Blog der Familie Schuster aus Heiligenstadt - Heiligenstadt im Eichsfeld

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Mühlen – Relikte vergangener Zeiten oder Wegweiser für die moderne Technik? Teil 4

Heiligenstadt im Eichsfeld
Herausgegeben von in Heiligenstadt ·
Tags: Papiermühle
Älteste Papiermühle Mitteldeutschlands – ein Beispiel der Industrialisierung

Die Papiermühle zählt zu den ältesten Papiermühlen Mitteldeutschlands und war die einzige dieser Art im weiteren Umfeld. Erbauer der Mühle war 1621 der Kanzleirat und Landschreiber Johann Zwehl. Im Dreißigjährigen Krieg wurde sie in Brand gesteckt. 1829 kaufte Theodor Dietrich Lovis die Papiermühle und erweiterte sie.

1854/55 verlegte Lovis die Produktion auf das Gelände der ehemaligen Papierfabrik in die Nähe der Kupfermühle in die Flinsberger Straße. 1873 kaufte der Fabrikant Franz Engelmann die leerstehende Papiermühle, um Nadeln herzustellen. Er ließ die alte Mühle 1899 abreißen und baute dort eine größere Nadelfabrik. In Abbildung 3 kann man im Vergleich die alte Mühle und die neue Nadelfabrik sehen. Dieser Prozess fand bei vielen ehemaligen Mühlen in der Zeit der Industrialisierung statt. Im Werk I war später die Verwaltung des VEB Solidor untergebracht. Heute ist das Gebäude Teil des Landratsamtes. Nach Kriegsende 1949 wurde die Fabrik enteignet und ging in staatliche Hand der DDR über. Unter dem Namen „VEB Kleinmetallwarenwerk“, kurz genannt „Mewa“ stellte der Betrieb unter anderen Drahtartikel, Schnallen und Gurtbeschläge sowie Wand- und Angelhaken her. Mit der Gründung des Kombinates „VEB Solidor“ mit Hauptsitz in Heiligenstadt 1970, war die Firma der größte Arbeitgeber in der Region, mit vielen sozialen Einrichtungen, wie zum Beispiel einer Kinderkrippe und einer Betriebsarztpraxis.

Thomas Schuster Heiligenstadt

Quelle: Schuster/Braukmann/Westerberg: „Mühlen – Relikte vergangener Zeiten oder Wegweiser für die moderne Technik?“ – 2018 - Ausschnitt von Alexander Schuster; Bild: Papiermühle um 1900 und heute


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