Blog der Familie Schuster aus Heiligenstadt - Heiligenstadt im Eichsfeld

Direkt zum Seiteninhalt

Vom Gottesdienstraum der ehemaligen evangelischen Diasporagemeinde Reifenstein zur Kapelle im Eichsfeld-Klinikum (2)

Heiligenstadt im Eichsfeld
Herausgegeben von in Eichsfeld ·
Tags: Reifenstein
Vom Gottesdienstraum der ehemaligen evangelischen Diasporagemeinde Reifenstein zur Kapelle im Eichsfeld-Klinikum (2)

Erstausstattung der Innenausrichtung kostete 305 Taler

Im benachbarten Kleinbartloff wurde 1855 ebenfalls eine neue Kirche geweiht, um die Pfarrer Hünermund schon Jahrzehnte vorher mit der preußischen Regierung gekämpft hatte. Leider war der Zuspruch der damals 60 evangelischen Bürger Dingelstädts recht mäßig. Die Verbindungsstraße, zwischen beiden Orten war eine der schlechtesten im damaligen Kreis.

So erkannte bereits Pfarrer Ahlemann, dass der Schwerpunkt der evangelischen Gemeindearbeit später in Dingelstädt liegen muss. Am 8. Dezember 1861 wurde der Pfarrer Theodor Martin Oswald durch den Superintendenten Dr. Schollmeyer aus Mühlhausen in der Kapelle Reifensteins in sein Amt eingeführt. Seinen Wohnsitz verlegte der neue Pfarrer mit behördlicher Genehmigung sofort nach Dingelstädt und bewirkte dort die Gründung einer selbständigen Gemeinde. Durch sein Engagement wurde von 1864 bis 1865 in Dingelstädt die evangelische Kirche gebaut. Es kann gesagt werden, dass die Kapelle in Reifenstein die eigentliche Mutterkirche der evangelischen Kirche Dingelstädts ist.
Die Reifensteiner Kapelle wurde bis zum Ende der 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts genutzt. Damals dort wohnende Flüchtlingskinder erinnern sich noch heute an die stets mit 20 bis 30 Personen besuchten evangelischen Gottesdienste und an ihre Konfirmation durch Pfarrer Hermann (Leinefelde) im Jahr 1951. Der Erhält eines Gottesdienstraumes in einem öffentlichen staatlichen Gebäude wäre in dieser Zeit kaum möglich gewesen. Aus der kleinen Kapelle wurde ein Behandlungsraum des Krankenhauses.
Evangelische Gottesdienste wurden danach in einer Wohnung im ehemaligen Bruderhaus gehalten. Nach 1960 wurde der evangelischen Kirche Leinefelde das ehemalige Torhaus zur Verfügung gestellt Im Sakristeibuch der evangelischen Kirche Leinefelde ist der letzte Gottesdienst in diesem Gebäude am 31. Dezember 1991 durch Pfarrer Peters vermerkt.

Nach der Wende ergaben sich neue Möglichkeiten, die ehemalige Klosterkirche und die Kapelle im Krankenhausgebäude für ihre eigentliche Bestimmung wieder zu nutzen.

Nachdem zuerst nur ein bescheidener Andachtsraum vorhanden war, wurde durch die Leitung des Eichsfeld-Klinikums und durch die Katholische Kirche der historische Raum zu einer Kapelle mit 40 Sitzplätzen umgestaltet, die am 20. Oktober 2004 von Probst Durstewitz eingesegnet wurde. Die Kapelle ist jetzt von der östlichen Seite zugänglich, wodurch sich die Veränderung der Altarseite ergab. Eine besondere Prägung erhielt der kleine Gottesdienstraum durch ein dreiteiliges Altarbild. Dieses ist eine Kopie des Isenheimer Altares von Matthias Grünewald. Sie wurde 1958 von Horst Fiedler gemalt und stellt den Opfertod des Gottessohnes als heilsgeschichtliches, zeitlos gültiges Ereignis dar (nach Dr. Wand). Die Segnung des Bildnisses erfolgte in einem Gottesdienst am 4. Juli 2008 durch Rektor Dr. Wand.

Patienten des Klinikums und Anwohner beider Konfessionen nutzen rege diese Kapelle, die jederzeit durch den Eingangsbereich des Krankenhauses aufgesucht werden kann. So schließt sich in veränderter Form ein Kreis, der 1855 von Christen begonnen wurde.

heiligenstadt.net

Verfasser: Karl-Heinz Hoffmann, Kleinbartloff (nach einem Beitrag des „Eichsfelder Evangelischen Sonntagsblattes“ vom 8. Januar 1928, Neudietendorf) - Bild: Chor der Kirche in Reifenstein Walter Rassow um 1900



Zurück zum Seiteninhalt