Blog der Familie Schuster aus Heiligenstadt - Heiligenstadt im Eichsfeld

Direkt zum Seiteninhalt

Mühlen – Relikte vergangener Zeiten oder Wegweiser für die moderne Technik? Teil 2

Heiligenstadt im Eichsfeld
Herausgegeben von in Heiligenstadt ·
Zur Geschichte der Mühlen in Heiligenstadt

Heiligenstadts günstige Lage im Tal und die beiden Flüsse Leine und Geislede machten den Betrieb von Mühlen sehr attraktiv. Da im Tal die Windverhältnisse ungünstig waren, kamen in der Stadt nur Wassermühlen zum Einsatz. Die Leine als größter Fluss Heiligenstadts spielte dabei eine untergeordnete Rolle. Da die Leine außerhalb der Stadtmauer verlief, waren die dort liegenden Mühlen ein leichtes Ziel von Angriffen und Plünderungen. Außerdem war die Leine anfälliger für Hochwasser, welches die Mühlräder beschädigen konnte. Die Geislede jedoch, eignete sich gut zum Antrieb der Wassermühlen. Ein wichtiger Aspekt dabei war das hohe Gefälle von 62 m und die geringe Überschwemmungsgefahr.  Dadurch wurde der Einsatz von Wasserrädern möglich, die später durch Diesel- oder Elektromotoren unterstützt wurden. Die Geislede wurde in einen „fleißigen Arm“ und einen „faulen Arm“ unterteilt.  Die Trennung erfolgte am Jakobswehr an der Scheuche. Der „fleißige Arm“ [Mühlgraben] trieb die Mühlen der Stadt an. Für die Kaps- und Kalkmühle existierten kleine Nebenarme. Heute ist der Mühlgraben in der Innenstadt größtenteils überbaut.

Den ältesten Nachweis über Mühlen in Heiligenstadt finden wir in der Beschreibung von Johann Wolf aus dem 18. Jahrhundert. Er erwähnte fünf Mühlen innerhalb der Stadt.  Im Jahre 1856 stieg die Anzahl auf zwölf Mühlen: die Papier- und Leinemühle an der Leine, die Herrnmühle, Gieckmühle, Ratsmühle, Schlagmühle, Kapsmühle, Klausmühle [Geburtsort von Tilmann Riemenschneider], Linsmühle, Kupfermühle, Walkmühle, Lohmühle an der Geislede.  

Viele der Mühlen wurden durch Brände zerstört. Am verheerendsten waren die zwei Stadtbrände 1333 und 1739.  Die verwinkelte und dichte Städtebauweise im Mittelalter begünstigte die Ausbreitung von Feuer. Dazu kam, dass die Gebäude aus Holz und Lehm gebaut wurden und somit leicht entflammbar waren.

heiligenstadt.net

Im Laufe der Zeit erfuhren die übrigen Mühlen durch die Industrialisierung einen wachsenden Bedeutungsverlust, das Müllerhandwerk wurde zunehmend unattraktiver. In Heiligenstadt ist die Zukunft des Müllerhandwerkes nicht mehr gegeben. Die Mühlen hier werden nur noch von Liebhabern betrieben, die Spaß an ihrem Hobby haben. Somit dienen sie heute nur noch als Schaumühle, Museum oder Veranstaltungsort.  Die Klausmühle ist die einzige Mühle in Heiligenstadt, die das Wasserrad heute noch zur Energiegewinnung nutzt.

Quelle: Schuster/Braukmann/Westerberg: „Mühlen – Relikte vergangener Zeiten oder Wegweiser für die moderne Technik?“ – 2018 - Ausschnitt von Alexander Schuster; Bild Ratsmühle in Heiligenstadt 1937


Zurück zum Seiteninhalt