Blog der Familie Schuster aus Heiligenstadt - Heiligenstadt im Eichsfeld

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Heimatgeschichten: Heiligenstadt und der Bauernkrieg 1525

Heiligenstadt im Eichsfeld
Herausgegeben von in Eichsfeld ·
Tags: Bauernkrieg
Der Deutsche Bauernkrieg begann 1524 und wurde im Jahre 1525 niedergeschlagen. Die 12 Artikel von Memmingen gegenüber dem schwäbischen Bund sind die erste Niederschrift für Menschen- und Freiheitsrechte. Die Schlacht bei Frankenhausen am 15. Mai 1525 war eine der bedeutendsten Schlachten während des Deutschen Bauernkriegs. Das Bauernheer unter Müntzers Führung unterlag dem Fürstenheer. Müntzer wurde gefangen genommen und am 27. Mai in Mühlhausen enthauptet.

heiligenstadt.net

Der Aufstand erreichte Ende April die Grenzen des Eichsfeldes, wo das Bauernheer am 1. Mai von Mühlhausen über Ebeleben kommend, im Lager der eichsfeldischen Bauern bei Niederorschel eintrafen. Müntzer forderte den Rat von Heiligenstadt auf, dem Heer 300 bewaffnete Bürger und Geschütze zu übergeben sowie gegen den Adel und der Geistlichkeit vorzugehen. Unter der Leitung des Hans Schlierbach wurde eine Abordnung, bestehend aus 4 Bürgern, nach Niederorschel in das Bauernlager gesandt, um mit Müntzer und Pfeiffer zu verhandeln. Er bat die beiden Führer um Bedenkzeit, die ihm aber nicht gewährt wurde. Am 2. Mai zog das Bauernheer in Richtung Heiligenstadt ab. Gegen Abend gelangten sie an die Tore der Stadt, die aber nicht geöffnet wurden. Das Bauernheer lagerte auf der Ochsenwiese, im heutigen Kurpark. Der Rat beugte sich dem Druck der Bauern und empfing eine Abordnung Müntzers im Alten Rathaus.
Johann Wolf schreibt:

„Bekanntlich brach im Jahre 1525 der Bauernkrieg in und bei Mühlhausen aus, und ein Theil der obereichsfeldischen Bauern schlug sich zu dem rebellischen Heere, welches unter Münzers Anführung nach geschehener Verwüstung der hiesigen Landklöster und einiger kurfürstlichen Schlösser nach Heiligenstadt rückte. Anstatt, das die Bürger ihrer Pflicht gemäß, auf Erfordern des Oberamtmannes sich dem Bauernschwarm mit gewaffneter Hand hätten widersetzen sollen, öffneten sie die Thore, und nahmen das Raubgesindel mit aller Freundschaft auf.  

Am meisten war ihnen Münzer, der Feldprediger und General zugleich war, willkommen, dessen Predigt sie auf dem Kirchhofe u. l. F. (unserer lieben Frau = Marienkirche), weil die Kirche nicht alle Zuhörer gefaßt hätte, sehr begierig anhörten. Hätte Münzer von der Liebe des Nächsten, auch seiner Feinde, von der Verleugnung seiner selbst, von dem Gehorsam gegen die Obrigkeitgepredigt: so würde er, wie andere, kaltsinnig angehört worden sein, da er aber Rebellion gegen die Obrigkeit, Haß wider dem Priesterstand und Freiheit von Abgaben predigte: so wurden seine Zuhörer bald entflammt, und konnten kaum das Ende der Predigt abwarten, ihre Vorsätze auszuführen. Vom Kirchhofe ging der andächtige Zug auf das Stift; da plünderten Bürger und Bauern die Geistlichen; zerbrachen ihr Hausgeräth; zerschlugen das Braugeschirr; nahmen ihnen ihre Privilegienbriefe weg, und zwangen sie zu allen bürgerlichen Lasten.

Aus den Kirchen wurden die Kleinodien entwendet; selbst der Gottesdienst wie auch die Ceremonien sollten theils abgeschafft werden. Nach diesen Raub zogen die Bauern freudig nach Duderstadt; allein der Triumph der Rebellen dauerte nicht lange.“


Um Pfingsten zog Herzog Heinrich der Jüngere mit 700 Reitern und 7 Fahnen Fußvolk (Fähnlein = 400 Landsknechte) nach Heiligenstadt, um sie zu bestrafen. Als Strafe mussten sie für die Verpflegung aufkommen, jeder Bürger musste 6 Gulden zahlen und das Geschütz wurde auf den Rusteberg gebracht. An der Stadtmauer durfte die Stadt ohne Einwilligung des Kurfürsten nichts ändern oder bauen. Der Kurfürst hob die bestehenden Gilden auf nahm der Stadt alle erteilten Privilegien. Die Stadt erhielt ihre Privilegien erst 1540 wieder.

Quelle: Zeichnung: Schmidt, Johann Wolf: „Geschichte und Beschreibung der Stadt Heiligenstadt“ - 1800


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