Blog der Familie Schuster aus Heiligenstadt - Heiligenstadt im Eichsfeld

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Aus dem Archiv: Vor 35 (74) Jahren (3) „Alte Burg“ war Tausenden Unterkunft

Heiligenstadt im Eichsfeld
Herausgegeben von in Eichsfeld ·
Tags: Kriegsende1945
Am Abend des 9. April 1945 wurde Heiligenstadt von den Amerikanern besetzt

„9. April. Pausenloses Feuer! Nur wenige wagen sich aus den Kellern. Die Amerikaner haben aus Richtung Göttingen und Witzenhausen mit starken Panzereinheiten die Grenzen des Eichsfeldes überschritten und nähern sich Heiligenstadt. Schon sind die Panzer auf dem Richteberg ausgeschwärmt und richten ihre Rohre auf die Stadt. Da wird Heiligenstadt als „offene Stadt“ erklärt. Am Abend meldet der Rundfunk: „In Heiligenstadt treffen sich die 3. und 9. Armee der Amerikaner. Die Bahnstrecke Heiligenstadt — Bleicherode von den alliierten Truppen besetzt.“

10. April. Die Orte des Kreises Worbis (Worbis und Heiligenstadt waren 1945 ein Kreis) werden genommen. Dann geht es weiter nach Osten in den Harz, von wo noch tagelang der Geschützdonner herüberdröhnt. Die Kampffront ist über das Eichsfeld hinweg gerollt. Für die amerikanische Besatzung müssen zahlreiche Häuser geräumt werden. Auf dem Rathaus wird das Sternenbanner gehisst. Unterdessen geht der Durchzug anderer Truppenteile und der Verpflegungskolonnen ununterbrochen weiter. Das Getöse und Gerassel will Tag und Nacht kein Ende nehmen.

Die Reichsstraße 80 wird Militärverkehrsstraße und für den Zivilverkehr gesperrt. Unaufhörlich kommen Transporte mit gefangenen deutschen Soldaten auf Lastkraftwagen zum Auffanglager Oberschule zurück. Das große Barackenlager „Alte Burg“, dass ca. eine Million gekostet hatte, diente zunächst Tausenden von ausländischen Arbeitern als Unterkunft.
Am 11. April wird der von der Bevölkerung vorgeschlagene Heinrich Albrecht vom Kommandanten zum neuen Bürgermeister ernannt, nach dem am Tage vorher sein Vorgänger Peter Müller und mehrere führende Nazis verhaftet worden waren. Ende April verlegt der Kommandant seine Dienststelle vom Rathaus in das Gebäude der Ortskrankenkasse. In der „Traube“ wohnen 15 Offiziere, 400 bis 500 Mann liegen in Bürgerquartieren und zeitweise bis 1000 in der Oberschule. Der amerikanische Geheimdienst wohnt in Aue Nr. 8.“

heiligenstadt.net

Quelle: Thüringer Tageblatt vom 24.04.1980  Bild: Lager auf der "Alten Burg" in den 1940er Jahren


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