Blog der Familie Schuster aus Heiligenstadt - Heiligenstadt im Eichsfeld

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Vom Gottesdienstraum der ehemaligen evangelischen Diasporagemeinde Reifenstein zur Kapelle im Eichsfeld-Klinikum (1)

Heiligenstadt im Eichsfeld
Herausgegeben von in Eichsfeld ·
Tags: Reifenstein
Vom Gottesdienstraum der ehemaligen evangelischen Diasporagemeinde Reifenstein zur Kapelle im Eichsfeld-Klinikum (1)

Erstausstattung der Innenausrichtung kostete 305 Taler

1854 bestanden in Rüdigershagen und in Horsmar zwei evangelische Parochien. Zu diesen Pfarreien gehörten auch rund 200 Gläubige, die in 15 verschiedenen Ortschaften der Kreise Mühlhausen, Worbis und Heiligenstadt verstreut lebten und von Wanderpredigern betreut wurden. Für Reifenstein und Dingelstädt lässt sich die Bestellung des evangelischen Hilfs- und Reisepredigers Joachim Hugo Qswald Ahlemann durch die Befürwortung des Domänenpächters Knipping für den 18. Juli 1853 nachweisen. Zwei Jahre lang wurden die Gottesdienste regelmäßig am Sonntag im größten Raum der Wohnung des Domänenpächters mit bis zu 40 Gläubigen abgehalten. Der Ackerbaulehrer Romeyke begründete sogar einen kleinen Chor, der fleißig in der Woche die Liturgie und Chorlieder übte.

Ein Problem war der Mangel und die Verschiedenheit der Gesangsbücher. Zu dieser Gemeinde gehörte der Königliche Oberförster Friedrich Ludwig Carl Diederich, der einen bedeutenden Beitrag zur Bewirtschaftung des Reifensteiner Reviers leistete. Es entwickelte sich ein reges evangelisches Gemeindeleben. 1854 konnte Pfarrer Ahlemann schreiben: „Leute, von denen man nicht wusste, ob sie evangelisch oder katholisch wären, versäumen jetzt keinen Sonntag den Gottesdienst.“

Es ergab sich die Notwendigkeit der Einrichtung eines eigenen Kirchenraumes für die Diasporagemeinde. Die Königliche Regierung gestattete, die Nutzung des ehemaligen Remters (Speiseraum eines Klosters). Die Kosten für die Inneneinrichtung betrugen 305 Taler. Pastor Frantz von Rüdigershagen, Hilfs- und Reiseprediger Ahlemann sowie der Ackerbauschullehrer Romeyke schrieben am 22. Mai 1854 einen Aufruf für eine Spendensammlung mit der Überschrift: I.N.J. (Im Namen Jesu): „Der Anschlag erfordert dazu 305 Taler. Die arme kleine Gemeinde, von welcher die meisten um das tägliche Brot zu kämpfen haben, kann diese Summe nicht aufbringen.“

Scheinbar hatte diese Bitte einen guten Erfolg. Die Kapelle konnte am 1. Juli 1855 eingeweiht werden. Sogar von König Friedrich Wilhelm IV. kam eine Spende. Die Orgel, gebaut von Orgelbaumeister Heyder, stiftete etwas später der Gustav-Adolf-Verein. Ihr Blasebalg wurde mit einem Handhebel angetrieben.

heiligenstadt.net

Verfasser: Karl-Heinz Hoffmann, Kleinbartloff (nach einem Beitrag des „Eichsfelder Evangelischen Sonntagsblattes“ vom 8. Januar 1928, Neudietendorf) - Bild: M. Conraths 1950



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