Blog der Familie Schuster aus Heiligenstadt - Heiligenstadt im Eichsfeld

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Mühlen – Relikte vergangener Zeiten oder Wegweiser für die moderne Technik? Teil 5

Heiligenstadt im Eichsfeld
Herausgegeben von in Heiligenstadt ·
Tags: Mühlen
Die Kupfermühle – Vorgängerin der Papierfabrik

Eine Kupfermühle wurde zur Verarbeitung von Kupfer und Messing eingesetzt, die meist von einem Wasserrad angetrieben wurde. Ob in der Heiligenstädter Kupfermühle Metall bearbeitet wurde, ist nicht überliefert. Die erste urkundliche Erwähnung der „Kupffer Müllenn“ geht in das Jahr 1634 zurück. Der Müller Christoph Stange baute die Mühle 1741 zu einer Sägemühle um. Die Kupfermühle wurde 1838 noch als Mahl-, Öl- und Schneidemühle betrieben. 1840 kaufte der Papierfabrikant Theodor Dietrich Lovis die Mühle. Lovis war ebenfalls der Besitzer der Papiermühle an der Leine, die im vorherigen Kapitel aufgeführt wurde. Unter seiner Führung entwickelte sich die Papiermühle zu einem wichtigen Betrieb in Heiligenstadt.

1854 baute er eine Turbine ein und stellte eine dampfbetriebene Papiermaschine auf, die drei Zerkleinerungsmaschinen [sogenannte Holländer] antrieben. 1927 wurde eine neue Turbine eingebaut und die Aktienfirma Th. D. Lovis Söhne AG stellte 1930 den Antrag, die Geislede für eine Wasserkraftanlage sowie zum Wasserverbrauch und Wassergebrauch nutzen zu dürfen. Dafür konnte die Fabrik 5 m³ Wasser pro Minute entnehmen und das gebrauchte Wasser ohne Rückstände wieder in die Geislede zurückleiten.  Nach 1945 ging man dazu über, das hergestellte Papier weiterzuverarbeiten. Produkte waren unter anderem Tüten und Schreibblocks, Rohkartonagen, Druckpapier sowie Tapetenpapier. Außerdem wurden Versuche mit Zellstoff durchgeführt. Anfänglich fand dies noch in Handarbeit statt, das änderte sich im Jahr 1951, als die Fabrik in staatliche Hand überging.

Durch Investitionen in Millionenbeträgen konnten Mängel beseitigt, die Technologie verbessert und somit die Produktivität erhöht werden. Nach einem Brand wurde in dem neu aufgebauten Gebäude eine neue Papiermaschine aufgestellt. Am 1. Januar 1951 begann das erste Jahr als staatlicher Betrieb, der sich später „VEB Papierfabriken Heiligenstadt“ nannte. Das Warenzeichen „Heipa“ wurde zu einem bekannten Warenzeichen der DDR. Die Produktion deckte 85% des Bedarfes in der damaligen DDR. Nach der Wende im Mai 1990 führte der Betrieb unter dem Namen „heipa technische Papiere GmbH“ die Papierproduktion fort.  

heiligenstadt.net

Quelle: Schuster/Braukmann/Westerberg: „Mühlen – Relikte vergangener Zeiten oder Wegweiser für die moderne Technik?“ – 2018 - Ausschnitt von Alexander Schuster; Bild: Papierfabrik 1951 STRECKENBACH, GÜNTER (2001): „Eichsfelder Papiergeschichte“ Eigenverlag



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