Blog der Familie Schuster aus Heiligenstadt - Heiligenstadt im Eichsfeld

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Heimatgeschichten: Die Gebrüder Grimm in Heiligenstadt

Heiligenstadt im Eichsfeld
Herausgegeben von in Heiligenstadt ·
Tags: GrimmMärchen
Wer kennt sie nicht, die „Märchen der Gebrüder Grimm“. Aber wusstet ihr, dass die Märchen „Schneeweißchen und Rosenrot“, „Tischlein Deck Dich“ und „Rumpelstilzchen“ aus unserer Region stammen? Diesen Umstand verdanken wir, dass Heiligenstadt 1993 an die Deutsche Märchenstraße angegliedert wurde. Die Deutsche Märchenstraße führt über rund 700 km von Hanau über Kassel nach Bremen. Der Märchenpark am Vitalpark in Heiligenstadt öffnete am 4. Juli 2004 sein Tor.

Am 20. April 1838 kamen die Brüder Wilhelm und Jacob Grimm nach Heiligenstadt, um mit Bekannten und Freunden die Herausgabe des Grimmschen Wörterbuches zu besprechen. Sie hatten dieses Projekt in Angriff genommen, weil beide ihre Professur ein Jahr zuvor in Göttingen verloren hatten. Grund war die Kritik an ihren Landesherrn in Hannover, der Verfassungsbruch begangen hatte. So trafen sie sich auf „neutralen“ Boden in Heiligenstadt.

heiligenstadt.net

Heiligenstadt ist mit der Geschichte: „Warum die Heiligenstädter die Möhrenkönige heißen“ vertreten:

„Aus irgendeinem nicht mehr bekannten Grund hatten sich die Heiligenstädter Bürger den Groll der eichsfeldischen Ritterschaft zugezogen. Manche Drohungen einzelner Adliger waren den Bürgern zwar zu Ohren gekommen, doch achtete man nicht darauf. Man verließ sich auf die Stärke der Stadtmauern und die eigene bewahrte Kampfkraft. Die Feinde aber wollten endlich mit den wohlhabenden Bürgern abrechnen und hatten zahlreiches Fußvolk und eine große Reiterschar auf die Beine gebracht. Man beschloss, die Stadt zu überfallen. Eines Tages um die Mittagsstunde, als die Bürger mit ihren Familien am Mittagstisch saßen, zog der Feind auf Schleichwegen heran. Doch der Wächter auf dem Altstädter Kirchturm hatte ein wachsames und scharfes Auge. Er bemerkte den Feind und gab mit seinem Horn den Alarmruf. Schnell walteten die Torwächter ihres Amtes und schlossen die Tore der Stadt mit den dafür vorgesehenen schweren eichenen Riegeln. Aber wie es manchmal so geht: Der Wächter des einen Tores, welches es gewesen ist, ist nicht überliefert, konnte in der Aufregung den großen Holzriegel nicht finden. Er wusste sich jedoch zu helfen, denn sein Eheweib hatte tags zuvor die Möhren aus dem Felde geholt und in den Keller gebracht. Die dickste aber, ein wahres Prachtexemplar - sie hatte die Lange und Dicke eines Mannesarmes - hatte sie im Flur des Torwächterhauses liegen lassen, um damit bei ihren Nachbarinnen prahlen zu können. Diese nun ergriff der Torwächter und verriegelte damit schnell das seiner Obhut anvertraute Tor.

Kaum war das geschehen, rannte der Feind auch schon gegen dasselbe an. Aber es wankte nicht, die Möhre tat den von ihr verlangten Dienst und hielt stand. Die tapferen Bürger konnten den Angriff erfolgreich abwehren. Der Feind musste sich zurückziehen. So ging es tagelang fort, und die Belagerer dachten schon daran, wieder abzuziehen. Da die Möhre allem Drängen standgehalten hatte, ließ der Wächter sie stecken und suchte nicht weiter noch seinem verlorengegangenen Riegel.

Nun hatte der Wächter des besagten Tores eine stattliche Ziege. Da sie während der Belagerung Mangel an Futter gelitten hatte, zog sie immerfort an ihrem Strick, mit dem sie angebunden war. Es gelang ihr, sich loszureißen, und sie trippelte durch die offene Stalltür in den Hof. Bald entdeckte sie den Möhrenriegel und lüstern, wie diese Tiere nun einmal sind, stellte sie sich auf die Hinterbeine und stillte ihren Hunger an dem begehrten Bissen. Ihr Appetit war so groß, dass sie nichts von der prächtigen Möhre übrigließ. Kaum war sie damit fertig, als die Belagerer einen letzten Sturmangriff auf das Tor unternahmen. Zu ihrer größten Überraschung war dasselbe nur angelehnt. Sie drangen ein, und trotz heldenmütiger Gegenwehr der überraschten Bürger fiel die Stadt in die Hände des triumphierenden Feindes.

Aber wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Als die Sache mit dem Möhrenriegel ruchbar wurde, regte sich bei den Bewohnern der benachbarten Ortschaften die Spottlust und sie belegten die Heiligenstädter mit dem Spitznamen „Möhrenkönige“."

Quelle: Rudolf Linge: „Alt-Heiligenstadt und seine Kirchen“


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