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Heimatgeschichten: Die Burg und Stadt zum Stein bei Lengenfeld

Heiligenstadt im Eichsfeld
Herausgegeben von in Eichsfeld ·
Tags: LengenfeldBischofstein
Oberhalb des Bischofsteins auf einem Felsvorsprung lag die ehemalige Burg Stein, die erstmalig 1409 urkundlich als „Bischofstein“ in Erwähnung trat. Die Größe der mehrteiligen Anlage ist noch erkennbar, im Osten ist noch ein Turmrest mit seinen Grundmauern erhalten.

Wann die Burg erbaut wurde, liegt im tiefen Dunkel der Geschichte. Jedenfalls erbte Landgraf Ludwig I. von Thüringen 1137 die Burg Stein. 1234 wurde ein Tuto de Lapide (lapide = Stein) genannt. Später kam sie in den Besitz der Mainzer Erzbischöfe, der sie den Edelherren von Plesse übertrug. Nach Verkauf an den Braunschweiger Herzog und den Herren von Hardenberg gelangte sie 1326 wieder in den Mainzer Besitz. In dieser Urkunde wird auch die Stadt Stein erwähnt, die sich unterhalb der Burg in Höhe des Friedhofes der Bischofsteiner befand. Schon im 16. Jahrhundert wurde die Burg dem Verfall preisgegeben und aus den Steinen baute man im 1747 das heutige Schloss Bischofstein.

Nach der Sage hängt die Zerstörung der Burg Stein von der Geschichte vom „Fräuwechen (Frauchen) von Engeland“ zusammen:

„Der König von England (oder nach andern ein englischer Feldherr) kam, von einem einzigen Diener begleitet, auf das Eichsfeld. Von der Nacht überrascht, gelangte er in das Dorf Flinsberg, und da es dort an einem Wirtshause mangelte, kehrte er bei dem Küster ein, der gerade das Tauffest seines Kindes feierte und, obwohl es schon spät war, noch mit mehreren seiner Gäste beim Becher saß. Der gastfreie Küster lud den König freundlich ein, sich an der Tafel niederzulassen, und dieser ließ sich auch nicht lange bitten und fühlte sich in dem fröhlichen Kreise bald wohl.
Unter den Gästen befand sich aber auch der Vogt vom Bischofstein, ein böser, geldgieriger Mann, der bald merkte, daß der Fremde viel Gold und Edelsteine mit sich führte, wodurch seine Habsucht geweckt wurde.

Er erkundigte sich daher im Laufe des Gespräches nach der Zeit, zu welcher der König aufzubrechen und nach der Richtung, welche er einzuschlagen gedenke. Am anderen Tag legte er sich zur bezeichneten Stunde mit einigen seiner Leute bei Ascherode in einen Hinterhalt und stürzte, als der Erwartete endlich herankam, aus seinem Versteck hervor und tötete ihn.

Der Diener, welcher an der Seite seines Herrn sich tapfer gewehrt hatte, wandte, als er denselben stürzen sah, eiligst sein Pferd und floh. Der Ritter und seine Knappen verfolgten den Flüchtigen zwar eine Weile, ließen, aber bald von ihm ab, da sie die erbeuteten Schätze näher betrachten wollten. Sie plünderten den Erschlagenen aus, warfen ihn in einen Brunnen und zogen jubelnd nach dem Bischofstein.
Als die Gattin des Gemordeten den Tod des geliebten Mannes erfuhr, weinte und klagte sie sehr, doch bald drängte der Gedanke, ihren Gatten zu rächen, alle anderen Gefühle in den Hintergrund. Sie sammelte ihre Getreuen um sich, fuhr über das Meer und gelangte, von ihrem Diener geführt, endlich auf das Eichsfeld.
Der Diener wußte nur ungefähr, aber nicht mehr ganz genau die Stelle zu finden, wo sein Herr ermordet worden war, ja, er konnte sich nicht einmal auf den Namen des Ortes besinnen, bei welchem die Untat geschehen war. Nur soviel war ihm noch erinnerlich, daß er auf „rode“ geendet hatte.

Auf diese Angabe hin zerstörte das Fräuwechen von Engeland" – so nennt man noch heute diese Rache übende Frau – alle Dörfer der Gegend, welche auf „rode“ endigten. Endlich erfuhr sie jedoch, wer der eigentliche Mörder gewesen sei und rückte vor die Feste Bischofstein.
Der Bischofsteiner lachte aber nur des Fräuwechens von Engeland und aller seiner Anstrengungen, die Burg zu er¬obern, wunderte sich aber doch über die Kühnheit der jungen Frau, die sich häufig bis dicht unter die Mauern des Schlosses wagte. Man hinterbrachte ihm jedoch, da der silberne Schuppenpanzer, den die Heldin trage, gefeit sei. Und nun lud er eine ebenfalls gefeite Kugel, welche von Silber und nicht viel größer als eine Erbse war, in sein Geschoß, zielte damit auf seine Gegnerin und durchbohrte ihr das Herz, so daß sie lautlos zu Boden fiel. Da gab es unter ihren Dienern und Kriegern viel Jammer und Klagen. Sie sammelten sich um den Leichnam, bestatteten ihn mit großen Ehren und setzten einen Denkstein auf die Gruft, der die „Frauenruh“ genannt wurde. Dann aber stürmten sie in wilder Wut die schwindelnde Höhe zur Burg hinauf, eroberten diese, schlugen alles nieder, was sich widersetzte, und stürzten die Mauern ein.

Der genannte Denkstein hat um die Mitte des vorigen Jahrhunderts noch an seinem Platz gestanden. Der Eigen¬tümer des Bodens ließ ihn wegnehmen. Der untere Teil ist heute noch eingemauert in dem Wohnhause der ehemaligen alten Schmiede (unter der Eisenbahnbrücke). Der obere Teil wurde in der Keudelgasse als Trittstein benutzt, bis er 1882 vom damaligen Pfarrer Großheim angekauft und in die neu errichtete Kirchhofsmauer eingesetzt wurde. Ein Kreuzigungsbild mit Maria und Johannes ist noch zu erkennen. Die stark verwitterte Schrift konnte aber bis jetzt, trotz wiederholter Bemühungen, nicht entziffert werden.“

Quelle: Rudolf Linge „Der Hahn auf dem Kirchdach“, http://de.wikipedia.org/wiki/Burg_Stein_%28Th%C3%BCringen%29


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