. Das Gebiß wäre vollständig erhalten und der Knochenbau sehr stark gewesen. Beigaben fand man nicht, wohl aber einige verrostete, schmale Eisenblechstücke mit kleinen Löchern, die man für Eckbeschläge eines Holzsarges gehalten hätte.“

© Thomas Schuster Heiligenstadt

Quelle: Harald Rockstuhl, Frank Störzner: „Hainich Geschichtsbuch“ – 1998 – Bild: © Thomas Schuster 2019



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