Blog der Familie Schuster aus Heiligenstadt - Heiligenstadt im Eichsfeld

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Aus dem Archiv: Vor 35 (74) Jahren (2) Beherztes Handeln gegen Unbelehrbare

Heiligenstadt im Eichsfeld
Herausgegeben von in Eichsfeld ·
Tags: Kriegsende1945
Besonnenheit der Eichsfelder Bürger verhinderte noch viel Unheil in den letzten Kriegstagen

„1. April 1945 – Ostersonntag: Kassel ist gefallen. Fliegeralarm Tag und Nacht auf dem Eichsfeld. Die Hochspannungsleitung ist zerstört. Von Eisenach und Eschwege treiben die Amerikaner am 4. April einen Panzerkeil bis Mühlhausen vor. Schwache deutsche Einheiten legen an Dorfeingängen und auf Anhöhen Verteidigungsstellungen an, ziehen sich jedoch meist kampflos zurück, zumal sie von den Einwohnern oft unter Drohungen auf die Sinnlosigkeit ihres Widerstandes hingewiesen werden. Ein Trupp Hitlerjungen, der es sich zur Aufgabe gestellt hat, Günterode und Reinholterode zu verteidigen, wird von den Einwohnern verjagt. In Leinefelde und Gernrode baut man – trotz der Proteste der Einwohner – sinnlos Panzersperren.

Am schlimmsten gebärdet sich ein junger SS-Leutnant mit seinen etwa 120 Mann, meist Jugendlichen im Alter von 16 und 17 Jahren, die sich am Kallmeröder Kopf eingebuddelt haben. Das umsichtige Handeln eines Gemeindevertreters verhindert, dass der Leutnant sich zur Wehr setzt. Im Birkunger Hölzchen hat eine in Breitenholz liegende Baukompanie eine V-Waffen-Stellung erbaut. Die herannahenden Truppen geben jedoch Veranlassung, die Stellung wieder zu vernichten. Bei Struth kommt es am 5. April zu heftigen Kämpfen: zahlreiche Tote auf beiden Seiten – sinnlose Zerstörung des Dorfes.

Am 8. April 1945 sind mehrere Dörfer des Obereichsfeldes von den Nazis geräumt. In Heiligenstadt jedoch wächst die Unruhe: „Will man die Stadt jetzt noch verteidigen?“ Kreisleiter Vogt kündigt noch im letzten Augenblick "radikale Maßnahmen gegen Feiglinge und Drückeberger“ an. Noch am selben Tage flieht er in der Uniform eines Fliegeroffiziers, um irgendwo mit falschen Papieren untertauchen zu können. In Worbis droht der dortige Kampfkommandant, alle „Meckerer“ aufhängen zu lassen.“
(Fortsetzung folgt.)

heiligenstadt.net

Quelle: Thüringer Tageblatt vom 23.04.1980  Bild: Truppführerschule 18 RAD in Heiligenstadt in den 1940er Jahren


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