Blog der Familie Schuster aus Heiligenstadt - Heiligenstadt im Eichsfeld

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Heimatgeschichten: Die Heiligenstädter Martinskirche wird evangelisch

Heiligenstadt im Eichsfeld
Herausgegeben von in Heiligenstadt ·
Tags: Martinskirche
Die Heiligenstädter Martinskirche gilt als Mutterkirche des Eichsfeldes. Die Kirchengründung geht auf den fränkischen König Dagobert zurück. Mitte des 9. Jahrhundert wurde die Saalkirche durch einen romanischen Bau ersetzt, die Krypta ist noch Zeugnis dieser Zeit. Der heutige gotische Bau wurde im Jahre 1276 begonnen aber erst 1450 fertiggestellt.

Mit dem Regensburger Reichsdeputationsausschuss im Jahre 1803 kam das Aus für die kirchlichen Fürstentümer mit ihren Klöstern und Stiften. Durch den Wiener Kongress wurde das Untereichsfeld dem Königreich Hannover und das Obereichsfeld Preußen zugeteilt. Auch das Heiligenstädter Chorherrenstift mit seiner Martinskirche wurden aufgelöst.

heiligenstadt.net

Dr. Konrad Zehrt schreibt seiner „Eichsfeldischen Kirchengeschichte“:

„Am 21. Und 22. Oktober ward in der Stiftskirche zu Heiligenstadt die Andacht von der ewigen Anbetung des allerheiligsten Altarsakramentes gehalten und am 23. Ward von der dazu verordneten Kommission das Stift aufgehoben und die Kirche für den Gottesdienst geschlossen. Augenzeugen versicherten, dass man sofort mit der Entfernung der vorhandenen, kostbaren Paramente und heiligen Gefäße begonnen und namentlich Kelche und Monstranzen in eine Kiste geworfen, so dass dadurch schwere Verletzungen eingetreten wären und dieselben nur noch nach ihrem Metallwerte hätten verkauft werden können. Die Stiftspfarrei ward mit aufgehoben und der Pfarrbezirk willkürlich den beiden fortbestehenden Stadtpfarreien zugewiesen und zwar in der Weise, das ein Teil des Berges die Bergstraße und der östliche Teil der Giekgasse mit der Neustädter Pfarrei vereinigt wurden, und der andere Teil des Berges, der Knickhagen, der westliche Teil der Giekgasse und die beiden Mühlen (Leine-und Papiermühle) der Altstädter Pfarrei einverleibt wurden.
Die Kirche blieb einige Zeit unbenutzt bis sie der protestantischen Gemeinde, die sich seit 1802 besonders aus der den bisher versetzten Beamten und deren Angehörigen gebildet hatte, übergeben wurde. Das Gnadenbild „Maria im Elende“ wurde in die Altstädter Kirche und das Reliquiarium der Heiligen Stadtpatrone Aureus und Justinus in die Neustädter Kirche überbracht.“

Zum Schluss schreibt Zehrt:
„Wann wird der Tag kommen, an welchem die Katholiken wieder in den Besitz der Pfarrei und der Kirche kommen werden!“

Quelle: Dr. Konrad Zehrt „Eichsfeldische Kirchengeschichte des 19. Jahrhunderts“ – 1893


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