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Mühlen – Relikte vergangener Zeiten oder Wegweiser für die moderne Technik? Teil 3

Heiligenstadt im Eichsfeld
Veröffentlicht von in Heiligenstadt · 8 Februar 2019
Die Herrnmühle – älteste Mühle der Stadt

Johann Wolf, Geschichtsschreiber des Eichsfeldes, nennt die Herrnmühle als die älteste Mühle der Stadt. „Sie gehört dem Kurfürsten, und ist für die Stubengasse, für mehrere Häuser in der Altstadt, wie auch für die Dörfer Mengelrode, Siemerode und Günterode eine Zwangmühle, in der die umliegenden Bauern ihr Korn abgeben mussten.“  Die meisten Müller pachteten ihre Mühle vom Grundherren. Diese schützten die Müller vor der Konkurrenz anderer, indem sie ihre Bauern verpflichteten nur beim eigenen Müller mahlen zu lassen. Der älteste Beleg der Herrnmühle stammt von einer Mainzer Heberolle aus dem Jahre 1248.  Im Jahre 1318 wird die Mühle als „Vrone mulle“ erwähnt.

Später wurde sie Fronmühle genannt, da sie dem Kurfürsten gehörte. Erst 1777 kam sie zu ihrem heutigen Namen „Herrnmühle“. Im 15. Jahrhundert wurde sie dem Martinsstift verpfändet, später übergab das Stift die Mühle dem Rat von Heiligenstadt.  Neben der Herrnmühle liegt das Kornhaus, in dem Getreidevorräte der Stadt gelagert wurden. Die starken Mauern zeugen von der großen Bedeutung, die das Kornhaus hatte.  Das heutige Gebäude der Mühle wurde 1730 am Heiligenstädter „Mühlgraben“ errichtet. Die Vorderfront zierten zwei Wappen; das Zunftsymbol mit dem Müllergruß „Glück zu“ und das Familienwappen der Familie Breitenbach mit der Jahreszahl 1656.

Thomas Schuster Heiligenstadt

Die Herrnmühle als Mahlmühle hatte zwei Ölgänge, so wurde nicht nur Getreide zermahlen, sondern auch Öl gepresst.  Der Herrnmüller Breitenbach durfte nur 30 Zentimeter Wasserhöhe vor seinen Wasserrädern anstauen, die kaum zum Antrieb ausreichte. Da es ständig Streit zwischen der Herrnmühle und der höherliegenden Gieckmühle über das Anstauen der Geislede gab, wurde sich 1896 auf eine Wasserstauhöhe geeinigt.  1923 baute der letzte Besitzer Karl Engelhardt die Herrnmühle um. Dabei erhielt sie viele Neuerungen, darunter eine Reinigungsmaschine und neue Walzenstühle. Außerdem ersetzte er die drei Wasserräder durch ein Großes. Die neue technische Ausstattung der Mühle diente dazu, einen höheren Ertrag mit weniger Arbeitsaufwand zu erreichen. 1961 wurde der Mühlenbetrieb eingestellt.  Bis ungefähr 1980 war die Mühle noch bewohnt, später wurde sie dem Verfall preisgegeben. Im August 2002 gründete sich der Verein „Herrnmühle-Kornspeicher e.V.“, der sich für die Erhaltung der Mühle und des Kornspeichers einsetzt. Zum Mühlentag 2007 bekam die Herrnmühle ein neues hölzernes Mühlenrad, das alte Mahlwerk blieb erhalten.  In der Mühle finden heute viele Veranstaltungen statt, wie unter anderem Vorlesungen und musikalische Darbietungen.

Quelle: Schuster/Braukmann/Westerberg: „Mühlen – Relikte vergangener Zeiten oder Wegweiser für die moderne Technik?“ – 2018 - Ausschnitt von Alexander Schuster; Bild Herrnmühle 1988



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