Blog der Familie Schuster aus Heiligenstadt - Heiligenstadt im Eichsfeld

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Heimatgeschichten: Hinrichtungen in Heiligenstadt

Heiligenstadt im Eichsfeld
Herausgegeben von in Heiligenstadt ·
Tags: HinrichtungenGalgenhügelMarktplatz
Neben dem Galgenhügel befand sich auf dem Markt neben dem heutigen Rathaus (damals Weinkeller) ein kleiner Galgen. Johann Wolf schreibt um 1800: „Nicht weit davon (neues Rathaus) hat ein kleiner Galgen gestanden, ein Thrillerhäuschen und 2 Pfähle mit einem Joch verbunden, woran einige Halseisen hingen. Es soll auch ein hölzerner Esel dagestanden haben“.

Vermutlich wurde das alte Rathaus in der Ratsgasse als Gefängnis genutzt, Wolf schreibt: „… Es sind im heutigen Gebäude noch einige enge und dunkle Gemächer teils über, teils unter der Erde vorhanden, die vielleicht früher Gefängniszellen waren.“

Nach 1740 war die Polizei im „Golden Kreuz“ – Wilhelmstraße 68 ansässig. Hier befand sich das Gefängnis und eine Folterkammer. Die Gefangenenkapelle mit einer sehr schönen Stuckdecke war im oberen Teil des Gebäudes untergebracht. Der Name „Golden Kreuz“ stammt vom Waisenhaus, dass im vorderen Teil des Gebäudes zu finden war. Das Heiligenstädter Gefängnis befand sich bis in die Nachkriegszeit im Goldenen Kreuz und erstreckte sich mit seinen Hintergebäuden und dem Hof bis an die Windische Gasse.

Im Eichsfelder Heimatmuseum befindet sich ein Tollenkasten, der in Heiligenstadt zur Folter genutzt wurde. Der Delinquent wurde mehrere Tage in dem Kasten eingesperrt und konnte sich nicht großartig bewegen. Weitere beliebte Folterinstrumente waren das Trillerhäuschen, Daumenschrauben, das Rad und die Streckbank.

heiligenstadt.net

Hinrichtungen in Heiligenstadt

Am 28. Juni 1484 wurde der Kirchendieb Roloff von Bünau „mit dem rade gerichtet unde dar up gelecht." Er hatte in der Kapelle des Bartholomäusspitals in Göttingen eine Korallenkette, einen seidenen Mantel einer Marienstatue, zwei silberne Ringe, einen Rosenkranz und ein silbernes Kreuz mitgenommen. Er wurde schließlich in Heiligenstadt gesichtet und festgenommen. Der Göttinger Stadtrat bestand auf eine Auslieferung, die aber von den Heiligenstädtern abgelehnt wurde. Schließlich verurteilte man den Dieb und richtete ihn „durch Zerstoßung der Glieder mit dem Rade" hin.

Ein ehemaliger Schüler des Jesuitenkollegs erschlug im Jähzorn einen Mann und wurde 1599 vom Gericht zum Tode mit dem Schwert verurteilt. Er sollte gemeinsam mit dem Erschlagenen in einem Grab beerdigt werden, die Jesuiten konnten das aber verhindern.

Nicht auf dem Galgenhügel sondern vor dem Geisleder Tor wurde am 13. Januar 1618 der Landschreiber des Eichsfeldes und Schulze von Uder, Andreas Reuter, enthauptet.

Im Juni des Jahres 1809 wurden zwei Straßenräuber zum Tode verurteilt und mit dem Schwert gerichtet.

Mit dem Beil richtete man am 21. Januar 1819 Johann Adolph Günther aus Mühlhausen hin. Er hatte den Ehemann seiner einst Geliebten während einer Jagd erschossen.

Am 24. März 1830 wurde Johann Schuchardt aus Kefferhausen mit dem Rad gerichtet. Er hatte seine Geliebte und seine beiden unehelichen Kinder Anton (4) und Annemarie (1 ½) hinter die Scheune gelockt, erwürgt und dort vergraben.

Johann Urbach aus Lengefeld  (Mühlhausen) wurde am 22. Dezember 1836 mit dem Rad gerichtet. Er hatte den wegen Trunksucht entlassenen Feldhüter Georg Bickel mit einer Steinhacke erschlagen. Er lag schlafend in einem Schweinestall.

Am 13. Dezember 1856 wurde Margaretha Hübenthal aus Rustenfelde mit dem Beil gerichtet. Sie hatte ihren dem Alkohol ergebenen Schwiegersohn in Birkenfelde erschlagen.

Quelle: Eichsfelder Jahrbuch 2013: Helmut Godehardt: Harte Strafen für Diebe, Räuber, Totschläger, Mörder und vermeintliche Hexen


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