Geschichte - Heiligenstadt im Eichsfeld

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Heiligenstadt
Die Geschichte der Stadt Heiligenstadt in einer kurzen Beschreibung
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Heilbad Heiligenstadt liegt im nordwestlichen Teil Thüringens und grenzt an Hessen und Niedersachsen. Funde aus der Eisenzeit im unteren Geisledetal (keltisches Hockergrab) belegen, das am Zusammenfluss der Geislede und der Leine schon in der Vorzeit Menschen gesiedelt haben. Auf dem Stiftsberg wurde bei Ausgrabungen eine Königspfalz entdeckt, die aus dem 7. Jahrhundert stammt. 150 Jahre später wurde die Urkirche des Eichsfeldes, die Martinskirche, aus Holz errichtet. Die Pfalz ging später in den Besitz des Mainzer Erzbischofs über, der hier ein Chorherrenstift gründete.
„Heiligenstat“ wurde im Jahre 973 zum ersten Mal in einer Urkunde Kaisers Otto II. erwähnt. Verschiedene Kaiser urkundeten hier, darunter Otto III., Heinrich II. und Friedrich I. Barbarossa. Um 1000 war Heiligenstadt bereits zum Marktflecken gewachsen. 1227 verlieh der Erzbischof und Kurfürst Siegfried II. Heiligenstadt das Stadtrecht. Im Jahre 1304 wurde mit dem Bau der heutigen Martinskirche begonnen. 1333 vernichtete der erste Stadtbrand den Großteil der Stadt.

Um 1400 wurden die Marien- und Ägidienkirche errichtet. Im Mai 1525 zog das Bauernheer von Thomas Müntzer in die Stadt ein. Das Heer lagerte im heutigen Kurpark, der damaligen Ochsenwiese. Nach der Predigt Müntzers vor der Marienkirche wurde das Stift auf dem Berge gestürmt und geplündert.

1574 wurde während der Gegenreform das Jesuitenkolleg gegründet. Der Katholizismus hielt im Eichsfeld wieder Einzug. 1575 lebten noch 12 katholische Familien in Heiligenstadt. 1611 starben an der Pest 600 Heiligenstädter, 1682 waren es 1000. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Stadt mehrmals überfallen und geplündert. 1739 zerstörte der zweite große Stadtbrand über 400 der 600 Häuser. Nach der Auflösung des Kurfürstentums 1802 gelangte das Eichsfeld an Preußen. 1807 bis 1813 war Heiligenstadt Sitz der Präfektur des Harz-Departements des Königreich Westphalen. 1815 wurde das Eichsfeld durch des Wiener Kongress wiederum preußisch.

Nach dem 2. Weltkrieg nahmen die Amerikaner das Eichsfeld ein und mussten dieses nach der Konferenz von Jalta der Roten Armee überlassen. Seit 1950 führt die Stadt die Bezeichnung “Heilbad”. 1952 wurde Heiligenstadt Kreisstadt des gleichnamigen Kreises des Bezirkes Erfurt. Im Oktober 1990 endete die Teilung Deutschlands. Seit dem 1. Juli 1994 ist Heiligenstadt Sitz der Verwaltung des neuen Landkreises Eichsfeld.

Der berühmte Holzschnitzer Tilman Riemenschneider wurde 1460 in der Heiligenstädter Klausmühle geboren. Während des Bauernkrieges predigte Thomas Müntzer 1525 vor der Marienkirche. Am 28. Juni 1825 ließ sich der Dichter Heinrich Heine vom evangelischen Pfarrer Gottlob Christian Grimm im Pfarrhaus heimlich taufen. Theodor Storm fand in Heiligenstadt als Kreisrichter von 1856 bis 1864 Inspirationen für einige seiner Werke und eine neue Heimat. Der Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe übernachtete auf seiner Durchreise 1801 im "Gasthaus zum Mohren" in der Wilhelmstraße. Athanasius Kircher, der Erfinder der Laterna magica, war Lehrer am Heiligenstädter Jesuitenkolleg.

Bildnis von Heinrich Heine im Kurpark in Heiligenstadt
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Karte des Pastors Johann Fluk aus Uder 1646
Carl Duval schreibt 1845 in seiner Beschreibung über Heiligenstadt:

"Die ersten Nachrichten aber, die wir von Heiligenstadt finden, teilt uns eine alte Legende mit, welche uns Folgendes berichtet:

Es lebte einstmals ein mächtiger, fränkischer König, Namens Dagobert (+ 638). Nach einer langen und glücklichen Regierung - denn er hatte große Eroberungen gemacht - wurde er vom Aussatze befallen, weshalb er die Regierung seinem Sohne und einigen tüchtigen Räten übertrug und mit seiner Gemahlin in die Ferne zog, mit dem festen Entschlusse, nicht eher wieder zurückzukehren, als bis er von seiner Krankheit befreit sein würde. Lange irrte er umher, ohne die ersehnte Hilfe zu finden, und kam auch endlich auf das Eichsfeld. Hier fand er eine abgeschiedene Gegend und beschloß, sich in derselben bis zu seiner Heilung aufzuhalten und vor den Augen der Menschen zu verbergen und erbaute deshalb an der Stelle, welche die Bewohner von Heiligenstadt jetzt „die alte Burg“ nennen, eine Wohnung und eine Kapelle zu Ehren der heiligen Jungfrau Maria und des heiligen Petrus. Da die Umgegend in damaliger Zeit mit großen, dichten Waldungen, in denen sich viel Wild befand, bedeckt war, so suchte er sich in seinem Leiden oft durch die Jagd zu erheitern, wurde aber einstmals auf einer seiner Streifereien von einer so unwiderstehlichen Müdigkeit befallen, daß er sich in das Gras warf, wo er sogleich entschlummerte.

Als er wieder erwachte, war das Gras vom Thau ganz feucht, doch wurde er zu seiner unaussprechlichen Freude gewahr, daß an den Stellen, wo ihn der Thau benetzt hatte, der Aussatz gänzlich verschwunden war. Freudig eilte er zu seiner Gemahlinn und verkündete ihr das Wunder und diese theilte seine Freude, rieth ihm aber, sich an derselben Stelle noch einmal in das bethaute Gras zu legen, welchem Rathe denn auch Dagobert ungesäumte Folge leistete und dadurch auch wirklich von seiner abscheulichen Krankheit ganz und gar befreit wurde. Mit dankerfüllten Herzen erhob er sich von der Stätte, wo er Rettung gefunden hatte und sprach: „Wahrlich, entweder liegen hier Heilige oder der Ort ist heilig!“ - und begab sich, darüber nachsinnend, hinweg, hatte aber später eine göttliche Offenbarung, daß an jener Stelle die Heiligen Aureus und Justinus begraben lagen, was ihn veranlaßte, sie heilig sprechen und an dem Orte , wo sie ruhten, eine Stiftskirche erbauen zu lassen, welche er mit einem Propste und zwölf Chorherren besetzte. Da sich nun in der Nähe dieser Kirche bald mehrere Leute ansiedelten, so entstand, namentlich durch Hilfe der Bauern des dicht  bei der Stiftskirche gelegenen Dörfchens Zuenchen, ein Ort, welchen man, da die Gebeine der Heiligen Aureus und Justinus in demselben ruhten und die Veranlassung zur Ansiedelung gegeben hatten, Heiligenstadt nannte."
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