Blog der Familie Schuster aus Heiligenstadt - Heiligenstadt im Eichsfeld

Direkt zum Seiteninhalt

Heimatgeschichten: Vorchristliche Bärensteine an der Heiligenstädter Klauskirche

Heiligenstadt im Eichsfeld
Herausgegeben von in Heiligenstadt ·
Tags: Klauskirche
Auf dem Klausberg befand sich vormals eine vorchristliche Kultstätte, dass ist bewiesen und unumstritten. Noch heute sind vermutlich Zeichen aus dieser Zeit erkennbar. Vor ca. 2000 Jahren lebten in unserer Gegend keltische Stämme, was der Fund eines keltischen Hockergrabes in den östlichen Mergelgruben der Stadt belegen kann. Erst später wanderten germanische Stämme in das Gebiet, darunter auch die Vorfahren der heutigen Thüringer. Die Kelten zogen nach Westen zurück oder blieben bei den germanischen Eindringlingen. Im Eichsfeld sind viele keltische Ortsnamen zu finden, darunter Worbis (Wurbeke).

Aber zurück zum Thema: Aufmerksame Betrachter finden Felssteine in Form eines Bären, zwei an der Nordseite und einer über dem Haupteingang der Kirche. Diesen Bären-Sonnen-Stein hatte ich vor ein paar Tagen schon beschrieben.

Offensichtlich als Bär zu erkennen ist ein Stein an der vorspringenden Mauer der nördlichen Seite. Die Privatforscherin Beate Kingreen ist keltischer Geschichte auf der Spur:

„Und - es ist keine Täuschung – an der vorspringenden Mauer vom Eck der Kirchmauer aus, überrascht in BÄR im Stein: in Hockerstellung, halb aufgerichtet, wie zum Sprung bereit – zu erkennen mit einem strengen Gesicht und geöffneten Maul, als wolle er einen hier von hinten kommenden Eindringling zum Kultplatz abwehren. Dieser Bären-Stein hat offensichtlich die Aufgabe eines Wächters. Ein sogenannter Abwehr-Stein kann öfters an Kultplätzen gefunden werden.“

Ein weiterer Bärenstein ist in die Kirchenmauer eingefügt und auch von außen sichtbar. Dieser Stein ist nicht sofort als Bär erkennbar. Beate Kingreen: „Dieser Stein war so sehr geachtet, dass er beim Bau der Klauskirche im 14. Jahrhundert noch existierte und hier liebevoll und geschickt seinen Platz so in der Mauer fand, dass das ganze Bärenbild mit seinen Vorgängen zu erkennen blieb. Aber sicher war der Stein in der Kirche vollkommen bedeckt und versteckt – hinter einem vorgestellten Altar oder Wandbehang – und konnte so allmählich vergessen werden.“

Warum ein Bär? Artio (gällisch = Bär) war eine keltische Jagd- und Bärengöttin. Sie wird mit Andarta, (= die einen Bären in sich hat) der keltischen Sieges- und Kriegsgöttin in Verbindung gebracht. Andarta wird der Siegesgöttin Victoria und Artio der Jagdgöttin Diana gleichgesetzt, daher handelt es sich um verschiedene Gottheiten.  

Quelle: Beate Kingreen „Einst verehrte und heute vergessene Steine“


Zurück zum Seiteninhalt