Blog der Familie Schuster aus Heiligenstadt - Heiligenstadt im Eichsfeld

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Heimatgeschichten: Der Streit zwischen Heiligenstadt und Heise von Kerstlingerode 1476

Heiligenstadt im Eichsfeld
Herausgegeben von in Heiligenstadt ·
Tags: Kerstlingerode
Kerstlingerode gehört heute zur Einheitsgemeinde Gleichen und liegt im oberen Gartetal, einem Nebenfluss der Leine.

Das Geschlecht derer von Kerstlingerode war im Eichsfeld ein angesehenes und bekanntes Geschlecht. Viele Mitglieder der Familie hatten vom 14. Jahrhundert bis ins 17. Jahrhundert ihren Wohnsitz in Heiligenstadt. Ob die Familie sehr streitfreudig war, lässt sich nicht mehr nachvollziehen. Jedenfalls war Thile von Kerstlingerode schon 1387 in einen Streit mit der Stadt verwickelt.

Ende des 15. Jahrhunderts kam es zu Auseinandersetzungen zwischen dem Adligen Heise von Kerstlingerode und der Stadt Heiligenstadt.

Diese Geschichte gibt Johann Wolf um 1800 ausführlich wieder:

„Dagegen herrschten auf einer anderen Seite zwischen der Stadt Heiligenstadt und denen von Kerstlingerode noch große Feindseligkeiten, die bereits 1476 angefangen hatten. Sie sollen deswegen entstanden sein, weil der Rat zwei Kerstlingerödische Gerichtsuntertanen, die von Heise von Kerstlingerode auf gegebenes Geleit nach Heiligenstadt geschickt, und von zweien hier verhafteten Missetätern als Mitschuldige angegeben worden waren, hatte hinrichten lassen.

Sogleich schickte Heise der Stadt einen Absagebrief zu und tat ihr alles nur erdenkliche Drangsale an; kein Bürger war auf der Straße mehr sicher, den er nicht fangen plündern, auch wohl verwunden ließ. Die Heiligenstädter, wie leicht zu denken ist, machten es nicht besser, wie sie denn Hildebrand von Uslar, Heises vertrauten Freund, fingen und ausplünderten. Dadurch ward die Verbitterung noch größer.
Angeblich waren alle Bemühungen des Grafen von Schwarzburg, der eichsfeldischen Ritterschaft und des Rates zu Duderstadt, welche der Kurfürst selbst, als Schiedsmänner bestellt hatte, eine Aussöhnung zu stiften.

Indessen trägt sich zu, dass ein Herr von Hanstein Geschäfte halber in die Stadt kommt, und in einen Gasthof beim Ratskeller einkehrt. Als diesen ein Bürger, Hans Osenburg genannt, erblickt, fängt er mit seinen Zechbrüdern aus den Fenstern des Ratskellers ein Schmählied auf die von Hanstein zu singen an, das man vor kurzem wegen des den Kerstlingerödern geleisteten Beistandes zu Heiligenstadt gemacht hatte und beim Bierkruge sang.

Je empfindlicher der Fremde ward, desto mehr rieben sie ihm die Ohren mit dem Schmähliede. Über diese mutwillige Beschimpfung beklagte er sich bei seinen Verwandten und Freunden, welche nun die Kerstlingeröder Sache als ihre Eigene ansahen und sich an der Stadt zu rächen suchten. Sie stellten überall Hans Osenburg nach und erwischten ihn endlich auf dem Felde in der Erntezeit, da er gerade ein Fuder Frucht wollte aufladen lassen. Ohne Gnade ward ihm der Kopf abgehauen und auf die Wagenrungen gesteckt, den Rumpf aber an einer Kette unter dem Wagen gehängt; so mußte der Knecht seinen ermordeten Herrn in die Stadt auf den Marktplatz fahren, wenn er sein eigenes Leben retten wollte.

Man kann sich leicht vorstellen, was für eine Empfindung in den Gemütern der Bürger ein so grässliches Schauspiel erregt habe. Um noch mehrere dergleichen Mordtaten zu verhüten, legten sich der Kurfürst von Mainz, der Herzog von Braunschweig und der Landgraf von Hessen ins Mittel, jedoch wurde bei Lebzeiten Heisens von Kerstlingerode das Feuer nicht ganz gedämpft, sondern erst unter seinem Sohne Otto IV. im Jahre 1513.“

Otto von Kerstlingerode hatte seinen Wohnsitz in Heiligenstadt, wo er 1553 verstarb. Sein Grab befand sich in der Stiftskirche auf dem Berg.

heiligenstadt.net

Quelle: Johann Wolf: „Geschichte und Beschreibung der Stadt Heiligenstadt“ – 1800, Bild: Kerstlingerode 2017


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