Blog der Familie Schuster aus Heiligenstadt - Heiligenstadt im Eichsfeld

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Heimatgeschichten: Die Wüstung Volsbach bei Wingerode

Heiligenstadt im Eichsfeld
Veröffentlicht von in Eichsfeld · 20 Juli 2019
Tags: VolsbachGlasherstellung
Der 1281 erstmals als „villa Volkoldespach“ erwähnte Ort gehörte im späten Mittelalter zu den bedeutendsten Glashüttenstandorten im Eichsfeld. In dieser Urkunde wurde der Ort dem Kloster Beuren geschenkt. Dieses veranlasste, aufgrund der günstigen Voraussetzungen und Rohstoffe, die Ansiedlung von Glasmachern, die überwiegend aus dem hessischen Raum kamen. 1331 wird in einer Urkunde ein „Hermannus plebanus (Pfarrer) in Volkoldisbach“ genannt.

Das Dorf besaß einfache Wohnhäuser, eine Kirche sowie einzelne Schmelzöfen, die mit einem Wall und Graben umgeben waren. Durch die günstige Lage an der Handelsstraße konnten die umliegenden Orte mit den hergestellten Hohl- und Flachgläsern versorgt werden.

1525 wird das Dorf durch das Bauernheer zerstört. Bewohner des Ortes lud Friedrich von Wintzingerode am 24. Februar 1534 nach Birkungen ein, um über die Verteilung der Türkensteuer auf die einzelne Orte seiner Herrschaft zu verhandeln. Seit 1548 wird der Ort als wüst bezeichnet. Allerdings ist im Türkensteuerregister noch die Familie Kaufelt (Kaufhold) genannt, die in Volsbach ansässig bleibt.

1976 und 1977 wurde durch das Museum für Ur- und Frühgeschichte Thüringen die Glasöfen freigelegt. Dabei kamen Glas, Keramik, Hohlgläser und mehrere eiserne Gegenstände zum Vorschein. Die Glashütten waren durch einen tiefen Hohlweg von der Kirchburg des Dorfes getrennt. In den 1950er Jahren fand man in einem Hohlraum 10 Flaschenrohlinge, einen Kuttrolf (Vexierglas mit zwiebelförmigem Bauch und einem Hals aus umeinander geschlungenen Röhren, durch die die Flüssigkeit nur tropfenweise oder mit gluckerndem Geräusch fließen kann) und ein Stangenglas.

Die Öfen bestanden aus einem Heizraum, Schürkanal, dem Schmelzraum und dem Anbau, von wo aus der Ofen beschickt werden konnte.
Die Aufzeichnungen des Benediktinermönches Theophilus Presbyter (Anfang 12. Jahrhundert, Köln) beschreiben die Glasherstellung, das Blasen von Flachglas und Hohlglas sowie die Ofentechnologie. Theophilus vermischte Asche von getrocknetem Buchenholz mit gesiebtem Flusssand im Verhältnis 2:1 und trocknete dieses Gemenge im Ofen unter ständigem Rühren, so dass es nicht schmelzen oder verkleben konnte, einen Tag und eine Nacht. Danach wurde diese Fritte in einen Tiegel gefüllt und in einer Nacht unter starker Hitze zu Glas geschmolzen.

Das im Mittelalter noch bewohnte Dorf Volsbach hat noch eine Geschichte zu erzählen:

„An einem Feldweg dort steht ein flacher, abgerundeter Stein, dem man den auffallenden Namen ‚Linse‘ gegeben hat. Die Bezeichnung trifft das Aussehen genau, denn wie eine große flache Linse liegt der Stein auf dem Wege. Die Sage bringt den Stein mit dem „Fräubchen von England“ (Burg Stein) in Verbindung. Als die Frau im Eichsfeld nach dem Ort suchte, an dem ihr Gemahl den Tod gefunden hatte, kam sie auch in diese Gegend. An dieser Stelle tat ihr der Fuß sehr weh. Um sich ein wenig zu erholen, rastete sie und zog die Schuhe von den Füßen. Beim Nachsehen, was ihr solchen Schmerz bereiten könnte, fand sie als Ursache eine Linse. Nachdem sie diese fortgeworfen und sich erholt hatte, reiste sie weiter. Die Linse verwandelte sich sogleich in ein kleines Steinchen, das allmählich an Umfang zunahm und schließlich zu einem großen Stein wurde.“

Quelle: http://universal_lexikon.deacademic.com/263672/Kuttrolf, http://zs.thulb.uni-jena.de/servlets/MCRFileNodeServlet/jportal_derivate_00220143/TLA_1984_Bd20_08.pdf, Levin, Freiherr von Wintzingerode-Knorr„Die Wüstungen des Eichsfeldes“, http://de.wikipedia.org/wiki/Waldglas - Bilder: © Thomas Schuster 2013


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