Blog der Familie Schuster aus Heiligenstadt - Heiligenstadt im Eichsfeld

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Heimatgeschichten: Effelder und der Räuberhauptmann Hiesel

Heiligenstadt im Eichsfeld
Herausgegeben von in Eichsfeld ·
Tags: Effelder
Der Name Effelder stammt vom Wort affoltra = Apfelbaum ab und wurde im Jahre 1215 in einer Urkunde des Papstes Innozenz III. zum Schutz des Klosters Zella genannt. In dieser Urkunde werden auch unter anderem die Kloster- und Luttermühle genannt. Besitzer von Effeldere waren die Grafen vom Gleichenstein, die es im Jahre 1280 für 12 Mark Silber an Zella auf Wiederkauf veräußerten. 14 Jahre später erwarb Kurmainz das Eichsfeld und ließ es bis zur Auflösung des Klosters im Jahre 1810 vom Vogt vom Gleichenstein verwalten.

Im Dorf erzählt man sich vom Räuberhauptmann Hiesel:

„In der Nähe von Effelder hauste, weit und breit nicht nur bekannt, sondern auch gefürchtet und gemieden, in einer Höhle der Räuberhauptmann Hiesel. Lange ist das schon her, aber das Andenken an ihn hat sich in der Erinnerung der Leute gehalten. Ob er den Wegen des reichen Handelsherren oder den einsam dahinziehenden Wandersmann ausgeplündert hatte - immer fand der Verwegene ein sicheres Versteck. Furcht und Grausen erfüllte deshalb alle, und allgemein mied man die verschwiegenen Waldwege. Besonders die Einwohner von Struth, Effelder, Küllstedt und Wachstedt wußten von seinen Räubereien ein Lied zu singen. Schließlich forderten seine Untaten den Zorn der Bedrängten heraus. Die erbitterte Bevölkerung brachte ein ganzes Aufgebot auf die Beine und endlich gelang es, den Räuber zu fangen. Mit Ketten an den Händen und Füßen gefesselt, wurde der Gefürchtete auf den Bischofstein geschleppt und dort in Haft gehalten.

Befreit atmete alles auf. Aber die Freude sollte nicht lange dauern. Hiesel hauste nämlich nicht allein in seiner Höhle; um ihn hatte sich eine Anzahl treu erdebener Spießgesellen geschart. Sie rotteten sich zusammen, und bis an die Zähne bewaffnet zogen sie vor das Gefängnis und sangen: „Sie bauten zwar Galgen und Rad, aber für dich ward's nicht gebaut!“

Unter ohrenbetäubendem Lärm drangen sie ein, machten die Wächter nieder und gaben damit ihrem Führer die Freiheit wieder. Auch der Schmied von Effelder, der Vertraute und Berater Hiesels, war dabei. In Effelder kannte man die geheimen Fäden, die diesen mit dem Räuberhauptmann verbanden. Ihn nahm man ins Verhör und setzte ihm so lange zu, bis er sich bereit erklärte die Dörfer aus ihrer beständigen Angst zu befreien. In stockfinsterer Nacht, deren Unheimlichkeit durch einen furchtbaren Sturm erhöht wurde, lockte er Hiesel ins Dorf, führte ihn durch eine Scheune in den Hohlweg an der damaligen Kirche und schlug ihn mit Hufhammer nieder. Von allen Seiten eilten die erbitterten Leute herbei und verprügelten den Betäubten so lange, bis er sein Leben aushauchte.

So machte der Schmied sein Vergehen wieder gut; dem Räuber aber versagte man die Ruhe in geweihter Erde. Alt und Jung schleppte ihn an den Waldesrand. Dort wurde er an der Schampanjesbuche verscharrt. Noch heute ist es ein gemiedener Platz; „denn“, so sagen die Leute, „hier ist es nicht geheuer; hier spukt es.“

Thomas Schuster Heiligenstadt

Rudolf Linge: „Der Hahn auf dem Kirchturm“ – St. Benno Verlag Leipzig 1978 – Bild: © Thomas Schuster 2019


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