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Der Schwedenfriedhof in Heiligenstadt
„Da kam es herangezogen – langsam, schwerfällig, als würde die Nacht selbst an uns zerren. In lange, schwarze Trauergewänder gehüllt, trugen vier Männer keuchend eine Bahre heran. Ihre Schritte klangen dumpf auf dem Boden, jeder Atemzug war ein gequältes Röcheln, als lastete nicht nur das Gewicht des Körpers auf ihren Schultern, sondern eine unsichtbare Schuld. Mit jedem Schritt schien die Luft kälter zu werden, schwerer, zum Schneiden dicht.

Immer näher kamen sie mir. Ich wollte zurückweichen, doch meine Füße gehorchten mir nicht, als wären sie im Boden verwurzelt. Auf der Bahre lag reglos eine Männergestalt, stumm und bleich, die Augen geschlossen, das Gesicht wie aus Wachs geformt. Fackelschein glitt über seine Züge – es war der Schwedenoberst. Tot? Oder nur dem Tode näher als dem Leben? Kein Laut kam über seine Lippen, doch es war, als hinge ein stummer Schrei in der Luft.

Da geschah es.

Ein fernes Grollen vibrierte unter meinen Füßen. Erst kaum hörbar, dann immer lauter, bis es mir durch Mark und Bein fuhr. Die Erde begann zu beben. Risse zogen sich durch den Boden, schwarz und klaffend wie offene Wunden. Ein modriger Geruch stieg auf, nach feuchter Erde, Verfall und altem Blut.
Plötzlich brach der Boden auf.

Aus der Grabesnacht erhoben sich Gestalten – eine nach der anderen. Hundert… zweihundert… mehr, als ich zu zählen vermochte. Geharnischte Männer, in rostige Rüstungen gezwängt, mit zerbeulten Helmen und leeren Augenhöhlen. Schwerter schabten an Knochenfingern, Kettenhemden klirrten leise, wie das Wispern der Toten. Ihre Schritte waren langsam, aber unerbittlich. Kein Atem, kein Herzschlag – und doch Bewegung.

Sie richteten sich auf, alle zugleich, und ihre Blicke schienen sich auf mich zu richten. Ich wollte schreien, doch meine Kehle blieb trocken. Die Bahre stand nun still, die Träger hatten die Köpfe gesenkt. In diesem Augenblick öffnete der Schwedenoberst die Augen.
War es Traum oder Wirklichkeit?

Ich wusste es nicht mehr. Die Nacht schloss sich um mich, und die Grenze zwischen Leben und Tod war längst verschwommen.“

Quelle: Eigene Geschichte erstellt nach Vorgabe des Artikels des Eichsfelder Volksblatts des Jahres 1926 – Bild: Schwarzes Kreuz mit Geschichte von KI gestaltet © Thomas Schuster Heiligenstadt
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