Heimatgeschichte(n) - Heiligenstadt im Eichsfeld

© Thomas Schuster Heiligenstadt
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Heimatgeschichte(n)
Neben der Fotografie interessiere ich mich für mystische Orte und Sagen. Das Eichsfeld und seine Umgebung sind reich an Sagen und Geschichten, die von den Gebrüdern Grimm und anderen Autoren wie zum Beispiel Rudolf Linge, Johann Georg Theodor Grässe und Ludwig Bechstein aufgeschrieben wurden. Durch unser schönes Eichfeld führt die Märchenstraße, die mit den Orten Heiligenstadt (Möhrenkönig) und Mackenrode (Schneeweißchen und Rosenrot) vertreten sind. Auch in der Umgebung [Hoher Meißner (Frau Holle), Sababurg (Dornröschen), Polle (Aschenputtel) und anderer Orte] finden wir Stätten der Grimm‘schen Märchenwelt.

Bisher habe ich in 44 Bänden ca. 440 Sagen, Märchen und interessante Geschichten aufgeschrieben und mit Informationen versehen. Auf dieser Seite möchte ich einige dieser Heimatgeschichte(n) vorstellen.
Die Rote Warte bei Duderstadt
Von Duderstadt kommend in Richtung Fuhrbach befindet sich in Höhe des Gutes Herbigshagen auf der rechten Seite das Gasthaus „Rote Warte“.
An der Duderstädter Landwehr wurde bereits um 1400 eine Warte erbaut, die urkundlich als „Rode Warde“ erwähnt wurde. Ab 1511 wird ein Haus neben der Warte genannt, in dem sich ab 1585 ein Backofen befand. Das lässt den Schluss zu, dass die „Rote Warte“ landwirtschaftlich genutzt wurde, zudem 1587 das Dach des Stalles bei der Warte neu gedeckt wurde.

1685 wird der Förster Daniel Kaufholz erstmalig erwähnt. Ein Gasthaus muss bereits 1702 bestanden haben, denn in diesem Jahr fand ein Umtrunk nach der Besichtigung der Ziegelhütte und des Osterholzes statt. 1773 fand die „Abnahme des Turms auf der Roten Warte“ statt. In den folgenden Jahren wurde am Forsthaus repariert.

Das heutige Gasthaus bietet einen schönen Rundblick in die Eichsfelder Landschaft. Vor der Wende konnte man von der Dachterrasse auf den Grenzstreifen mit den Wachtürmen der DDR blicken. Seit 1999 befindet sich die Rote Warte in Privatbesitz.
© Thomas Schuster Heiligenstadt
Im nahen gelegenen Walde wurde öfters eine weiß gekleidete Frau gesichtet, über die erzählt wird:

"In Duderstadt lebte einst ein Ehepaar, das bitterarm war, dabei aber eine reiche Kinderschar zu ernähren hatte. Oft wussten die beiden in ihrer Not nicht, woher sie das liebe Brot nehmen sollten. Einmal es war ein harter Wintertag gingen die Eheleute in den Wald bei der Roten Warte, um Holz zu sammeln.

Unterwegs klagte die Frau Stein und Bein, und der Mann stimmte ihr zu. Zuletzt sagte das geplagte Eheweib: „Wenn uns doch nur einmal die weiße Frau erscheinen würde. Die hat schon vielen armen Menschen geholfen. Meine Mutter hat mir oft davon erzählt”. Der Mann aber schüttelte den Kopf und sprach: „An so etwas glaube ich nicht”.

Die beiden Eheleute gelangten bald in den Wald, wo es ihnen nicht allzu schwer fiel, in kurzer Zeit eine Menge Holz zu sammeln, auf ihren Rücken zu laden und wieder den Heimweg anzutreten. Sie waren noch nicht weit gegangen, da sahen sie neben einer knorrigen Eiche ein knallrotes Tuch liegen. Die Frau warf sofort ihre Tracht auf die Erde und hob es auf. Unter dem Tuch lag ein roter Beutel, der zu ihrer größten Verwunderung mit lauter Goldstücken gefüllt war. Der Mann konnte dies vor Freude kaum fassen und rief: „Nun ist uns geholfen, und alle Not hat ein Ende!” Doch sein Weib sprach: „Ich habe mich zunächst auch sehr über den Fund gefreut, der uns aber nicht gehört, denn Gefundenes darf man nicht einfach behalten. Wenn wir nach Hause kommen, bringe ich das Geld aufs Rathaus". Da verzog der Mann sein Gesicht und versuchte, seiner Frau dieses Vorhaben auszureden. Die jedoch entgegnete: „Wenn wir auch arm sind, so wollen wir doch unseren ehrlichen Namen den Kindern vererben". Da schwieg der Mann.

Bald erreichten die beiden Holzsammler den Waldrand, wo sie vollkommen überrascht von der weißen Frau erwartet wurden, die ihnen freundlich zuwinkte und sprach: „Du bist ein braves Weib. Den Beutel, angefüllt mit Goldstücken, habe ich unter die Eiche gelegt. Da ich deine Not kenne, wollte ich dich vorerst prüfen. Zur Belohnung für deine Ehrlichkeit soll der Geldschatz nun dein Eigentum sein”. Dann war die Erscheinung verschwunden. Da sahen sich die Eheleute eine Weile gegenseitig an, und der Mann sprach: „Weib, du hast doch recht: Ehrlich währt am längsten."

Quellen: https://rotewarte.de/ueber-uns - Helmut Mecke: „Die schönsten Eichsfelder Sagen“ – 2005- Bild: Rote Warte um 1900 (bearbeitet) © Thomas Schuster
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